Zu den Schanghai-Reisenden gehört zum Beispiel der Vorsteher des Baudepartementes, SP-Regierungsrat Hans-Peter Wessels. Er machte sich am vergangenen Montag auf in die chinesische Metropole, um sich «über Raumplanung, Mobilität, Denkmalpflege und urbane Grünflächen auszutauschen», wie das Standortmarketing in einer Medienmitteilung am 10. Oktober ankündete. Wessels ist inzwischen wieder von seiner fünftägigen Reise zurückgekehrt. Was genau dabei rauskam, möchte Sabine Horvath, Leiterin des Standortmarketings, vorerst nicht beantworten. Sie verweist auf eine Medienmitteilung kommende Woche.

Mit Ferien verbinden

Zu diesem Zeitpunkt ist bereits die nächste Gruppe aus Basel in Schanghai angekommen: Gestern Samstag flog eine Fachdelegation des Erziehungsdepartementes nach China. Allerdings reisen nicht alle gemeinsam hin und zurück. Manche nutzen die Gelegenheit gleich noch, um Ferien anzuhängen. Die Geschäftsreise findet unter der Leitung von Hans Georg Signer statt. Er ist Leiter Bildung im Basler Erziehungsdepartement.

Signer nennt fünf Ziele des Zusammentreffens von Basler und Schanghaier Bildungsbeamten. Man wolle drei Projekte weiterverfolgen, die bereits beim ersten Treffen in der Schweiz im Frühling und während früherer Kontakte konkretisiert wurden: Abklärungen über einen möglichen Studenten- und Forscheraustausch sowie den Aufbau eines Konfuzius-Institutes an der Universität Basel, die Weiterentwicklung von bereits bestehenden, gemeinsamen Studiengängen und Manageraustauschprogrammen der Hochschule für Wirtschaft und die Schulpartnerschaft des Leonhard-Gymnasiums mit einem chinesischen Gymnasium.

Zudem will Signer über Berufsbildung sprechen, weil die Chinesen am dualen Bildungssystem interessiert seien. Und über heilpädagogische Konzepte, wie die integrative Schule, bei der behinderte Kinder in Regelklassen eingeschult werden.

Mit Signer in Schanghai sind neben einem Vertreter der Universität und einem Vertreter der Fachhochschule, die selbst für die Reisekosten aufkommen, auch noch fünf Kantonsangestellte: der Leiter des Berufsbildungsamts, die Leiterin Sonderpädagogik, der Rektor des Gymnasiums Leonhard und die Chinesisch-Lehrerin derselben Schule. Sie übernimmt während der Reise, was auf der Schanghai-Basel-Homepage per Mausklick geschieht: die Übersetzung von Chinesisch auf Deutsch und umgekehrt.

Der Kanton kommt für die Flüge und drei Übernachtungen seiner Angestellten auf. Ein Flug der Swiss von Zürich nach Schanghai und wieder zurück kostet rund 1500 Franken. Flugzeit: etwa zwölf Stunden.

Präsentation von Cleantech-Architektur

Der Bildungsdelegation folgen die Wirtschaftsvertreter unter der Leitung von SP-Regierungsrat Christoph Brutschin. Sein Trupp ist noch grösser als die Bildungsdelegation. Mit Brutschin reist Samuel Hess, der Leiter Wirtschaft im Amt für Arbeit und Wirtschaft. Ebenfalls auf Reisen begeben sich 15 Unternehmer aus den beiden Basel. Auf eigene Kosten, selbstverständlich. Einen Pauschalbetrag in der Höhe von rund zweitausend Franken erhalten hingegen sechs zusätzliche Vertreter von Unternehmen, die der Kanton Basel-Stadt und der Kanton Jura aufgefordert hat, nach Schanghai mitzukommen, um Projekte beispielsweise im Bereich Cleantech-Architektur zu präsentieren. Der Kanton lässt sich allein die Präsentationen rund zwölftausend Franken kosten.

Die 15 Unternehmer erhalten während des Schanghai-Aufenthaltes Tipps, wie man am besten in China geschäftet. «Doing Business in China», nennt Samuel Hess diesen Teil. Ein Austausch ganz unter Schweizern – in China. Weiter, erklärt Hess, gehe es darum, sehr konkrete Absichtserklärungen zu unterzeichnen, damit sich mehr chinesische Firmen in der Region Basel ansiedeln und KMU aus der Region in China Fuss fassen können.

Dass die drei Basler Delegationen alle im selben Monat nach Schanghai reisen, sei Zufall, sagt Sabine Horvath. Seit Beginn der Städtepartnerschaft 2007 hätten jährlich drei bis vier Arbeitstreffen stattgefunden. Gefragt nach der Gesamtzahl von Vertretern, die in den vergangenen vier Jahren im Auftrag des Kantons nach Schanghai reisten, nennt Horvath keine Zahl. Erklärt aber: «Die regierungsrätlichen Delegationen bestehen in der Regel aus einem Regierungsrat und einer Vertretung auf Fachebene.» Im Bereich der Spitzenmedizin seien zudem auch Professoren und Medizinier mitgereist, um mögliche Kooperationen zu besprechen. Auf der Homepage des Standortmarketings ist nachzulesen, dass zum Beispiel Regierungsrat Carlo Conti viermal nach Schanghai reiste, einmal während der Worldexpo zusammen mit Stadtpräsident Guy Morin. Denselben Anlass nutzten Hans-Peter Wessels und die damalige Grossratspräsidentin Annemarie von Bidder, um das «Memorandum of Understanding» für die Jahre 2011 bis 2013 zu unterzeichnen.

Sabine Horvath wird nicht müde zu betonen, wie erfolgreich die Städtepartnerschaft ist. So wird sie auch nicht müde, neue Partnerstädte für Basel zu suchen. Wie zum Beispiel Miami. Dieser Städtepartnerschaftsvertrag soll Ende November als Auftakt zur Kunstmesse in Miami Beach abgeschlossen werden.