Wenn der Basler Gewerbeverband zum Neujahrsempfang lädt, dann ist das Theater voll: Rund 1000 Gäste stellen sich jeweils ein, um den Reden von Gewerbedirektor, BKB-Chef und Theaterdirektor zuzuhören.

Besonders gespannt waren die geladenen Gewerbler, Politiker und Kulturschaffenden auf die Einstandsrede von Gabriel Barell, des neuen Gewerbedirektors. Dies deshalb, weil Barells Vorgänger Peter Malama am Neujahrsempfang jeweils ein Redefeuerwerk zündete, das noch tagelang im Stadtgespräch nachwirkte.

Das ist Barell nicht gelungen. In einer breit angelegten Tour d’Horizon streifte er zwar die für das Gewerbe wichtigsten, politischen Probleme von der Masseneinwanderungsinitiative der SVP und der Mindestlohninitiative der Gewerkschaften bis zum Erlenmatttram und zur verkehrsfreien Innenstadt von Basel. Akzente setzte er eher in den Nebensätzen.

So waren die jüngsten Skandale in und um die Regierungen von Basel-Stadt und Baselland für Barell Anlass, vor dem Staat zu warnen: «Die unsäglichen Ereignisse bei staatsnahen Betrieben und die Selbstbedienungsmentalität zeigen, dass der Staat kein Garant für massvolles Wirtschaften ist. Wieso auch: Mit fremdem, ja mit Steuergeld, wirtschaftet es sich ja bekanntlich sorgloser als mit selbst verdientem.»

Spitzen sollen gefördert werden

Barell nutzte die Gelegenheit, die Gründung einer Gewerbe-Stiftung für Basel und das Projekt «Campus Unternehmertum» anzukünden. Die Stiftung ist noch eine Idee von Peter Malama. Sie bezweckt die Förderung des Wohles des Gewerbes.

Mit dem Campus will Barell künftig die Spitzen im Gewerbe fördern. «Es braucht Spitzenförderung in der Berufslehre und kein normiertes Mittelmass, wie dies mit dem Lehrplan 21 an der Schule noch mehr Einzug halten wird. Es braucht eine Ausbildung zum Unternehmertum und nicht eine Ausbildung zum Konsumentenschützer», erklärte Barell im Hinblick auf den Lehrplan 21.

Gewerbeverbandspräsident Marcel Schweizer forderte in seiner Ansprache die Gewerbevertreter denn auch dazu auf, sich aktiv in die politische Arbeit einzubringen, sei es in Parteien oder in Gremien. Das lasse sich nicht delegieren. Das Gewerbe müsse für die eigenen politischen Positionen selbst einstehen.

Keine Vetternwirtschaft bei BKB

BKB-Chef Guy Lachapelle gab zu, dass ihm das Lachen 2013 vergangen sei. Nicht nur konnte die BKB ihr US-Problem nicht bereinigen, es sind weitere Probleme dazugekommen. So rügte die Finma die Kursmanipulationen und der Bankrat geriet in die Kritik, weil er sich selbst Aufträge erteilt hatte. Lachapelle gab zu, unsensibel gewesen zu sein, wies jedoch den Vorwurf der Vetternwirtschaft scharf zurück.

Die BKB setze strenge Anforderungen durch und trenne sich von Kunden, welche die neuen Anforderungen nicht erfüllen. «Wir haben unsere Lehren gezogen. Wir bei der BKB müssen nicht in der Champions-League spielen, sondern bescheiden unseren Auftrag in Basel erfüllen.» Lachapelle versprach denn auch, dass die Bank weiterhin nahe und vor Ort bleiben wolle. Die BKB behalte das dichteste Filialnetz der Schweiz und biete auch in Zukunft die Möglichkeit, Geldgeschäfte mit Menschen statt Automaten abzuwickeln.

Theaterdirektor Georges Delnon nahm Bezug auf die schlechten Besucherzahlen der letzten Saison und erklärte, dass der wichtigste Grund für den Theaterbesuch die Mund-zu-Mund-Propaganda sei. Delnon warnte aber auch davor, den Erfolg des Theaters nur an den Besucherzahlen zu messen. «Schon Oscar Wilde sagte, dass die Menschen von allem den Preis kennen, aber nicht den Wert. Mögen die Menschen auch in Zukunft nicht nur den Preis des Theaters sehen, sondern auch den Wert - und zwar auf beiden Seiten der Birs.»