«Das ist schlicht und einfach scheinheilig», kommentiert Patrick Erny vom Basler Gewerbeverband den Entscheid der BVB. Seit Eröffnung der 8er-Tramverlängerung nach Weil am Rhein vor anderthalb Jahren wehrt sich der Verband dagegen, dass die Basler Verkehrsbetriebe immer mehr Einkaufstouristen nach Deutschland transportieren. Denn: Seit dem Wegfall des Euro-Mindestkurses leidet das Basler Gewerbe. «Die Probleme, die der Einkaufstourismus mit sich bringt, haben die BVB aber nie interessiert», sagt Erny. «Erst jetzt, da es ums eigene Geld geht, ist alles anders.»

Nun haben die BVB beschlossen, dass GA, Halbtax und Tageskarten ab Dezember für die deutsche Teilstrecke auf der Linie 8 nicht mehr gelten sollen. Begründet wurde die Änderung mit einer transparenten Tarifpolitik. Auf anderen Linien zwischen Basel und dem grenznahen Ausland seien die nationalen Fahrausweise ebenfalls nicht gültig. Der Hauptgrund aber dürfte sein, dass der GA-Anteil mit über zehn Prozent auf der Teilstrecke erheblich höher liegt als erwartet. Und das kostet. BVB und Kanton müssen dem Verkehrsverbund Lörrach die entsprechenden Einnahmenausfälle kompensieren. Diese liegen im hohen fünfstelligen Bereich.

Gerade mal zehn Prozent Pendler

«Seit der Betriebsaufnahme haben BVB und Baudepartement nichts unversucht gelassen, die Linie zu pushen», sagt Erny. So seien GA, Halbtax und Schweizer Tageskarten überhaupt erst als einseitig gültig erklärt worden. Stets werde die modernste Infrastruktur auf der Linie eingesetzt. Mehrfach sei der Takt verdichtet worden. «Das 8er-Tram wurde immer als grosser Erfolg verkauft. Dabei machen die Pendler, für welche die Linie gebaut worden ist, gerade mal zehn Prozent aus», sagt Erny weiter. Genutzt werde die Linie in Tat und Wahrheit vor allem von Einkaufstouristen.

Mit den Änderungen wird das Tram nach Weil für Schweizer Fahrgäste nun aber weniger attraktiv. Wird damit auch der Einkaufstourismus gebremst? «Grundsätzlich könnte es dem Basler Gewerbe nützen», schätzt Erny. «Die Wirkung wird aber wohl nicht messbar sein.» Denn das U-Abo werde auf der Strecke auch weiterhin gültig sein. «Die BVB aber musste nun offensichtlich reagieren: Sie sind die Geister, die sie riefen, nicht mehr losgeworden», sagt Erny. «Da haben sie sich wohl verkalkuliert.»