Der Basler Bildungsdirektor Christoph Eymann tritt bei den nächsten Regierungsratswahlen nicht mehr an. So weit – so wenig überraschend. Seine Partei, die Liberaldemokraten, äusserte sich am Donnerstag auch entsprechend gefasst, denn Eymann hatte bereits früher angetönt, dass er mit 65 keine neue Amtsperiode mehr in Anlauf nehmen werde. Die LDP muss nun also ihren Regierungsratssitz verteidigen, denn er ist bis zu einem hohen Grad ihre Existenzberechtigung neben den anderen Liberalen von der FDP.

Bereits dreht sich munter das Kandidatenkarussell, auf das sich zumindest eine Person bereits gesetzt hat: Parteipräsidentin Patricia von Falkenstein. Die Juristin führt zurzeit die Geschicke der LDP und der LDP-Fraktion im Grossen Rat. Sie ist derzeit auch die einzige bürgerliche Frau im Parlament, die von Alter, Erfahrung und Ehrgeiz her zu einem Regierungsratswahlkampf fähig ist.

Die beiden Top-Kandidaten

Am meisten genannt wurden bereits Minuten nach Eymanns Verzichtserklärung zwei andere Namen: Andreas Albrecht und Conradin Cramer. Cramer ist seit Jahren der Shooting-Star der LDP: Intelligent, smart, wortgewandt und beinahe so charmant wie Eymann selbst. Der Anwalt arbeitet in der liberalen Machtzentrale, bei der Kanzlei Vischer. In seinem Jahr als Grossratspräsident hat der 34-Jährige bisher einen kompetenten und gelassenen Eindruck gemacht. Der stets gepflegt auftretende Cramer leitet das Parlament mit der nötigen Mischung aus Strenge und Humor.

Albrecht ist Cramer aber dennoch voraus: Im Beruf ist er Managing Partner der Kanzlei Vischer, in der Cramer arbeitet. Im Grossen Rat sitzt er seit zwölf Jahren und präsidiert seit elf Jahren die einflussreiche Bau- und Raumplanungskommission. Und als Bankratspräsident der Basler Kantonalbank besetzt er eine weitere Schlüsselstelle im Basler Wirtschaftsleben. Genau in seinen Ämtern liegt aber auch die Krux: Warum sollte Albrecht dieses Leben gegen das Amt eines Regierungsrats eintauschen wollen? Thomas Strahm führt derzeit einen Wahlkampf in Riehen, um einen Sitz im Gemeinderat. Und hütet sich darum, den Eindruck zu erwecken, er spekuliere bereits auf das nächsthöhere Amt.

Riehen als Hypothek

Hört man sich bei bürgerlichen Politikern in Riehen um, ist Strahm momentan nicht sehr beliebt: Er wird dafür verantwortlich gemacht, dass die LDP aus der bürgerlichen Allianz ausgeschert ist. Auf einen Pluspunkt als Vertreter des Dorfes kann Strahm übrigens nicht hoffen: Auch Cramer stammt aus Riehen.

Doch das Hauptproblem der LDP liegt darin, dass Eymann nicht per Ende 2014 oder 2015 zurücktritt, sondern erst auf Ende der Legislatur. So kann die LDP nicht bei einer Ersatzwahl den Anspruch auf einen Sitz verteidigen. Und das wird sie müssen, denn SVP-Präsident Sebastian Frehner sagt deutlich: «Die SVP als zweitstärkste Basler Partei gehört in die Regierung.» Im Rahmen einer Gesamterneuerungswahl, bei der möglicherweise auch noch die CVP einen Ersatz für den dannzumal 62-jährigen Carlo Conti positionieren muss, sind Prognosen schwierig. Noch verzwickter würde die Lage, wenn sich Conti entscheiden würde, noch vor Ablauf der Legislatur zurückzutreten, um seiner CVP den Wahlkampf zu vereinfachen.

Zentraler als die Frage nach dem Kandidaten dürfte daher jene nach der Strategie sein. Gehen die Bürgerlichen mit oder ohne SVP in den Wahlkampf? Mit einem 3er- oder einem 4er-Ticket? Gibt es auch bei Rot-Grün Vakanzen? Der nächste Regierungsratswahlkampf wird garantiert spannender als derjenige von 2012.