Der Verein My Happy End, dem 20 gemeinnützige Organisationen angehören, möchte seinen Wohltätern ein Denkmal setzen. Dafür hat der Verein den Wettbewerb «Sichtbar in Erinnerung» lanciert.

«Es geht darum, den Menschen, die uns in ihrem Testament berücksichtigen, zu einer Sichtbarkeit zu verhelfen», sagt Beatrice Gallin, Geschäftsführerin des Verein. Fünf Projekte wurden im Vorfeld ausgewählt, gestern Mittag entschied sich die Jury mit Mitgliedern aus der Kunst- und Kreativbranche für einen Gewinner.

Verschiedene Gründe für Spenden

Der Tod gehört zum Leben dazu, und nirgends in Basel wird das deutlicher als auf dem Hörnli. «Wir haben den Friedhof als Veranstaltungsort ausgewählt, weil er der grösste der Schweiz ist», sagt Gallin, Geschäftsführerin des Vereins. Auf der Website des Vereins kann man einen Testament-Check machen, der die eigene Situation darstellt.

Damit sollen Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie bei der Gestaltung ihres Nachlasses Spielraum haben – und wer berücksichtigt wird, wenn man selbst kein Testament schreibt.

«Das Angebot, eine gemeinnützige Organisation beim Nachlass zu berücksichtigen, spricht verschiedene Menschen an», sagt Kerstin Blidi, die das Crowdfunding für «Enfants du Monde» leitet. «Es kann bereits eine lange Beziehung zwischen der Person und der Organisation bestehen.»

In anderen Fällen ist es für die Spender das erste Mal, dass sie mit einer Organisation in Verbindung treten. Das komme auch dann vor, wenn es keine nahen Familienmitglieder mehr gibt, sagt Blidi. «Aber auch Personen, deren Kinder wohlhabend sind, gehören zu unseren Gönnern», ergänzt Claudia Lehnherr Mosimann, verantwortlich für Grossspenden und Nachlässe bei SOS Kinderdorf. Der Gedanke sei oft der, etwas weitergeben zu wollen – und dass der letzte Akt etwas Gutes tun soll.

Sozialer Prozess als Leitgedanke

Das Projekt «Gegeben und Genommen» überzeugte dabei am meisten. «Unser Denkmal besteht aus persönlichen Gegenständen von verstorbenen, den lebensnäher und individueller können Erinnerungsstücke nicht sein», sagt die Berliner Kulturwissenschafterin Johanna Götz.

Zusammen mit dem Leipziger Designer Yi-Cong Lu hat sie über ein Jahr am Projekt gearbeitet. Die Gegenstände werden in einem offenen Häuschen gelagert – und können mitgenommen werden. «Wir wollen das gemeinschaftliche Geben und Nehmen nachvollziehbarer machen», sagt Götz. Es sei mehr ein sozialer Prozess als ein starres Denkmal.

Was jemand nicht mehr braucht, könne für andere von hohem Nutzen sein. Wo das Denkmal realisiert wird, ist noch unklar. «Da der Verein aus 20 Partnern besteht, wollen wir eine gemeinsame Lösung finden», sagt Götz. Sie kann sich vorstellen, dass das Denkmal eine temporäre Installation wird. «Zürich erscheint mir ideal, da es der Hauptsitz des Vereins ist.»