Immobilien

Gleich zwei Massenkündigungen in Basel – über 300 Mieter müssen raus

Die Hochhäuser am Schorenweg werden saniert: Die überraschten Mieter müssen ihre Wohnungen verlassen.

Die Hochhäuser am Schorenweg werden saniert: Die überraschten Mieter müssen ihre Wohnungen verlassen.

Am Schorenweg müssen die Mieter der Hochhaus-Überbauung ihre Wohnungen räumen – und sie sind damit nicht allein.

Am vergangenen Samstag erreichten 230 Kündigungen die Mieter der Hochhausüberbauung am Schorenweg 20/22 und 30/32. Wie das Nachrichtenportal «Online Reports» am Montag meldete, sollen die Wohnungen für eine umfassende Sanierung geräumt werden.

Nur wenige Tage danach haben nun auch die Bewohner einer Liegenschaft an der Ecke Feldbergstrasse/Riehenring/Efringerstrasse die Kündigung erhalten. Betroffen seien erneut rund 80 Parteien, wie Beat Leuthardt, Co-Geschäftsleiter des Basler Mieterverbandes gegenüber der bz bestätigt. Das Vorgehen gleiche dem am Schorenweg. Nur, dass sich die Mieter – viele unter ihnen mit Migrationshintergrund – noch schlechter wehren könnten.

«Den Leuten geht es schlecht», sagt Leuthardt. Man müsse jetzt so schnell wie möglich handeln. Noch am Mittwochabend findet deshalb in der Aula des Schorenschulhauses eine Informationsveranstaltung für die Schorenweg-Betroffenen statt. Am Donnerstag werden dann die Mieter der Ecküberbauung an einer Versammlung über das weitere Vorgehen informiert.

Mieterverband übt Kritik

Nicht nur die Mieter, sondern auch der Mieterverband wurden vom Vorgehen der Immobilienverwaltungsfirma Wincasa, welche die Liegenschaften am Schorenweg verwaltet, überrascht. Der Verband habe zwar schon länger von den geplanten Umbauarbeiten gewusst, doch die Wincasa habe ihnen versichert, dass die Sanierung ohne Kündigungen über die Bühne gehen würde. Jetzt kommt doch alles anders.

«Dieses Vorgehen ist menschenverachtend und ein absolutes No-Go», sagt Leuthardt. Er fordert, dass die Kündigungen zurückgenommen werden und die Mieter mit einer «der Sanierung angemessenen Mietzinserhöhung» nach den vollendeten Umbauarbeiten ihre Wohnungen wieder beziehen können. Es sei immer möglich, dass die Mieter bei einer Sanierung in der Wohnung bleiben können, so Leuthardt.

Die überraschende Planänderung kann er sich nur damit erklären, dass der Eigentümer, der Credit Suisse Real Estate Fund Siat, mehr Umsatz mit den Immobilien erreichen möchte. «Wird den Mietern im Sanierungsfall gekündigt, so steckt dahinter immer ein Investor, der Rendite machen will», so Leuthardt.

Laut dem Basler Wincasa-Filialleiter Remo Fumagalli seien die Kündigungen hingegen notwendig. Ein Verbleib in den Wohnungen sei aufgrund der Arbeiten nicht möglich. Dass es sich um sogenannte Luxussanierungen handle, bei denen Wohnungen veredelt werden, um einen höheren Mietzins verlangen zu können, bestreitet Fumagalli. Er beteuert aber: «Die Wohnungen passen von ihrer Grösse und Ausstattung her weiterhin ins Hirzbrunnen-Quartier und werden ortsübliche Mietzinse aufweisen.» Die neuen Mieten liessen sich zurzeit noch nicht konkret beziffern, da diese Bemessung von den effektiven Baukosten abhänge.

Vorzug für bisherige Mieter

Die Wincasa werde die Betroffenen «aktiv» bei der Wohnungssuche unterstützen: Für die Mieter wurde die Kündigungsfrist auf einen Monat reduziert, zudem würden die Bisherigen bevorzugt, falls sie sich um eine der sanierten Wohnungen bewerben würden. Ebenfalls sollen sie den Vorzug erhalten, wenn sie sich für eine Wohnung in einer anderen Liegenschaft im Wincasa-Portfolio interessieren würden.

Leuthardt vom Mieterverband belässt es allerdings nicht bei der Kritik an der Wincasa, er erhebt auch Vorwürfe an die Basler Regierung. Es sei an der Zeit, dass die neue Wohnschutzverordnung endlich zum Tragen komme, so Leuthardt. Auch die Basler Jungsozialisten hatten noch am Montag auf die Kündigungen reagiert, indem sie ein Moratorium für Massenkündigungen fordern. Auch nach Annahme der vier Wohnschutz-Initiativen gehöre die Kündigung langjähriger Mieter zwecks Luxussanierungen in Basel immer noch zur Tagesordnung, heisst es in einer Medienmitteilung der Partei.

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