Fällt das Stichwort Integration, gehen die Emotionen hoch: Polemik trifft auf Schönfärberei und die dazugehörenden Stereotypen sind sofort klar: Dem bösen, sozial schmarotzenden und kriminellen Ausländer wird eine sozialromantischen Sicht des lieben Migranten, der die Schweiz kulturell bereichert, gegenübergestellt.

Nur: Wie ginge es anders? Wie, also mit welchem Vokabular, könnte die Debatte geführt werden? Braucht es Polemik, um über unbequeme Wahrheiten zu sprechen? Wird zu viel über Probleme gesprochen, wo gar keine sind? Wer hat Schuld am negativen Ausländerbild?

Vielversprechendes Casting

Eine Debatte über die Integrationsdebatte lancierte gestern die GGG. Das Casting versprach eine spannende Diskussion. In der Rolle des Provokateurs: Heinz Buschkowsky, SPD-Bezirksbürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln und Autor des Buches «Neukölln ist überall».

In der Rolle des selbst deklarierten Gutmenschen: Güvengül Köz-Brown, PR- und Kommunikationsspezialistin, wohnhaft im Kleinbasel. Die Analyse des Ist-Zustands übernahm Walter Leimgruber, Ethnologieprofessor und Präsident der eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen. In den Nebenrollen: der oberste Basler Stadtentwickler Thomas Kessler und Dagmar Voith, Rektorin der Brückenangebote in Basel.

Bühne frei für Heinz Buschkowsky

Heinz Buschkowsky klärte kurz seine Position: Er habe keine Ahnung von den Basler Verhältnissen, erfolgreiche Integrationskarrieren seien nicht sein Thema. Rollengemäss folgten Aussagen wie: «Schönreden hat noch nie ein Problem gelöst» und ein Plädoyer für Sanktionen, «ich nenne das die Förderung von regelkonformem Verhalten».

Er warnt vor Kulturrelativismus: Es könne nicht sein, dass die Beteiligten einem Delikt ausländische Clans untereinander die Strafe ausmachen, anstatt zur Polizei zu gehen; es gälten die gleichen Regeln für alle. «Es gibt keine Begründung für kulturelle Rabatte.» Natürlich unterliess der bekannte Redner nicht, die Erfolgsbeispiele aufzuzeigen, wie er Problemschulen in funktionierende Bildungsinstitutionen verwandelte.

Gar nicht einverstanden mit Buschkowskys Referat war Güvengül Köz: Es werde zu viel über Migranten gesprochen, ohne dass diese selber zu Wort kämen. Dadurch entstünden realitätsferne Bilder. «Zu problematisieren vergiftet die Atmosphäre», sagte Köz. «Die Dinge beim Namen zu nennen hat auch eine andere Seite der Medaille» - dann folgten Beispiele erfolgreicher Integration.

Ihre Aussage, die Medien und die Politik würden sich auf Ausländerthemen stürzen und produzierten ein falsches Bild, führte in der anschliessenden Podiumsdiskussion zu einer erwartbaren Schuldzuweisung: Die Medien sind der Sündenbock für das negative Bild der Ausländer.

Wider die politische Korrektheit

Dass es wohl nicht ganz so einfach ist, liessen die vorangehenden Ausführungen von Walter Leimgruber erahnen. Er forderte eine neue Aufklärung. Die Integrationsdebatte innerhalb bestehender Systeme zu führen, bringe die Beteiligten nicht weiter. Dichotomien wie In- und Ausländer - das setzte er dann auch gleich mit Opfer und Täter - oder der Kulturbegriff als «Universalkriterium», schränkten zu stark ein.

«Integration ist Alltag.» Und Integration müsse immer wieder neu ausgehandelt werden. Wer an politischer Korrektheit festhalte, unterbinde neue Denkmöglichkeiten und weise Rollen zu klar zu, sagte er und verwies auf die Geschlechterdebatte.

Nur fand sein Beitrag wenig Gehör und kreative Ansätze, wie die Integrationsdebatte künftig geführt werden könnte, resultierten nicht aus der Debatte über die Debatte.