Boxen

Gjergjajs Trainer vor Spitzenfight: «Deswegen gibt es keinen Champagner»

Diese zwei Herren werden sich am 21. Mai vor 20000 Zuschauern in London auf die Mütze geben: David Haye (links) und Arnold Gjergjaj.

Diese zwei Herren werden sich am 21. Mai vor 20000 Zuschauern in London auf die Mütze geben: David Haye (links) und Arnold Gjergjaj.

Das Duell von Arnold «The Cobra» Gjergjaj gegen David Haye ist bestätigt – Manager Angelo Gallina gibt sich gelassen.

Nun ist es also fix. Und somit ist das klar, was eigentlich schon seit Tagen sicher war: Arnold Gjergjaj, der Prattler Schwergewichtsboxer, bekommt seinen ersten grossen Kampf. Am 21. Mai trifft er in der O2-Arena in London auf den Briten und zweimaligen Weltmeister David Haye. Bei einer Pressekonferenz in London wurde gestern der Kampf offizialisiert. Vor Ort war auch Gjergjaj-Manager Angelo Gallina. Nach dem Medientermin und dem Fotoshooting der beiden Boxer nahm sich Gallina Zeit für ein Interview – und hörte sich dabei äusserst gelassen an.

Angelo Gallina, sind Sie und Arnold Gjergjaj bereits am feiern?

Angelo Gallina: Feiern? Wieso feiern? Für das haben wir keine Zeit. Bereits morgen trainieren wir wieder.

Also kein Champagner? Kein kurzer Moment der Freude über den grossen bevorstehenden Kampf?

Nein, Champagner gibt es deswegen keinen. Natürlich freuen wir uns, das ist klar. Aber die Vorbereitungen auf diesen Kampf laufen ja schon eine Weile. Heute wurde einfach offiziell kommuniziert, dass es zum Duell kommt.

Wie lang war für Sie schon klar, dass es zu diesem Kampf kommen wird?

Die Gespräche laufen schon seit Anfang Jahr. Aber wir durften bis anhin nichts sagen, da wir vertraglich zu Stillschweigen verordnet wurden.

Wie gross war der Stress in den vergangenen Tagen und Wochen, da Sie nichts sagen durften?

Wir haben die ganze Sache gut unterdrückt, konnten uns so ohne Probleme an die Abmachung des Stillschweigens halten. Für uns ist das ganze Drumherum eigentlich auch gar nicht so wichtig. Das Sportliche steht im Zentrum. Auf das konzentrieren ich und Arnold uns auch schon seit einiger Zeit.

David Haye ist ein ganz grosser Name im Sport. Wie kommt ein Schweizer Boxer zu so einer Möglichkeit, sich gegen einen der Besten zu messen?

Indem man acht Jahre lang hart trainiert, sich gute Referenzen erarbeitet und natürlich eine ausgezeichnete Statistik vorweisen kann (Gjergjaj gewann alle seine 29 Profikämpfe, 21 davon durch K.o.; die Red.). Aber natürlich braucht es auch ein gutes Netzwerk. Arnold ist ja kein Unbekannter, sein Name ist in der Box-Szene ein Begriff. Wir hatten auch schon vorher gute Angebote für grosse Kämpfe. Wir hatten aber das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist.

Welche Rolle spielte das Geld?

Geld ist nicht zentral, war es bei uns nie. Wenn es uns ums Geld gegangen wäre, hätten wir nach dem ersten Kampf von Arnold aufhören müssen und wären jetzt nicht hier.

Was erwarten Sie von diesem Kampf?

Es wird ein absoluter Top-Fight, das ist ganz klar! Mit diesem Kampf dringen wir in eine neue Dimension im Schweizer Box-Sport vor. So etwas gab es bisher noch nie. Aber Fakt ist: Der Boxring ist überall sechs auf sechs Meter gross auf der Welt. Egal ob du in London oder in Basel oder sonst wo boxt. Egal ob vor 20000 Zuschauern oder vor niemandem. Das dürfen wir nicht vergessen.

Arnold Gjergjaj ist ungeschlagen. Birgt ein solcher Kampf nicht ein gewisses Risiko für die weitere Karriere, falls es zu einer Niederlage kommen würde?

Im Schwergewichtsboxen ist jeder Kampf ein Risiko. Ein einziger Schlag, der sitzt, kann entscheiden. Schon in den vergangenen Kämpfen war das Risiko einer Niederlage da, dem waren wir uns bewusst. Das ist jetzt nicht anders.

Was würde ein Sieg für Arnold Gjergjaj bedeuten?

Es wäre der Lohn für die harte Arbeit, die wir in den vergangenen acht Jahren in dieses Projekt gesteckt haben.

Was würde eine Niederlage bedeuten?

Es würde auch dann weitergehen, wir würden weiterhin hart arbeiten. Aber mit einer möglichen Niederlage beschäftigen wir uns nicht, obwohl es natürlich ein mögliches Element ist. Wir freuen uns einfach auf diesen Kampf, auf den tollen Rahmen, in dem er stattfindet.

Ist der Kampf gegen Haye der nächste Schritt zu einem WM-Kampf?

Es ist ein zwingender Schritt! Aber natürlich ist der Name Haye dafür nicht notwendig. Wir wollten einen grossen Kampf, das ist alles. Und die Bedingungen stimmen nun für uns.

Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen grossen Kampf?

Arnold muss weiterkommen, irgendwann muss man einfach den nächsten Schritt wagen. Am Anfang war es unser Ziel, in der Profiwelt zu bestehen. Dann die Top 100, dann die Top 50. Jetzt wollen wir auf die nächste Ebene vordringen.

Was denkt Arnold über David Haye?

Er freut sich natürlich. Sein Wunsch geht mit diesem Kampf in Erfüllung. Ich spüre auch, dass die Motivation bei ihm nochmals höher ist im Training als sonst.

Was sind die Stärken von Haye? Was sind seine Schwächen?

Wenn ich eine positive Eigenschaft von ihm nennen müsste, dann seine Beweglichkeit im Ring. Aber er kommt von einer Verletzung zurück, das ist vermutlich auch seine Schwäche. Wir wollen genau das ausnützen, dass er vielleicht noch nicht wieder auf seinem Top-Level ist.

Wie gross stehen die Chancen auf einen Sieg von Arnold?

Wir wollen gewinnen, natürlich! Wenn wir das Gefühl hätten, dass wir keine Chance haben, hätten wir uns nicht für diesen Kampf entschieden. Ich kommuniziere lieber etwas defensiver, Arnold ist da hingegen schon sehr selbstbewusst. Er hat zu mir gesagt: «Angelo, ich gewinne zu 100 Prozent!»

Der Kampf wird vor 20000 Zuschauern in der Londoner O2-Arena stattfinden. Eine extreme mentale Belastung also für Arnold Gjergjaj, der so etwas noch nie erlebt hat. Bereitet er sich da speziell darauf vor?

Das Mentale spielt natürlich eine Rolle. Aber das tut es zu einem gewissen Teil sowieso immer. Wir können diese Kulisse nicht inszenieren, also ist eine spezifische Vorbereitung schwierig. Aber durch Sparrings gegen grosse Boxer in der Vergangenheit haben wir schon Jahre auf diesen Moment hingearbeitet. Arnold ist bereit!

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