Studie
Gewalt in Wohngegend beeinflusst Kinder und Jugendliche negativ

Gewalt in der Nachbarschaft hat negativen Einfluss auf das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen, auch wenn bei diesen keine Verhaltensauffälligkeiten diagnostiziert wurden. Das zeigt eine Studie der Universität und der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel.

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Die Forschenden um Linda Kersten und Christina Stadler konnten auch bei gesunden Kindern und Jugendlichen nachweisen, dass mehr Gewalt innerhalb der Wohnumgebung mit antisozialem Verhalten zusammenhängt. Das teilte die Universität Basel am Montag mit. Bei Gewalterfahrungen handle es sich etwa um erlebte oder beobachtete Schlägereien, Verfolgungen oder Bedrohungen.

Aufgrund der Studienergebnisse könne zudem ausgeschlossen werden, dass die Verbindung zwischen Gewalterfahrung und antisozialem Verhalten allein auf der Tatsache beruhe, dass sich Jugendliche mit Störungen des Sozialverhaltens eher in Gegenden aufhielten, in denen mehr Gewalt herrscht.

Für die in der Zeitschrift «Frontiers of Behavioral Neuroscience Research» veröffentlichen Studie waren insgesamt 1178 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 18 Jahren aus sieben europäischen Ländern untersucht worden. Bei 662 der Studienteilnehmenden gab es keine diagnostizierte Störung des Sozialverhaltens.

Die Erkenntnisse könnten bei der Entwicklung von Präventionsprogrammen helfen, wie es weiter heisst. Solche müssten in Gegenden mit hohen Gewalt- und Kriminalitätsraten verstärkt werden, um den Teufelskreis von Gewalterfahrung und Gewalttätigkeit zu unterbrechen.

Störungen des Sozialverhaltens zählen gemäss Mitteilung zu den häufigsten Gründen für eine Anmeldung in kinder- und jugendpsychiatrischen Fachstellen. Bei Betroffenen besteht ein hohes Risiko für Schulabbrüche, fehlende berufliche Integration sowie die Entwicklung von psychischen Erkrankungen oder Kriminalität.