Flüchtlingshilfe

GGG vermittelt in Basel-Stadt nun Flüchtlinge an private Haushalte

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe hat ein Gastfamilienprojekt für Flüchtlinge lanciert. Die GGG zieht nach.

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe hat ein Gastfamilienprojekt für Flüchtlinge lanciert. Die GGG zieht nach.

Auch in Basel-Stadt sollen Flüchtlinge künftig bei Privatpersonen untergebracht werden können. Die Vermittlung erfolgt durch die neue Kontaktstelle «Gastfamilien für Flüchtlinge», die am Dienstag ihren Betrieb aufgenommen hat.

Die Solidarität und das soziale Engagement gegenüber Flüchtlingen ist in der Stadt Basel gross. Das bekamen die Behörden zu spüren, die seit diesem Sommer mit Anfragen der Bevölkerung überhäuft wurden. Zahlreiche Baslerinnen und Basler boten der Sozialhilfe an, Flüchtlinge im eigenen Heim aufzunehmen. Das hat den Kanton und die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) Basel dazu bewogen, aktiv zu werden.

Die seit gestern neu geschaffene Kontaktstelle der GGG vermittelt nun in Zusammenarbeit mit der Sozialhilfe Wohnraum von Gastfamilien an Flüchtlinge, die vorläufig in der Schweiz aufgenommen sind und daher längerfristig hier leben dürfen. Wer als Gastgeber infrage kommt und wie das Vermittlungsverfahren funktioniert, erläutern wir auf den nachfolgenden Zeilen:

Welche Bedingungen muss ich erfüllen, um Gastgeber zu werden?

Wenn Sie im Kanton Basel-Stadt wohnen und über ein möbliertes, abschliessbares Zimmer verfügen, kommen Sie als Gastgeber infrage. Der Gast darf nicht auf einer Couch im Wohnzimmer schlafen. Ein einzelnes, gemeinsames Bad in der Wohnung reicht; die GGG verlangt nicht, dass der Gast über ein eigenes Bad und eine eigene Dusche verfügt.

Zahlt mein Gast Miete?

Ja. Die Kosten für das Zimmer übernimmt die Sozialhilfe Basel-Stadt. Wie hoch der Beitrag an die Untermiete ausfällt, prüft die Sozialhilfe und entscheidet von Fall zu Fall. Die GGG untersucht und beurteilt in einem ersten Schritt Ihre Motivation, einen Flüchtling bei sich zu Hause aufzunehmen, schaut sich die Räumlichkeiten an, um sich zu vergewissern, dass Sie tatsächlich an einem Zusammenleben mit einem Flüchtling interessiert sind und nicht bloss eine lukrative Gelegenheit suchen, um Ihre Miete zu senken. Sie schliessen in einem nächsten Schritt einen Untermietvertrag mit Ihrem Gast ab. Für alle weiteren Kosten wie das Essen kommt der Gast selber auf. Die Sozialhilfe sorgt zudem dafür, dass der Gast eine Haftpflichtversicherung hat.

Darf ich entscheiden, wer bei mir unterkommt?

Nein, aber Sie dürfen Vorschläge ablehnen. Aufgrund Ihrer Angaben und einem persönlichen Gespräch werden mögliche, an Ihrer Unterkunft interessierte Gäste ausgesucht, die zu Ihnen passen. Wenn Sie zum Beispiel viel unterwegs sind und daher selten zu Hause sein werden, wählt die GGG eine selbstständige Person, die keine Betreuung braucht. Die Kontaktstelle vermittelt nur Erwachsene und keine minderjährigen unbegleiteten Asylsuchende. Letztere sind in Betreuungszentren untergebracht. Erst nach einem ersten Kennenlerngespräch mit einem anwesenden Dolmetscher und einer dreitägigen Bedenkzeit wird nach beidseitiger, positiver Rückmeldung ein Untermietvertrag unterzeichnet.

Bin ich verpflichtet, den Flüchtling zu betreuen?

Nein. Die Sozialhilfe unterstützt die Flüchtlinge weiterhin. Sie tragen keine Verantwortung. Das Zusammenwohnen bietet den Flüchtlingen einen direkten Einblick in die hiesigen Lebensverhältnisse. So kann die Integration unterstützt und vorangetrieben werden.

Ist die Untermiete zeitlich begrenzt?

Die Untermiete gilt mindestens neun Monate. Nach acht Monaten wird in einem Gespräch, Ihr Zusammenleben ausgewertet und bei allseitiger Zusage das Untermietverhältnis um ein weiteres Jahr verlängert.

Was geschieht, wenn wir uns nicht verstehen?

Nach dem Einzug setzen sich alle Beteiligten nach vier Wochen an einen Tisch und geben eine erste Rückmeldung über ihre erste Erfahrung. Für allfällige Verständnisprobleme kann auch hier wieder ein Dolmetscher am Gespräch teilnehmen. Falls Sie sich kein weiteres Zusammenleben vorstellen können, zieht der Gast wieder zurück in eine kantonale Asylliegenschaft.

Muss ich für meinen Gast kochen?

Sie leben in einer Wohngemeinschaft. Ihnen ist es frei überlassen, wie Sie ihr gemeinsames Leben gestalten wollen, ob Sie beispielsweise einen Mittagstisch organisieren wollen oder nicht. Erfahrungsgemäss wollen die Gäste meist selber kochen, weil Sie mit der schweizerischen Küche nicht vertraut sind.

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