Von einem Glanzresultat zu sprechen wäre untertrieben. Es war mehr als das: Christian Egeler (43) wurde am Mittwoch mit einem Superlativ von einem Glanzresultat zum Grossratspräsidenten gewählt. 91 von 92 Parlamentariern sprachen sich einstimmig für den FDP-Politiker aus, das gab es noch nie. Selbst auf dem einzigen Zettel ohne «Ja» stand nicht «Nein», sondern gar nichts. Doch auch das ist kein Wermutstropfen, denn höchstwahrscheinlich stammt der leere Zettel von Egeler selbst.

Der Mann ist anständig und wählt sich nicht selber. Er ist so anständig, dass er sich in den vergangenen zehn Jahren als Grossrat kein einziges Mal unbeliebt gemacht hat. Was allerdings keine grosse Kunst darstellt, wenn man nie aneckt. Und anecken - das tut Egeler nie. Zwar gilt er als Grüner unter den Freisinnigen, doch in Zeiten des Grünliberalismus ist das kein Grund zur Sorge mehr.

Lobende Worte von links bis rechts

Christian Egeler ist ein Saubermann. Und ein netter dazu. André Auderset von den Liberalen nennt ihn einen «gottlieben Siech». Gut, von einem Liberalen ist kein kritisches Urteil über einen Freisinnigen zu erwarten, schliesslich politisieren die Parteien fast identisch und hätten längst fusioniert, könnte die LDP nicht vom Daig-Image profitieren. Doch auch von ganz links und ganz rechts - kein schlechtes Wort.

Tanja Soland (SP) ist sicher, dass Egeler den Dätschmeister-Job seines Vorgängers Conradin Cramer (LDP) mit Bravour meistern und «souverän auftreten» wird. Auch Joel Thüring (SVP) findet trotz der seiner Meinung nach «zu linken» Politik Egelers nur lobende Worte. Die Messlatte sei nach einem Jahr Cramer zwar hoch, der Egeler aber, der werde es packen.

Wer ist Christian Egeler? Anekdoten zu seiner Person machen nie die Runde; als Statthalter sass er ein Jahr lang anständig und freundlich neben Cramer und führte seine Aufgabe gewissenhaft aus. Egeler ist Verkehrsingenieur, spielt Fussball, macht Fasnacht, wohnt auf dem Bruderholz, fährt Velo und mag Fussgängerzonen. Und sonst? Noch hat er sein neues Amt nicht angetreten, doch wenn es dann so weit ist, könnte es anders kommen, als man denkt. Das jedenfalls schliesst Joel Thüring nicht aus: «Alle erwarten, dass er ein zurückhaltender Präsident wird, vielleicht überrascht er uns aber gerade wegen seiner Art mit dem Gegenteil.»

Ingenieur hat Lehrerin zur Seite

Kann, muss aber nicht sein. Nicht jeder Grossratspräsident schwingt gern grosse Reden an zig Anlässen, wie dies alt Grossrat Roland Stark (SP) tat. Auch das Sunnyboy-Image eines Daniel Goepferts (ebenfalls SP) ist nicht jedem mit auf den Weg gegeben. Trotz allem ist ein Grossratspräsident «höchster Basler», was gleichzustellen ist mitOmnipräsenz.

Ganz anders läuft es im Jahr vor dem grossen Amt, wenn der künftige Präsident noch Statthalter ist. Neue Frau in diesem Amt ist die Musiklehrerin Elisabeth Ackermann. Sozusagen als «Schmutzli» blüht ihr ein Jahr an der Seite der Hauptperson. Ihr Resultat fiel mit 79 von 91 Stimmen nicht so superlativ aus, was erstaunen mag bei einer Vertreterin des Grünen Bündnis; happy strahlte jedoch auch Frau Ackermann in die Kameras, als diese das Duo verewigten.

Noch sind die beiden erst auf dem Papier gewählt. Zuerst muss Conradin Cramer Ende Januar noch seine Abschiedsrede halten und Egeler die des Antritts. Cramer wird sich als möglicher Nachfolger eines bald zurücktretenden Regierungsrats positionieren - und Egeler, wer weiss, vielleicht aus der Reserve kommen.