Cleantech-Offensive
Gewerbeverband Basel-Stadt will seinen Beitrag an die Energiewende beitragen

Bei seinem Engagement für die Cleantech-Branche will der Gewerbeverband nicht vor der Kantonsgrenze haltmachen. Ab 2014 soll der Basler Gewerbepräsident Marcel Schweizer einen Sitz im Swisscleantech Vorstand einnehmen.

Valentin Kressler
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Vor bald zwei Jahren hatte der frühere Gewerbedirektor Peter Malama angekündigt, eine Offensive im Cleantech-Bereich lancieren zu wollen. Jetzt ist klar: Der Gewerbeverband Basel-Stadt wird das Projekt realisieren.

Laut Informationen der «Schweiz am Sonntag» traf sich diese Woche eine Arbeitsgruppe des Verbands, um die Details zu regeln. Dies bestätigt Interimsdirektor Philipp Spichty.

«Wir verfolgen dieses Projekt mit Nachdruck», sagt Spichty. «Wir wollen die Energiewende aktiv angehen im Sinne einer Chance für die KMU.»

Die Strukturen des Projekts sind definiert, ein Beirat mit Experten aus verschiedenen Gebieten ist zusammengestellt. Noch offen ist die Finanzierung. Diese soll laut Spichty «in den nächsten paar Wochen» sichergestellt werden. «Wir hoffen, dass wir das Projekt der Öffentlichkeit bald präsentieren können.»

Der im September 2012 verstorbene Malama hatte die Cleantech-Offensive des Verbands im Oktober 2011 angekündigt. Danach wurde es still um das Projekt. In der Politszene ging man davon aus, dass der Verband unterdessen davon abgekommen sei.

Malama hatte grosse Pläne: Er sprach von der Gründung eines neuen, regionalen Branchenverbands für jene Unternehmen, «die Nachhaltigkeit in ihrer Unternehmensstrategie festgeschrieben haben und dies auch umsetzen wollen».

Von der Gründung eines zusätzlichen Verbands mit eigener Rechtspersönlichkeit will der Gewerbeverband nichts mehr wissen.

Spichty spricht nun von einer «Organisation», die beim Verband angegliedert sei und als Plattform für Projekte zur Förderung der Energie- und Ressourceneffizienz sowie der erneuerbaren Energien dienen soll. «So kommen wir schneller ans Ziel.»

Festhalten will der Gewerbeverband laut Spichty daran, dass das Engagement nicht vor der Kantonsgrenze haltmachen und damit auch für Unternehmen und Projekte in Baselland offen sein soll. «Wir sind eine Wirtschaftsregion», sagt er.

Damit will der Gewerbeverband zumindest im Bereich Cleantech den Lead nicht der unter dem neuen Direktor Christoph Buser hyperaktiven Wirtschaftskammer Baselland überlassen.

Nach dem Ja von Bundesrat und Parlament zum Atomausstieg 2011 ist die Euphorie der Atomgegner allerdings verflogen, um das Thema Cleantech ist es ruhiger geworden.

Spichty bestreitet jedoch, dass der Gewerbeverband mit seiner Vorwärtsstrategie zu spät komme. Das Thema sei nach wie vor aktuell, sagt er. «Jetzt gilt es, den Atomausstieg in die Praxis umzusetzen.»

Gewerbeverband hat ein Vorbild: Swisscleantech

Der Ende 2009 auf nationaler Ebene gegründete Verband hat sich eine «nachhaltige und liberale Wirtschaftspolitik» zum Ziel gesetzt und sich damit als ökologische Alternative zum Schweizerischen Gewerbeverband und zur Economiesuisse positioniert.

Zwischen Basler Gewerbeverband und Swissclenteach gibt es bereits eine enge Bande: Malama war im Vorstand von Swisscleantech.

Swisscleantech ist auch bei der Cleantech-Offensive des Gewerbeverbands beteiligt. «Es hat eine Koordination mit uns stattgefunden», bestätigt Präsident Nick Beglinger. Der Basler Gewerbeverband nehme in diesem Bereiche eine Vorreiterrolle ein.

«Wir möchten diese Entwicklung unterstützen», sagt Beglinger. Damit erhöhe sich auch der Druck auf den konservativen Schweizerischen Gewerbeverband.

Laut Beglinger ist zudem geplant, dass der Basler Gewerbepräsident Marcel Schweizer ab 2014 im Vorstand von Swisscleantech Einsitz nimmt. Heute ist Ecos-Chef Daniel Wiener der einzige Basler im elfköpfigen Vorstand.

In der Debatte um den Atomausstieg gehörte Swisscleantech zu den tonangebenden Stimmen. Seither ist der Verband in der Öffentlichkeit weniger präsent.

Starke Entwicklung von Swisscleantech

Aus dem jüngsten Jahresbericht geht hervor, dass er 2012 eine deutlich geringere Medienpräsenz hatte als 2011. Heinrich Holinger, Geschäftsführer der Holinger Solar AG in Bubendorf, sagt, die Tätigkeit von Swisscleantech sei «kaum wahrnehmbar».

«Die Einsicht, dass neue erneuerbare Energien volkswirtschaftlich sinnvoll sind, fehlt nach wie vor.» Beglinger dagegen sagt, die Entwicklung von Swisscleantech sei «ausgezeichnet».

Der mit 70 Mitgliedern gestartete Verband vertrete heute über 300 Firmen und 25 Branchenverbände.

Mit dem Dachverband, dem Schweizerischen Gewerbeverband, hat der Basler Gewerbeverband in der Energiepolitik das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Im Zusammenhang mit dem neuen CO2-Gesetz schickte Malama Direktor Hans-Ulrich Bigler einen geharnischten Protestbrief.

Mit seiner Cleantech-Offensive wendet sich der Basler Gewerbeverband erneut vom nationalen Dachverband ab – und Swisscleantech zu. Bigler will nun aber kein Öl ins Feuer giessen und äussert sich gegenüber der «Schweiz am Sonntag» betont positiv über das Basler Engagement.

«Aktivitäten im Cleantech-Bereich sind immer willkommen, wenn sie den KMU eine Weiterentwicklung unter marktwirtschaftlichen Bedingungen ermöglichen», sagt er.

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