Strafgericht

Gewalt gegen einen Patienten - UPK-Pfleger wird freigesprochen

Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

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Ein Pfleger soll in der Basler Universitären Psychiatrischen Kliniken einen geistig behinderten Patienten geschlagen haben. Das Gericht sprach den 51-jährigen Mann am Donnerstag frei. Das Grundthema Gewalt in der Pflege ist jedoch heikel.

Übergriffe auf geistig behinderte Menschen sind äusserst schwierig nachzuweisen, und auch am Donnerstag endete ein Verfahren vor dem Basler Strafgericht mit einem Freispruch: Ein 51-jähriger Psychiatriepfleger der Basler Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) wurde von Einzelrichterin Felicitas Lenzinger vollumfänglich freigesprochen.

Die Anklage geht auf einen Vorfall vom Juni 2012 zurück: Ein heute 24-jähriger Patient soll auf einer stationären Abteilung der UPK einen Streit in der Küche angefangen und mit einem Gurkenschäler gedroht haben, sich selbst zu verletzen. Da kein Isolationszimmer zur Verfügung stand, begleitete der heute 51-jährige Pfleger den jungen Mann zur Beruhigung in dessen Zimmer und liess ihn danach allein.

Auf der Treppe hatte es zuvor offenbar ein Gerangel gegeben. «Ich habe ihn festgehalten und verhindert, dass er sich selber verletzt. Ich habe ihn nie geschlagen», betonte der Pfleger. Auch im Zimmer habe er ihn lediglich auf das Bett gedrückt.

Nur eingeschränkt aussagefähig

Der 24-Jährige Patient wurde dazu am Donnerstag vom Gericht befragt. Sprachlich konnte er sich aufgrund seiner Behinderung nur sehr eingeschränkt ausdrücken. Oft zögerte er lange mit der Antwort, es blieb unklar, ob dies aus Angst oder Scham geschah oder lediglich aufgrund von Erinnerungslücken. «Er hat mich geschlagen, immer wieder. Und dann bin ich hässig geworden», bestätigte er auf mehrere Nachfragen von Lenzinger. Er sei mit der Faust am Kopf und am Bauch getroffen worden und habe dort hinterher auch Schmerzen gehabt.

Im Verlaufe der Befragung sagte er allerdings auch, andere Leute hätten ihn geschlagen, brachte verschiedene Zeiten durcheinander und betonte schliesslich, es sei nicht der Angeklagte gewesen, der ihn geschlagen hätte.

Im Kantonsspital stellte man bei dem Mann an jenem Abend im Sommer 2012 tatsächlich Verletzungen an Auge, Stirn, Oberarm und Bauch fest, doch die Fotoaufnahmen der Notfallabteilung waren unscharf: Das Institut für Rechtsmedizin urteilte später, man könne so weder einen Unfall noch Selbstverletzungen ausschliessen. Mehrere Faustschläge seien bei dem Verletzungsbild aber unwahrscheinlich.

Oft klagender Patient

Der Pfleger meinte dazu, der 24-Jährige habe durchaus auch schon mit Mitpatienten Auseinandersetzungen gehabt. Er räumte ein, dass man bei gewissen Patienten, die dauernd wegen kleinen Wehwehchen ein Pflaster verlangten, durchaus nicht immer so genau hinschaue, und auch der 24-Jährige gehöre zu dieser Sorte Patient.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verlangt wegen Körperverletzung an einem Schutzbefohlenen. Ob sie den Freispruch weiterzieht ist noch offen.

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