Der Verein Integratio unter der Schirmherrschaft des Gewerbeverbandes beendet seine Tätigkeiten. Die sechs Mitarbeitenden erhielten im Oktober die Kündigung.

Die Non-Profit-Institution, welche 2009 vom Gewerbeverband zusammen mit der Sozialhilfe Basel-Stadt initiiert wurde, begleitet Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen seit längerer Zeit nicht erwerbstätig sind, bei der Jobsuche und dem Wiedereinstieg in die Arbeitswelt. Die Klienten werden dem Verein von der Basler Sozialhilfe, Baselbieter Gemeinden und den IV-Stellen der beiden Kantone vermittelt.

Der Verein finanziert sich über entsprechende Leistungsvereinbarungen. In den vergangenen Jahren operierte Integratio so mit einem Budget von rund 800'000 Franken.

In diesem Jahr seien aber die Zuweisungen massiv eingebrochen, sagt Vereinspräsident Reto Baumgartner. «Der Rückgang beträgt über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.» Entsprechend werde auch das finanzielle Ergebnis Ende Jahr weniger als die Hälfte betragen. Da der Verein keine finanziellen Reserven für die Weiterführung hat und sich keine Trendwende der Zuweisungszahlen abzeichnet, habe der Vorstand beschlossen, die Tätigkeiten einzustellen. «Wir bedauern diese Entwicklung ausserordentlich», sagt Baumgartner.

Lage falsch eingeschätzt

Dabei ist das Problem hausgemacht. Vor zwei Jahren machte sich die langjährige Geschäftsführerin selbstständig und gründete ein direktes Konkurrenzunternehmen. Dabei nahm sie auch mehrere Mitarbeiter mit. Die früheren Kollegen gruben Integratio immer mehr das Wasser ab. «Diese Situation konnte von Integratio Basel nicht mit der erforderlichen Leistung aufgefangen werden», sagt Baumgartner.

Gleichzeitig kam der Verein mit dem neuen Geschäftsführer offenbar nicht richtig vom Fleck. Unklar ist, wie lange sich die Entwicklung schon abzeichnete. Mehrere Personen aus dem Sozialbereich zeigten sich gegenüber der bz wenig überrascht und sagten, man habe von den Problemen gewusst.

«Der Vorstand des Vereins wurde von der damaligen Geschäftsführung lange nicht tatsachengetreu über die Schwierigkeiten und die reale Situation informiert», sagt Baumgartner. Rückblickend hätte hier eine engere Kontrolle des Vereinsvorstands erfolgen müssen, gibt sich der Präsident selbstkritisch. Nachdem der Geschäftsführer Anfang Jahr gekündet hatte, wurde vor kurzem eine neue Leiterin eingestellt. «Erst dann wurde das wahre Ausmass ersichtlich», sagt Baumgartner. Man habe danach alle Varianten und mögliche Massnahmen geprüft. «Aber es gab leider keine Alternative zur Schliessung.»

Jobbörse für Ü-50

Der Gewerbeverband prüft nun, ob einzelne Elemente in anderer Form weiterführt werden sollen. So wurde erst vor zwei Wochen eine Stellenbörse für Über-50-Jährige durchgeführt. «Diese stiess auf ein grosses Echo», so Baumgartner. Möglicherweise werde dieses Angebot zusammen mit dem Arbeitgeberverband weitergeführt.

Rudolf Illes, Leiter der Sozialhilfe Basel-Stadt sagt: «Wir waren mit der Arbeit von Integratio zufrieden und haben auch die Nähe zum Gewerbe sehr geschätzt». Gleichzeitig hätten sich auch andere Anbieter von Massnahmen positioniert, die sehr ähnliche Angebote haben, sodass man den Ausstieg von Integratio gut verkraften könne.