Vergehen
Gewalt gegen Schweizer Grenzwächter nimmt zu

Die Schweizer Grenzwache in der Region Basel ist mit mehr Gewaltbereitschaft konfrontiert: 2010 kam es an den Grenzübergängen zu 48 Durchbrüchen, Fluchten oder sonstigen Zwischenfällen - das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr

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Grenzwache an der Burgfelderstrasse in Basel.

Grenzwache an der Burgfelderstrasse in Basel.

Keystone

Die Grenzwache verzeichne «ganz eindeutig eine Zunahme der Bereitschaft zur Gewalt», sagte Markus Hubeli, Kommandant der Grenzwachtregion Basel, am Mittwoch an der Jahresmedienkonferenz in Basel; Menschenleben schienen offenbar «weniger wert» zu sein.

Schon wieder im Februar

So wurden 2010 in der Grenzwachtregion Basel 7 Grenzkontrollen gewaltsam durchbrochen - 5 mehr als im Vorjahr. Zudem wurden 21 (+3) Fluchten während Kontrollen verzeichnet sowie 19 (+15) Wendemanöver von Fahrzeugen, als deren Lenker die Kontrollstellen bemerkten.

Bei einem Durchbruch eines Fahrzeugs im Dezember an der Grenze zu Frankreich gab zudem ein Grenzwächter einen Schuss ab, nachdem der Autolenker einen Grenzwächter «über den Haufen fahren» wollte. Einen Durchbruch habe es bereits wieder am 4. Februar dieses Jahres gegeben, sagte Hubeli.

Fakt sei auch, dass mehr Gewaltakte an der französischen Grenze festgestellt würden als an der deutschen, sagte Patrick Gantenbein, Informationsbeauftragter der Grenzwachtregion. Allerdings sei die Grenze zu Deutschland mit den Rheinbrücken auch einfacher zu überwachen als die grüne Grenze zu Frankreich.

Mehr Warenschmuggel

Im Weiteren wird in der Region mehr geschmuggelt: Mit 2041 Verstössen gegen das Zollgesetz - 218 mehr als im Vorjahr - stellte die Grenzwachtregion Basel 2010 erneut einen Anstieg beim Warenschmuggel durch Privatreisende fest. 413 Fälle davon zogen eine Busse von mehr als 300 Franken nach sich.

Von diesen betrafen 144 Fälle den Schmuggel von Fleisch. In 128 Fällen wurden vorwiegend Kleider, Brillen und Schmuck geschmuggelt, in 61 Fällen Baumaterial und in 11 Fällen lebende Tiere - Hunde und Zierfische, wie Gantenbein sagte.

Positiv vermerkt wurde derweil, dass Private die Möglichkeit der Selbstdeklaration stärker nutzten: mit 4219 solcher in Briefkästen an Grenzübergängen geworfenen Formulare wurde die Vorjahreszahl um 6,6 Prozent übertroffen - allerdings wurden 85 Prozent davon an der Grenze zu Deutschland verbucht, nur 15 Prozent hingegen an jener zu Frankreich.

Rekordmenge beim Khat

63 mal mussten die Leute der Grenzwachtregion im vergangenen Jahr wegen Drogen einschreiten. Das sind 40 Fälle weniger als im Vorjahr. Beim Drogenkraut Khat jedoch wurde mit 710 Kilo - 210 Kilo mehr als 2009 - eine neue Rekordmenge sichergestellt.

Eine starke Zunahme gab es auch bei synthetischen Drogen wie Ecstasy oder LSD: 2010 wurden 7548 Dosen beschlagnahmt, 6457 Dosen mehr als im Vorjahr. Mehr Fälle gabs zudem bei Haschisch und Marihuana, weniger bei Heroin und Kokain. Insgesamt könne ein Einzelfall starke statistische Schwankungen bewirken, sagte Ganzenbein.

Deutlich weniger oft fanden Grenzwächter und Grenzwächterinnen gefälschte Dokumente. In 217 Fällen, leicht weniger als im Vorjahr, ahndeten sie Verstösse gegen das Waffengesetz. Zudem stiessen sie auf 2093 (-276) Personen, die aus verschiedensten Gründen gesucht wurden - die Palette reichte von offenen Bussen bis zu Gewaltverbrechen.

Etwas mehr Verzollungen

Erneut aufgefallen waren der Grenzwache zudem Rumänen, die kiloweise falschen Goldschmuck in die Schweiz bringen wollten oder mit Bettelbriefen und Ähnlichem unterwegs waren.

Die Zolleinnahmen der Grenzwachtregion Basel beliefen sich 2010 im Übrigen auf rund 4,5 (+0,6) Mio. Franken, dies aus 55'645 (+12'136) Verzollungen.