Lukas Engelberger

Gesundheitsdirektor liefert nach zwei Jahren eine durchzogene Bilanz ab

Kostenreduktion im Gesundheitswesen? Da hilft nur beten. Lukas Engelberger, Gesundheitsdirektor, und seine Kommunikationsbeauftragte.

Kostenreduktion im Gesundheitswesen? Da hilft nur beten. Lukas Engelberger, Gesundheitsdirektor, und seine Kommunikationsbeauftragte.

Im Herbst sind Wahlen. Kandidatinnen und Kandidaten versuchen, sich im besten Licht zu präsentieren, die Bisherigen wollen ausserdem mit einem eindrucksvollen Leistungsausweis brillieren. Das Gesundheitswesen ist diesbezüglich darum etwas undankbar, weil viele Elemente fremdgesteuert sind. Und liegen sie im Einflussbereich, dann dauert es, bis Resultate sichtbar sind. So ist Regierungsrat Lukas Engelberger bei vielem noch auf dem Weg – «auf gutem Weg» –, wie er betont.

Ein wichtiges Ziel ist die Eindämmung der Gesundheitskosten. Eine Sisyphusarbeit, die bisher kaum positive Resultate geliefert hat. Ein Beispiel sind die Spitalkosten, die trotz Fallpauschalen noch nicht reduziert wurden. Das sei ein nationales System, weil das «Tarmed»-Vergütungssystem falsche Anreize setze und veraltet sei. Konkret gehe es darum, dass heute zwar viel mehr Behandlungen ambulant gemacht werden könnten. Aber das werden sie nicht, weil die Versicherer keinen Anreiz dazu haben: Bei stationärer Behandlung zahlt der Kanton 56 Prozent, die Kasse nur 44 Prozent. Und der Patient wisse das nicht einmal. «Das muss geändert werden.»

Eine gewisse Hoffnung sieht Engelberger bei der Entwicklung der Demografie: Die prognostizierte Zunahme der Betagten flacht ab.

Spitäler kranken noch immer

Im Spitalbereich bestünden «eher Überkapazitäten», sagte Engelberger, wagte sich aber nicht auf die Äste hinaus. Zu einer Spitalschliessung komme es wahrscheinlich nicht, aber zu einer Konsolidierung – das heisst konkret: zu einem Abbau von Betten. In Basel generieren die 13 Spitäler insgesamt 1,7 Milliarden Franken Umsatz. Der Aufwand des Kantons für die Spitäler im Krankenversicherungs- und IV-Bereich beläuft sich auf 345 Millionen.

Über die Überkapazitäten im Spitalsektor gehen die Meinungen auseinander, wie eine Kurzumfrage bei ein paar Privatspitälern zeigt. «Wenn ich merken würde, dass wir Überkapazitäten hätten, sähe ich das und würde rasch mit einer Reduktion reagieren», sagt Stephan Fricker, CEO der Merian-Iselin-Klinik. «Aktuell haben wir unsere Kapazitäten wegen unseres Umbaus für Privatpatienten um rund 20 Prozent zurückgefahren», sagt er. Der Umbau dürfte in rund einem Jahr beendet sein. Die Kapazität wird dann wieder gleich hoch sein wie vor dem Umbau.

Unterschiedliche Auslastungen

Die Auslastung liege im Schnitt bei 85 Prozent und sei wegen des Belegarztsystems stark schwankend. Im Sommer liege sie tiefer – im Herbst, Winter und Frühling/Frühsommer sei sie hingegen hoch. Fricker: «Die Spitalgrösse muss sich bei uns nach der ‹Primetime›, also den Wünschen von Patienten und Belegärzten, richten.»

Aus der Sicht des Bethesda-Spitals sei eine Spezialisierung auf Kernbereiche im Rahmen von Qualitätssteigerung und Kostenoptimierung «zwingend nötig und sinnvoll». Im Bethesda sind es die Fachgebiete Gynäkologie, Geburtshilfe und die Bewegungsapparatmedizin. Generell habe das Spital aktuell eine durchschnittliche Auslastung (Januar bis Juni 2016) von über 85 Prozent, sagt Spitaldirektor Thomas Rudin.

«Genau richtig»

Im Claraspital lag sie 2015 sogar bei 94,6 Prozent. «Angesichts dieser sehr guten Auslastung sind wir der Meinung, keine Bettenüberkapazität zu haben. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass das Claraspital eine sehr gute Unternehmensgrösse hat, und streben insofern weder ein Bettenwachstum noch eine Bettenreduktion an», sagt die Unternehmenssprecherin. Das Spital sei mit seinem Bauch- und dem Tumorzentrum und durch die Gynäkologie/Gynäkologische Onkologie sehr gut fokussiert.

Martin Birrer, Präsident der Basler Privatspitäler-Vereinigung und Direktor der Adullam-Spitäler und -Pflegezentren, bestätigt Engelbergers Aussage. «Es gibt in der Region etwas zu viel Spitalbetten, aber die Auslastung schwankt saisonal stark.» Im Sommer werden Abteilungen geschlossen. Die Aufenthaltsdauer habe wegen der Einführung der Fallpauschalen (DRG) abgenommen. Damit brauche es weniger Betten. Seit etwa zwei Jahren seien im Kanton Basel-Stadt genügend bis etwas zu viel Pflegebetten vorhanden. Akut-Spitalbetten, die zuvor durch Pflegepatienten fehlbelegt waren, seien frei geworden.

35 Millionen für ein Stockwerk

Angesichts der tendenziellen Überkapazität wird in der Branche nicht verstanden, warum das neue Felix-Platter-Spital vier statt drei Stockwerke hoch gebaut wird. Es handle sich um eine strategische Reserve, meint Engelberger auf Anfrage der bz. Man sei möglicherweise froh um diesen Platz, wenn etwa das Klinikum 2 des Universitätsspitals neu gebaut würde. Ob auf dem Extra-Stock des Felix-Platter-Neubaus auch Pflegebetten angeboten würden, sei noch offen. Sicher sei, dass eine nachträgliche Aufstockung von drei auf vier Etagen im laufenden Betrieb kaum möglich wäre. Ausserdem sei der Mehraufwand (35 Millionen im Vollausbau) heute sehr günstig zu finanzieren.

Die Zusammenarbeit mit dem Kanton Baselland wird laut Engelberger vorangetrieben. Ein Update zu diesen für die ganze Region zentralen Projekten stellte Engelberger vor den Herbstferien in Aussicht.

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