Artillerie
Geschütze im Anflug: Wertvolle Kanonen kehren nach Basel zurück

Zwei tonnenschwere Kanonen aus den Burgunderkriegen sind aus Paris nach Hause ins Historische Museum Basel zurückgeschwebt. Die beiden tonnenschweren Geschütze sind von historischer Besonderheit, der Transport war entsprechend heikel.

Nicolas Drechsler
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Geschützrohr, Historisches Museum Basel
3 Bilder
... gehts gut gesichert ...
... zurück ins Untergeschoss des Historischen Museums Basel.

Geschützrohr, Historisches Museum Basel

HMB Martin Sauter

Einst war Basel, die Stadt der Humanisten, der Toleranten und Weltoffenen, für etwas ganz anderes europaweit bekannt: für seine Artillerie. Vertreter anderer Städte und Stände reisten an, um sich den beeindruckenden Basler Geschützpark anzusehen. Die Stadt Basel hatte nämlich – entgegen der weitverbreiteten Meinung – einen der höchsten Militärhaushalte der Eidgenossenschaft und die bei weitem höchsten Ausgaben für Artillerie und Munition.

Die Kanonen waren der Stolz der Stadt. Und das sind sie auch heute noch. Deshalb ist Martin Sauter, der Restaurator Metall und Waffen im Historischen Museum Basel (HMB) auch froh, dass seine beiden Kleinode nun wieder sicher in der Ausstellung in Basel liegen. «Der Rauch» und «Burgund», so die Namen der guten Stücke, waren seit Oktober im «Musée de l’Armée» in Paris. Im dritten Stock notabene. «Da stand ich schon bangen Erwartens auf der Strasse, als die Geschütze am Kran schwebten», erzählt Sauter vom Transport.

Durch enge Gänge

Doch die Schwierigkeiten begannen schon in Basel beim Abtransport. «Als wir die Geschütze in die Ausstellung brachten, war der Annex im Untergeschoss noch komplett leer. Und wir konnten mit Maschinen arbeiten. Diesmal stand die gesamte Ausstellung im Weg». Die beiden Kanonen wiegen zusammen die Kleinigkeit von gut drei Tonnen und stammen aus der Kriegsbeute der Eidgenossen der Schlachten bei Grandson und Murten, also aus dem Arsenal Karls des Kühnen von Burgund und sind entsprechend historisch bedeutsam. Umso mehr, weil es heute sehr seltene Stücke sind.

Das grössere Geschütz ist eine sogenannte Bombarde, eine der drei ältesten und grössten in Europa. In Gent und Edinburgh steht jeweils noch eine, doch keine ist so gut erhalten wie die in Basel. Denn die wurde immer in geschlossenen Räumen aufbewahrt und litt entsprechend nicht unter dem Wetter. Die «Mons Meg» in Schottland ist zudem 1680 geborsten, wohl bei einem Salutschuss für König Charles II.

Das zweite Geschütz, die «Burgund», ist zwar kleiner und etwas jüngeren Datums, aber mindestens ebenso interessant. Das 1474 gegossene Stück ist das weltweit älteste erhaltene Geschütz mit Schildzapfen. Das sind die beiden zylindrischen Fortsätze am Geschützrohr, die es ermöglichen, den Lauf in einer Lafette zu lagern und in der Horizontalen zu bewegen. Das macht das Richten wesentlich einfacher und schneller. Dass die Kanone noch im HMB lagert ist zum Teil auch Glückssache: Ein Schwesterstück der «Burgund» wurde vor Jahrhunderten schon eingeschmolzen, um eine Kanone vom moderneren Typ Schlange zu giessen.

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