Strafgericht
Gewaltspirale wegen Drogengeld: Mann nach Schiesserei angeklagt

Nach einer Schiesserei in der Klybeckstrasse muss sich ein Mann wegen Mord verantworten. Zwischen dem Angreifer und dem Opfer gab es in den letzten Jahren mehrere gewaltsame Auseinandersetzungen. Nun stehen beide Männer vor Gericht.

Patrick Rudin
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In der Klybeckstrasse kam es im November 2014 zu einer Schiesserei. Der Täter steht nun vor Gericht.

In der Klybeckstrasse kam es im November 2014 zu einer Schiesserei. Der Täter steht nun vor Gericht.

Martin Toengi

Wildwest im Kleinbasel: Abends um 18 Uhr im November 2014 zog ein heute 43-jähriger Mann in der Klybeckstrasse seinen Revolver der Marke Smith & Wesson mit Kaliber 38 aus dem Holster und feuerte drei Schüsse ab. Ziel war ein 37-jähriger Bekannter von ihm. Ein Schuss blieb in der Schulter stecken, ein zweiter streifte über den Scheitel hinweg, der dritte Schuss ging daneben.

Nicht der erste Streit

Im Milieu der Angeklagten sind diese Umgangsformen nicht aussergewöhnlich: Bereits im Januar 2014 wollte der 43-Jährige dem 37-Jährigen in der Tiffany-Bar in der Unteren Rheingasse ein Bierglas über den Kopf donnern, der Jüngere konnte dies noch mit seinem Arm abwehren.

Wenige Stunden später folgte die Rache: In der benachbarten Flamengo-Bar ging der 37-Jährige spätnachts mit einem Schlagring auf den 43-Jährigen los, dazu brachte er noch einen 31-jährigen Kumpel und ehemaligen Profiboxer mit. Die Security trennte die Prügelnden und schmiss sie aus der Bar. Eine Woche später trafen sich die beiden Streithähne zufällig in der Stadt, dabei soll der 37-Jährige gesagt haben, beim nächsten Treffen solle er eine andere Waffe mitbringen. Die Schiesserei des 43-Jährigen im November 2014 war dann offenbar vorläufig die letzte Aktion in dieser Gewaltspirale.

Seit Montag sitzen nun die drei Männer vor dem Basler Strafgericht. Alle drei sind Schweizer ohne Migrationshintergrund, alle drei haben einschlägige Vorstrafen.

Der Auslöser für die ganzen Abrechnungen liegt im Dunkeln: Der 43-Jährige behauptete gestern im Strafgericht, er werde vom 37-Jährigen mit Sex-Videos erpresst und müsse sich dagegen wehren.

Seine Einschätzungen sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen, ein Gutachten spricht bei ihm von paranoid-psychotischen Störungen.

Drogenstreit als Auslöser

Wahrscheinlicher ist indes ein alter Drogenstreit: Der 37-Jährige betrieb früher Hanfläden, heute lebt er angeblich einzig durch die finanzielle Unterstützung seiner Familie. Der 43-Jährige bezog bei ihm Drogen und ist dadurch verschuldet, angeblich hatte ihm sein Kontrahent im Jahr 2012 zwei brutale Geldeintreiber vorbeigeschickt. Nach den Schüssen versenkte er Revolver und Patronen im Rhein. «Es war ein gezielter Warnschuss am Kopf vorbei», betonte der 43-jährige im Gerichtssaal. Er sei bei der Schussabgabe höchstens 50 Zentimeter hinter seinem Opfer gestanden und habe ihn nicht töten wollen.

Staatsanwalt Flavio Noto will allerdings eine Verurteilung wegen versuchten Mordes erreichen. Er führte in seinem Plädoyer aus, eigentlich sei für diese Tat eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren angemessen. Weil der 43-jährige Mann aber nach den drei Schüssen auch noch einen Unbeteiligten mit der Waffe bedroht habe, sei die Strafe noch um zwei Jahre zu erhöhen: Der Angeklagte soll demnach für 14 Jahre hinter Gitter.

Der Verteidiger hingegen machte geltend, die Steuerungsfähigkeit seines Mandanten sei zum Tatzeitpunkt mindestens mittelgradig eingeschränkt gewesen. Auch habe es keinen direkten Tötungsvorsatz gegeben: «Als ehemaliger Sportschütze hätte er ihn problemlos töten können», sagte der Verteidiger.

Die anderen beiden Angeklagten sollen nach dem Willen des Staatsanwaltes Gefängnisstrafen wegen versuchter schwerer Körperverletzung erhalten: Konkret beantragte er unbedingte Strafen von 14 und 22 Monaten. Das Urteil fällt am Mittwoch.