Wenn man die neue Halle 1 der Baselworld betritt, ist man immer wieder erschlagen von der Opulenz und dem Glanz der Nobelmarken: Tag Heuer, Bulgari, Rolex, Patek Philippe, Chopard, Blancpain - die Liste der edlen Marken ist schier endlos. Sie alle überbieten sich mit ihren bis zu dreistöckigen Ausstellungspavillons mit Glamour, Luxus und perfekter Inszenierung. Medienvertreter hatten am Mittwoch die Möglichkeit einer «Preview» der Baselworld. Am Donnerstag wird sie im Beisein von Bundesrat Ueli Maurer eröffnet.

Die Überirdischen

In der Halle eins im Gebäude der Stararchitekten Herzog & de Meuron, das vor einem Jahr fertig gebaut wurde, gibt man sich sehr distinguiert und zurückhaltend. Die Frauen am Infodesk und in den Entrées der Pavillons sind von überirdischer Schönheit. Frau spricht englisch, französisch, deutsch, italienisch, türkisch. Und manchmal baseldeutsch.

Hinter der Rolex-Reception sind sehr gut gekleidete, sehr durchtrainierte junge Herren, deren Knopf im Ohr so diskret ist, dass man ihn nicht bemerkt. Böse Menschen machen da automatisch einen Bogen.

Sehr gut gekleidet kommen auch die Besucherinnen und Besucher daher. Auf den ersten Blick wird klar: Wir haben Besuch aus Asien!

Die Saftwurzel

Auf einem ersten kurzen Rundgang treffen wir nach wenigen Metern auf Jean-Claude Biver, Chef von Hublot, mit einem SRF-Team auf den Fersen. Hublot ist eine der Erfolgsgeschichte der Schweizer Uhrenindustrie. Biver will mit seiner Erscheinung und seinem breiten, fast unflätigen Grinsen, nicht so richtig in dieses cleane Bild der Messe passen - eine Saftwurzel.

Ja, er habe das Privileg, dass er noch immer Erfolg habe, dass man noch immer an ihn glaube. «Die Liebe! Die Kunst! Sie sind ewig!» ruft er in die Halle. Die umstehenden Journalisten schmunzeln und freuen sich an der Show dieser ungewöhnlichen Saftwurzel. Seine gute Laune ist ansteckend. Ein alter Bekannter meint: «Wenn der Biver heute eine Religion verkündet, hat der Papst morgen ein Problem.»

Sympatischer Schalk: Jean-Claude Biver Chef der Uhrenfirma Hublot.

Sympatischer Schalk: Jean-Claude Biver Chef der Uhrenfirma Hublot.

Die Bestechlichen

An der Medienkonferenz am Morgen kamen auch ein paar ernste Fragen zum Uhrenmarkt aufs Tapet: China wird als Absatzmarkt immer wichtiger, aber eine neue Steuer von über 20 Prozent hat die Schweizer Uhrenexporte im vergangenen Jahr um 12,5 Prozent auf 1,4 Milliarden Franken einbrechen lassen. China geht vehement gegen Korruption vor. Peinlich: Die Schweizer Uhrenindustrie leidet darunter. Denn Schweizer Markenuhren haben in China einen sehr hohen Statuswert, und Uhren werden offenbar häufig zu Bestechungszwecken eingesetzt.

Nach einem kräftigen Wachstum 2012 von 11 Prozent haben die Uhrenexporte im vergangenen Jahr nur noch knappe zwei Prozent auf 21,8 Milliarden Franken zugenommen. Die Stückzahlen waren sogar um 3,6 Prozent rückläufig. Die gute Nachricht: Die mechanischen Uhren haben zahlenmässig deutlich zugelegt. Und im Januar und Februar sind die Exporte gegenüber den Vorjahresmonaten insgesamt um rund sieben Prozent gestiegen.

Die Schweizer Ausländer

Auch die Masseneinwanderungsinitiative macht der Branche Sorgen. Jeder zweite Beschäftigte sei Grenzgänger oder in der Schweiz wohnender Ausländer. Ob denn das noch Swissmade sei, fragte schelmisch ein chinesischer Journalist. «Schauen sie doch nur aufs Podium: Ich selbst bin Franzose, der seit Jahren in der Schweiz lebt und die Schweizer Tradition ganz verinnerlicht hat», sagte François Thiébaud von der Organisation der Schweizer Aussteller. «Baselworld-Chefin Sylvie Ritter ist auch Französin. Messe-Schweiz-Chef René Kamm ist Basler. Eh ben, c'est la Suisse, quoi.»

Die Messe präsentiere sich punkto Sektoren gleich wie im Vorjahr. «Wir gehen davon aus, dass dieses Konzept fünf bis sechs Jahre so durchgeführt werden kann, bevor wieder eine grosse Umstrukturierungsphase notwendig wird, sagt Baselworld-Leiterin Sylvie Ritter.