Bahnnetz

Gleichstellung der Güterzüge mit Personenverkehr bedroht öV-Ausbau

Der Güterverkehr bedroht den Ausbau der Regio-S-Bahn-Strecke zwischen Basel und Olten. (Symbolbild)

Der Güterverkehr bedroht den Ausbau der Regio-S-Bahn-Strecke zwischen Basel und Olten. (Symbolbild)

Der Bundesrat will Güterzügen dieselbe Priorität einräumen wie dem Personenverkehr. Das freut die Wirtschaft in der Region, nicht so sehr den kantonalen öV-Planer. Der S-Bahn-Ausbau der Strecke Basel-Olten ist somit nicht mehr so einfach möglich.

Der Güterverkehr auf den Schweizer Schienen wird nach dem Willen des Bundesrates dieselben Rechte wie die Personenzüge erhalten. Damit sollen die vorhandenen Traces fair verteilt und für die Zukunft genügend Kapazität gewährleistet werden: Im Personenverkehr wird bis 2030 eine Steigerung um 60 Prozent erwartet, im Güterverkehr sogar um 70 Prozent.

Die Planungen sind Teil eines Netznutzungskonzeptes des Bundes, das sich momentan bei Kantonen und Verbänden in der Vernehmlassung befindet. Das Konzept soll «Planungshilfe für eine bessere Koordination der beiden Verkehrsarten» sein.

Nach geltendem Recht ist der Personenverkehr priorisiert; das heisst, Güterzüge müssen immer wieder warten, wenn die Traces durch Personenzüge belegt sind.

«Dadurch ist die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Güterzuges sehr gering», erklärt Martin Dätwyler, Stellvertretender Direktor der Handelskammer beider Basel (HKBB): «Wir unterstützen es deshalb sehr, wenn die Priorisierung aufgegeben wird.»

Es gehe nicht darum, dass der Güterverkehr «plötzlich Vorrang hat» vor dem Personenverkehr. Dätwyler fordert jedoch fest reservierte Traces wie für den Personenverkehr: «Ein Güterzug sollte in einem Stück von A nach B fahren können.»

Neue Trasses mitberücksichtigen

Das Bundesamt für Verkehr verspricht in einer Mitteilung vom Mai, dass der heutige Taktverkehr «so erhalten» bleibe: «Weder das Eisenbahnsystem noch der Fahrplan werden umgestellt.»

Dennoch bestätigt Sprecher Andreas Windlinger auf Nachfrage der bz, dass ein Ausbau der Regio-S-Bahn auf der bestehenden Strecke Basel–Olten mit den neuen Regelungen nicht mehr so einfach möglich wäre, «wenn dadurch der Güterverkehr bedrängt würde».

Dazu müssten erst neue Kapazitäten auf der Strecke geschaffen werden, wie sie zum Beispiel mit den Überwerfungen Liestal und Pratteln geplant sind.

Der Baselbieter öV-Chef Jörg Jermann erwartet deshalb, dass die neuen Kapazitäten für den Regionalverkehr, die durch diese Entflechtungsbauwerke möglich werden, im Netznutzungskonzept auch berücksichtigt werden.

Es sei «sehr wichtig», dass das Konzept in enger Absprache mit Fabi (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur) erstellt werde. Auch hier beruhigt der Bundesrat: «Das Netznutzungskonzept soll auch eingesetzt werden, wenn der Ausbau der Eisenbahninfrastruktur geplant wird.»

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