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Gewichtiger Wechsel in der Basler Gastro-Branche: Warum Cyrill Lang jetzt fürs Volkshaus arbeitet

Da waren sie noch Partner- Hermès Beurret (l.) und Cyrill Lang im Mai 2017 im Restaurant Rhyschänzli an der Lichtstrasse.

Da waren sie noch Partner- Hermès Beurret (l.) und Cyrill Lang im Mai 2017 im Restaurant Rhyschänzli an der Lichtstrasse.

Die Gastro-Gruppe muss ihren Co-Geschäftsführer Cyrill Lang ziehen lassen. Ab August wirkt er im Volkshaus.

Paukenschlag in der Basler Gastroszene: Cyrill Lang, Co-Geschäftsführer der Rhyschänzli-Gruppe, verlässt das Unternehmen Ende Juli in Richtung «Volkshaus». Er zeichnet dort ab August für die Gastro-Leitung verantwortlich. Lang bestätigt entsprechende Recherchen der bz. Demnach ist er am 8. Mai 2020 aus dem Verwaltungsrat der Rhyschänzli-Holding ausgeschieden.

Er freue sich sehr auf die neue Herausforderung, sagt Lang: «Dem Angebot konnte ich nicht widerstehen. Ich hatte schon länger das Bedürfnis nach etwas Neuem, auch danach, mich von meinen Förderern zu emanzipieren.» Jérôme Beurret und Stefan Grieder holten den Riehener vor sechs Jahren an Bord und machten ihn mit 28 Jahren zum Co-Geschäftsführer. Lang betont: «Wir gehen im Guten auseinander. Deshalb bleibe ich Teilhaber der Gruppe – als Zeichen der Freundschaft.»

Lang wird eine grosse Lücke hinterlassen

In den Jahren der Expansion der Rhyschänzli-Gruppe – seit 2013 wurden zahlreiche namhafte Betriebe wie das «Des Arts» am Barfi, das «Sud», das «Klingeli» oder das Restaurant im Ackermannshof übernommen und das «Union Diner» an der Stänzlergasse eröffnet – mauserte sich Lang zum Allround-Gastgeber, zum Aushängeschild des zeitweise zehn Betriebe umfassenden Unternehmens. Zeitgleich zog sich Patron Beurret zurück, überliess dem Zögling die Bühne. Praktisch jeden Abend war Lang in den Betrieben präsent, sei es im «Klingeli», im Mutterschiff «Rhyschänzli» an der Lichtstrasse oder im «Des Arts». Ein Kenner der Gastroszene sagt denn auch: «Er war überall, immer. Lang wird eine grosse Lücke hinterlassen. So einer lässt sich nur sehr schwer ersetzen.»

Die Einschätzung trifft ins Schwarze. In der Co-Geschäftsführung wird Lang nicht ersetzt, neu setzt sie sich mit Jérôme Beurret, seinem Sohn Hermès und Stefan Grieder aus drei Personen zusammen. Dies bestätigt Hermès Beurret auf Anfrage. In den Betrieben würden nun verschiedene Personen als Gastgeber auftreten, neben Jérôme Beurret etwa Benedikt Nerlich im «Rhyschänzli» und Oliver Domaschke im «Klingeli». Letzterer wirkte zuletzt im Parkrestaurant Lange Erlen. Hermes Beurret sagt: «Wir bedauern den Abgang von Cyrill Lang auf persönlicher Ebene sehr, haben dies nun aber zum Anlass genommen, uns neu aufzustellen – und dabei gewisse Abläufe zu optimieren.»

Volkshaus fehlte ein Aushängeschild

Ein Ruck muss tatsächlich durch die Rhyschänzli-Verantwortlichen gehen. In den vergangenen Monaten kriselte es in mehreren Betrieben. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass das im 2016 übernommene Kultlokal «Des Arts» wieder verkauft wird, und dass ein potenzieller Käufer wegen der Coronakrise abgesprungen sei. «Heute sieht es deutlich besser aus. Es haben sich einige Interessenten gemeldet, in einem Fall schreiten die Verhandlungen voran», sagt Hermès Beurret. Unterschrieben sei indes noch nichts.
Während die Rhyschänzli-Gruppe mit sich ringt, dürfte die Stimmung der Betreiber des Volkshauses, Leopold Weinberg und Adrian Hagenbach, umso beschwingter sein.

Mit der Verpflichtung von Cyrill Lang haben die Zürcher Gastrounternehmer einen Coup gelandet, einen überfälligen: Seit der Übernahme des Volkshauses vor zehn Jahren und dem umfangreichen Umbau schaffte es der neue alte Ort mit seiner Brasserie, der Bar, dem lauschigen Biergarten, dem Festsaal und den vielen Bankettsälen nie so richtig auf den Radar der Basler. Weinberg und Hagenbach fehlte es an einem Aushängeschild, einem Gastgeber durch und durch, den sie nun mit Lang bald im Team wissen.

Der 33-Jährige tritt seine Stelle als Gastro-Leiter kurz vor der Eröffnung des Boutique-Hotels des Volkshauses an; laut Webseite ist diese im Herbst 2020 angesetzt. Dass er nun auch im Bereich Hotellerie Erfahrung sammeln könne, mache die neue Aufgabe besonders reizvoll: «Das Haus hat grosses Potenzial, in den nächsten Monaten passiert da viel.» Dazu gehöre ein neues Gastro-Konzept, das er derzeit finalisiere. Konkreter will Lang nicht werden: «Noch bin ich bei der Rhyschänzli-Gruppe angestellt und möchte das sauber abschliessen.» In aller Freundschaft.

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