Und plötzlich fallen sie einem auf, die Hundebesitzer, die ihre Liebsten rund um den Schützenmattpark ausführen. Es ist Sonntagnachmittag und wer sein Hundchen heute erstmals hier ausführt, meint, die Welt sei in Ordnung. Ist sie aber nicht. Ganz im Gegenteil: Die Sand-Flecken und farbigen Markierungen am Boden am Weiherweg und auf der gegenüberliegenden Parkseite an der Bundesstrasse sind die Überreste eines Hunde-Dramas, das sich hier am Morgen abgespielt hatte. Einzig die Hündeler, die in der Früh unterwegs waren, haben es mitbekommen. Wer jetzt erst flaniert, kann nicht wissen, dass sein Hund allenfalls in Gefahr ist.

Gern würde man jedem einzelnen Hündeler erzählen, was passierte: Ein Giftmischer trieb sich hier herum. Die Polizei kann erst vage Angaben zu dem Fall machen. Was sie sagen kann: Ein Hund starb, nachdem er mutmasslich Gift zu sich genommen hatte, ein anderer wurde verletzt und befindet sich seither in tierärztlicher Behandlung.

Hund lag schäumend am Boden

Eine Hundebesitzerin, die beim Park wohnt, hat eines der Dramen hautnah miterlebt. Sie erzählt: «Um acht Uhr spazierte ich mit meinem jungen Hund um den Park, als ich plötzlich einen anderen, sehr grossen Hund schäumend und zitternd am Boden liegen sah. Er war zusammengebrochen und musste sich übergeben. Es war schrecklich anzusehen.» Die Besitzerin des verletzten Hundes und die Zeugin riefen die Polizei, der Hund wurde in Behandlung gebracht. Ob es sich bei diesem Tier um den Hund handelte, der der Vergiftung erlag, weiss die Frau nicht, da sie nicht mehr mitbekommen hat, was nach dem Vorfall geschah. Doch konnte sie eine halbe Stunde später beobachten, wie Polizisten auch eine Fläche auf der anderen Parkseite absuchten.

Eine ähnlich traurige Geschichte hatte sich bereits vor vier Jahren ereignet, ebenfalls im Bereich des Schützenmattparks. Ein Pudel starb, nachdem er ein Stück Wurst aufgestöbert und gefressen hatte. Später fanden Mitarbeiter des Veterinäramtes und des Instituts für Rechtsmedizin im Blut und im Magen des toten Tieres ein tödliches Gift. Dasselbe Gift wurde in einem Wurststück, das beim Park gefunden wurde, festgestellt. Damals empfahl das Veterinäramt den Hundebesitzerinnen, ihren Hund beim Auslauf gut zu überwachen und darauf zu achten, dass die Hunde nichts fressen, das auf dem Boden liegt.

Ähnliche Fälle im ganzen Land

Diese Empfehlung gilt nach wie vor, auch wenn die Polizei noch nicht mit Sicherheit sagen kann, was genau hinter den neusten Vergiftungen steckt. Geschweige denn, wer. Zusammengefasst lasse sich bisher erst definitiv sagen, dass zwei Hunde mit Vergiftungssymptome beim Park zusammenbrachen und einer davon starb, sagt Polizeisprecher Andreas Knuchel auf Anfrage der bz. Das Veterinäramt und die Diensthundegruppe der Polizei seien dabei, abzuklären, was genau geschah.

Ein ähnlicher Fall trug sich vergangene Woche in der Ostschweiz zu: Nach einem Spaziergang zeigte eine Hündin Symptome einer Vergiftung. Nach wenigen Tagen musste sie ihr Besitzer einschläfern lassen. Vor gut zwei Wochen passierte etwas Ähnliches in der Zentralschweiz: Im Kanton Uri fand eine Frau einen verdächtigen Köder. Abklärungen ergaben wenige Tage später: Jemand wollte Hunde mit Acetaldehyd vergiften. Auch in Biasca im Tessin war Anfang Jahr ein Serientäter unterwegs.

Im Internet tauchen unter den entsprechenden Suchbegriffen zahlreiche weitere Gift-Geschichten auf. Zudem ist auf etlichen Seiten zu lesen, womit Hunde vergiftet werden können. Schwieriger wird es, herauszufinden, was einen Menschen dazu bewegt, zum Tierquäler zu werden. Für die Hundebesitzer beim Schützenmattpark ist jedoch klar: «Wer so was tut, ist krank.»