Nostalgie war gestern. Rund anderthalb Jahre lang konnten Raucher im «Fumare» auf alten SBB-Zugsitzen in gemütlichen Viererabteilen Kaffee trinken und dabei ihrer Sucht frönen. Nun fährt der Zug im Raucherbereich des Unternehmens Mitte weiter.

«Wer möchte ihn haben?», fragt das Kaffeehaus in der Gerbergasse in den sozialen Medien. «Den Zug haben mir die SBB damals geschenkt. Da wir hier ein neues Sommerprojekt planen, will ich ihn gerne weitergeben», sagt Geschäftsführerin Caroline Faust.

1999 eröffnete das «Fumare non fumare» im Unternehmen Mitte. Die Idee: Nichtrauchern in der damals verqualmten Basler Barlandschaft eine rauchfreie Zone zu bieten. In einem der zwei identischen Räume durfte man noch rauchen, im anderen jedoch nicht. «Als das Rauchen in bedienten Basler Gastrolokalen verboten wurde, entfernte man auch die Bar im ‹Fumare›», sagt Faust. Danach habe der einfache Raucherraum eher einer Abstellkammer geglichen. «Es war hier relativ kalt und tot.»

Zwischennutzung mit Erfolg

Weil im Sommer ohnehin niemand drinnen rauchen will und das Verpflegungsangebot im Kaffeehaus relativ schlecht genutzt wird, kommt den Betreibern eine Idee: Damit der Raum nicht leersteht, wollen sie im «Fumare» einen Gastrobetrieb im Take-away-Stil einrichten.

Im Sommer 2017 wird aus dem «Fumare» deshalb vorübergehend das «Mangiare». Der Gastrobetrieb «Kombüse», der sonst im ersten Stock des ehemaligen Bankgebäudes im Stadtzentrum zu Hause ist, verkauft dort Pizza, Panini und Salat. Und zieht nach rund drei Monaten eine positive Bilanz.

Im Herbst wird die Verpflegung wieder im Kaffeehaus im ersten Obergeschoss der Mitte angeboten und die Raucher dürfen in ihre Höhle zurückkehren. Dort hat sich Caroline Faust inzwischen kreativ ausgelebt. «Ich habe Gestaltung und Kunst auf Lehramt studiert. Das Zugabteil ist mein Kunstprojekt», sagt Faust.

Der Einbau des originalen SBB-Zugabteils sei eine «Inszenierung des uneingeschränkten Rauchens» — eine Hommage an frühere Zeiten. «Eigentlich wollte ich das Abteil schon letztes Jahr wieder entfernen», sagt Faust. Die temporäre Installation sei aber so beliebt gewesen, dass das Team der «Mitte» sich entschieden habe, die Galgenfrist noch etwas zu verlängern.

Nun will Faust wieder frischen Wind ins «Fumare» bringen. Das Konzept für den Sommer: Glacé und Wein statt Kaffee und Glimmstängel. «Unser veganes Eis fand bei den Leuten schon im Vorjahr regen Anklang.» Dieses Angebot wolle das Unternehmen diesen Sommer ausbauen und mit einem breiten Weinsortiment kombinieren.

«Die Glacé produzieren wir in unserer Küche selbst», so Faust. Verwendet werden ausschliesslich Bio-Produkte. Das Team der Mitte rechnet mit einer Woche Umbauzeit. «Bis nach Ostern muss der Zug weg sein, damit wir am 1. Mai eröffnen können.»