Mit dem in Lörrach geplanten Zentralklinikum dürfte Bewegung in das Gesundheitssystem der trinationalen Region Basel kommen. Der Bau des 239-Millionen-Euro-Projektes soll 2020 beginnen – die Fertigstellung ist ab 2025 vorgesehen.

Vier Kliniken aus dem Landkreis Lörrach werden in dem neuen Bau mit 652 Betten zusammengefasst. Ziel ist es, für die Patienten, aber auch für die Mitarbeiter attraktiver zu werden. Armin Müller, Leiter der Kliniken im Kreis Lörrach, verhehlt nicht, dass er sich mit den Spitälern der beiden Basel in Konkurrenz sieht. «Der Wettbewerb um die Mitarbeiter macht die Zusammenarbeit schwierig. Wir bilden gute Leute aus und die sind begehrt», sagte er bei der Plenarversammlung des trinationalen Parlaments Districtsrat, die Freitag letzter Woche im Claraspital stattfand und sich schwerpunktmässig mit den grenzübergreifenden Spitalstrukturen auseinandersetzte.

Abgeworben werden die Mitarbeiter von der nahen Schweiz. Zwischen 40 und 50 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitssystem in den beiden Basel kämen aus Deutschland. Das habe auch mit der grösseren Wertschätzung für ihre Arbeit zu tun.

2000 Patienten aus Südbaden

Zurückholen wolle man auch Patienten, räumte Müller ein. Aus Südbaden waren es 2016 gut 1400, die sich in den öffentlichen Basler Spitälern behandeln liessen, sagte der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger. Den Löwenanteil hiervon holte sich das Universitätsspital Basel (USB) mit knapp 1200. Ins private Claraspital kamen laut Direktor Peter Eichenberger 600.

Wesentlich weniger stammen aus dem nahen Elsass. So zählte das USB rund 400 Patienten aus Frankreich, beim Claraspital waren es gerade mal 70. «Die Mehrheit von ihnen sind Grenzgänger, die in der Schweiz versichert sind», erläuterte Eichenberger. Die restlichen 20 Prozent würden selber bezahlen. «Das jemand über die französische Krankenkasse abgerechnet hat, habe ich schon lange nicht mehr erlebt», sagte er.

Grund dafür sind unterschiedliche Kostenstrukturen. Weil in Frankreich das Gesundheitssystem in Bewegung ist, war von dort kein Referent an die Versammlung gekommen. Zudem ist derzeit ein Abkommen für das Gesundheitswesen zwischen der Schweiz und Frankreich in der Vernehmlassung.

Zwischen der Schweiz und Deutschland läuft seit 2007 das Pilotprojekt «Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen» (Grüz), das 2019 in den Regelbetrieb übergehen soll. Aus den beiden Basel nützen Patienten das Angebot fast ausschliesslich im Reha-Bereich. Allerdings gehen die Fallzahlen seit 2012 beständig zurück und lagen 2016 nur noch bei 117.

Basler Onkologie in Lörrach

Besser funktioniert ein Gesundheitszentrum, welches das USB seit Juli 2014 im Kreiskrankenhaus Lörrach in Bezug auf die Onkologie anbietet. «Bei der Strahlentherapie hat das geklappt, weil es keinen Geldtransfer gibt», begründet Armin Müller den Erfolg. Das bedeutet, dass direkt mit dem Unispital abgerechnet wird.

Als Problem sahen Lukas Engelberger wie Armin Müller, dass ihre jeweilige Gesundheitsregion aufgrund der Grenzen nicht 360 Grad, sondern nur 120 Grad umfasse.