Das Riehener Stimmvolk stellt seiner Exekutive ein mehrheitlich gutes Zeugnis aus. Das lässt sich am besten am klaren Sieg des parteilosen Gemeindepräsidenten Hansjörg Wilde ablesen. 3296 Wählerinnen und Wähler sprachen ihm ihr Vertrauen aus, womit er seine ärgste Konkurrentin, Christine Kaufmann (EVP), um über 1300 Stimmen distanziert. SP-Kandidat Martin Leschhorn erlitt eine Schlappe und machte wenig mehr als 900 Stimmen. Zudem: Anders als vor vier Jahren steht bereits nach dem ersten Wahlgang die Mehrheit des Gemeinderats fest. Kaufmann siegte hier und übertraf das absolute Mehr um rund 700 Stimmen. Kaufmann zeigte sich ab ihrem unterschiedlichen Abschneiden beim Präsidium und Gemeinderat überrascht.

Gemeinderatswahl Riehen 2018 - Kommentar Benjamin Rosch

Gemeinderatswahl Riehen 2018 - Kommentar Benjamin Rosch

Hinter ihr folgt Daniel Albietz von der CVP. Auf dem dritten Platz die erste Überraschung: Der Neue im Bunde, Daniel Hettich, verteidigt den LDP-Sitz souverän im ersten Anlauf. «Im stillen Kämmerlein habe ich gehofft, dass es bereits im ersten Wahlgang reicht.» Geholfen hat ihm seine starke Vernetzung in Vereinen und Gewerbe. Das bringt aber auch Schattenseiten: Nach seinem Wahlerfolg will er sich nun Gedanken über sein bestehendes Grossrats-Mandat machen, wie er gegenüber der bz sagte. Hettich überflügelt sogar die Bisherige Silvia Schweizer von der FDP und setzt damit einen Trend fort, der sich auch in Basel beobachten lässt.

Schweizer, Hettich, Albietz: Bei diesen drei Kandidierenden spielte ganz offensichtlich das bürgerliche Bündnis. Nicht gereicht hat es Felix Wehrli von der SVP. Etwas mehr als 400 Stimmen fehlten ihm, er zieht dennoch ein positives Fazit: «Ich habe nicht mit so vielen Stimmen gerechnet», sagt er. Für den zweiten Wahlgang gibt er sich optimistisch.

Hier gehts zum Liveticker.

Enttäuschte Annemarie Pfeifer

In diesen muss auch Annemarie Pfeifer. Die EVP-Politikerin konnte ihre Enttäuschung nicht verbergen, die Wiederwahl vorerst verpasst zu haben. Wie schon vor vier Jahren fehlten ihr wenige Stimmen für eine weitere Legislatur. Das könnte auch daran gelegen haben, dass sie während des Wahlkampfs stets im Schatten ihrer Parteikollegin Kaufmann gestanden hatte. «Sie hatte mehr Publicity, weil sie auch fürs Gemeindepräsidium kandidierte», stimmt Pfeifer zu. «Das war die Strategie der Partei, die ich aber mitgetragen habe. In einem zweiten Wahlgang ist aber mit ihrem Erfolg zu rechnen.

Knapper wird es hingegen für ihre Bündnispartner von der SP. Guido Vogel erzielte das schlechteste Resultat der Bisherigen und befindet sich aktuell hinter Pfeifer auf Rang sechs – einen vor Wehrli. Ganz offensichtlich haben nicht alle EVP-Wähler die Genossen unterstützt. Noch weiter abgeschlagen ist der Riehener SP-Präsident Martin Leschhorn. Er werde in einem zweiten Wahlgang nicht mehr antreten. Vogel hingegen ist nach wie vor von seinen Chancen überzeugt: «Es ist ähnlich wie vor vier Jahren. Ich rechnete nicht damit, bereits im ersten Wahlgang gewählt zu werden.» Er sei froh, so Vogel, vor Felix Wehrli platziert zu sein. Diesen sieht er als seinen ärgsten Widersacher. SP und EVP werden für den zweiten Wahlgang am 18. März wohl ihre Kräfte bündeln und zusammen für Guido Vogel und Annemarie Pfeifer und gegen Felix Wehrli auftreten. Grünen-Kandidatin Cornelia Birchmeier landete abgeschlagen auf dem letzten Platz und besitzt keine reellen Wahlchancen mehr.

Einen Überraschungserfolg landete Katja Christ von den Grünliberalen. Sie trat alleine zwischen den beiden politischen Blöcken an und holte beachtliche 2054 Stimmen. Ob sie zum zweiten Wahlgang antritt, liess sie gestern offen.