Basel

Getrübte Stimmung: Über die Zukunft des Landhofs ist man sich uneinig

Über den Abriss der Tribüne hinter Heinz Käppeli vom Verein Landhof wird nicht gestritten – über andere Veränderungen schon.

Über den Abriss der Tribüne hinter Heinz Käppeli vom Verein Landhof wird nicht gestritten – über andere Veränderungen schon.

Einige Nutzer sind unzufrieden mit dem Gebäude und den Spielplatz des geplanten Projektes. Zwar sagten die Stimmbürger vor vier Jahren Ja zum Erhalt des Stücks Nostalgie, aber die Fussball-Tribüne muss abgerissen werden.

Das Volk hat vor vier Jahren Ja gesagt. Ja zu einem Landhof, der grün bleiben soll. Und damit Ja zum Erhalt eines Stücks Nostalgie im dicht bebauten Kleinbasel beim Messeplatz.

Ein Teil der Nostalgie fällt mit dem Abriss der Fussball-Tribüne weg; das Fussballfeld aber, auf dem sich der FCB einst abstrampelte, bleibt für allerlei Sportaktivitäten bestehen.

Genauso wie die Stehrampe, die jetzt vor lauter Pflanzen kaum mehr sichtbar ist, später aber als Sitzgelegenheit dienen soll. Auf dem Areal soll eine Grünanlage mit Kinder-Schleichwegen und einem Café für das Quartier entstehen. Klingt gut, doch gut ist das falsche Wort für die Stimmung, die bei den involvierten Parteien herrscht. Die ist getrübt.

Pavillon folgt auf Tribüne-«Riegel»

Kürzlich mähte Heinz Käppeli bei Sonnenschein den Rasen. Der Präsident des Vereins Landhof war erstaunt, als er zwei Jugendliche drinnen Tischtennis spielen sah, obwohl auch vor dem Tribünen-Gebäude ein Ping-Pong-Tisch steht. «Sie sagten mir, der Wind störe.» Wenn das Projekt «Stranger than paradise» in der aktuellen Form gebaut wird, sei das nicht mehr möglich, sagt Käppeli. «Dann werden wir drinnen kaum mehr Platz für einen Ping-Pong-Tisch haben.»

Das vor einem Jahr einstimmig prämierte Projekt beinhaltet ein einstöckiges 48 Meter langes Gebäude mit drei Räumen und gedecktem Aussenraum auf beiden Seiten. Die genaue Nutzung ist bis auf das Café und die Jugendarbeit noch unklar.

Klar ist: Von der gesamten Gebäudebreite von 16 Metern ist je die Hälfte Innen- und Aussenraum. Für Käppeli und Mirko Ulbl von der ansässigen Kinder- und Jugendarbeit Oberes Kleinbasel ist klar: «Wir brauchen mehr Innenraum.» Sie müssten Stau- und Aufenthaltsraum zur Verfügung haben, wie sie ihn derzeit im zweistöckigen Tribünen-Gebäude hätten.

Käppeli und Ulbl sind seit Jahren auf dem Landhof tätig. Der Ex-Grossrat Käppeli war Mitinitiant von der «Landhof bleibt grün» - und glücklich über das Abstimmungsresultat. Doch ihn und ein Teil des Vereinsvorstands stört, was daraus werden soll. Zum einen der kleinere Innenraum, zum anderen die Lage des Gebäudes, das mehr Pavillon als Haus sein soll und nicht mehr als «Riegel» zwischen zwei Grünflächen stehen, sondern «gedreht» werden soll.

Denn für den Naturspielplatz hinter der Tribüne bedeutet das: Ein grosser Teil fällt weg. Jugendarbeiter Ulbl findet das nicht lustig, sei es doch gerade für Stadtkinder wichtig, naturnah aufzuwachsen. Brigitte Löwenthal, Projektleiterin bei der Stadtgärtnerei, teilt diese Meinung: «Kinder sollen naturnah aufwachsen, daran werden wir auch nichts ändern. Doch wir erhoffen uns eine stärkere Nutzung des Spielplatzes und werden diesen entsprechend gestalten.»

So soll das jetzige teilweise hohe Gras etwa durch einen Mergelbelag ersetzt werden, da bei starker Nutzung kein Gras wachsen könne. Ein steriler Platz sei aber keineswegs geplant, Wasserläufe und Hügel sollen Naturnähe garantieren.

Für Brigitte Löwenthal ist klar: «Das Projekt ist nicht verhandelbar.» Schliesslich habe es den Wettbewerb gewonnen. Jetzt müsse es noch durch die politischen Instanzen kommen. Sie ist zuversichtlich: «Wir erfüllen damit unseren politischen Auftrag, eine Grünanlage für das ganze Quartier zu schaffen.» Die Kritik von Käppeli und Ulbl könne sie insofern nachvollziehen, als dass sie wohl Angst vor einer Verschlechterung hätten. Aber: «Wir garantieren eine Verbesserung und eine Öffnung des Areals fürs ganze Quartier. Da haben Partikulärinteressen keinen Platz.»

Die Stadtgärtnerei biete aber gern Hand bei der Suche nach Mieträumen für Winter- und Sommerlager-Utensilien. Die Idee der beiden Männer, die Tribüne abzureissen und durch ein Chalet-artiges Dach zu ersetzen, lehnt sie aber ab. Genauso wie den Vorschlag, den ganzen Pavillon zu unterkellern. Grund: zu teuer.

Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel vermittelt zwischen Verwaltung und Bewohnern: «Die meisten Bewohner freuen sich auf die Anlage mit dem geplanten Café.» Auch kritische Stimmen - nicht nur von Ulbl und Käppeli - höre sie. Oft hätten die Menschen Angst, «ihren» Landhof zu verlieren. «Doch es wird Zeit, den ‹Hinterhof› zu öffnen.»

Die Finanzierungsvorlage soll nach den Sommerferien dem Regierungsrat vorgelegt werden. Bereits 2016 soll gebaut werden, die Eröffnung ist für 2017 geplant. Heinz Käppeli schliesst nicht aus, das Referendum gegen das Projekt zu ergreifen.

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