Vatikanbank

Gleichzeitig Spürhund, Jurist und Diplomat: René Brülhart ist das gute Gewissen des Vatikans

«Wir mussten uns zuerst monatelang ein Bild machen, was diese Organisation war, was sie ausmachte, wer die Kunden waren.» René Brülhart, Finanzcontroller des Vatikans

«Wir mussten uns zuerst monatelang ein Bild machen, was diese Organisation war, was sie ausmachte, wer die Kunden waren.» René Brülhart, Finanzcontroller des Vatikans

Der Leiter der Vatikan-Finanzinformationsbehörde sprach in Basel. Ein kurzes, spannendes Referat.

Seit gut fünf Jahren arbeitet René Brülhart (45) in Rom, an einer der illustersten Adressen: Im Vatikan. Dort leitet er die Finanzinformationsbehörde AIF. Brülhart ist direkt dem Papst unterstellt. Seine Aufgabe ist und war es, die Vatikanbank, das Istituto delle Opere di Religione (IOR), wieder auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Dies, nachdem das Institut während Jahrzehnten mit Schwarzgeldskandalen und Intrigen Schlagzeilen machte.

Am Montagabend erzählte Brülhart vor der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft aus der Praxis eines Managers, der funktionsbedingt gleichzeitig Spürhund und Jurist sein muss. Und sicherlich ein guter Diplomat. Als damals zum Vatikan geholt wurde, habe er sich zuerst einmal monatelang ein Bild machen müssen, was diese Organisation war, was sie ausmachte, wer die Kunden waren. Es herrschte vollkommenen Intransparenz.

Nicht nur Freunde gemacht

Bis Ende 2010 gab es im Vatikan keine Gesetzgebung gegen die Geldwäscherei. Da hatte man in relativ kurzer Zeit viel Arbeit geleistet, sagte Brülhart. «Wir gingen «back to the roots» und haben transparent gemacht, was eigentlich Sinn und Zweck des IOR ist.» Selbstredend unterstützte der Papst, besonders der aktuelle, die Reorganisation des IOR. Sowohl der damalige Generaldirektor und dessen Stellvertreter mussten den Hut nehmen. Geldwäscherei-Verdachtsmeldungen gab es zunächst praktisch keine. Fünf Jahre später gab es 1000. Ausserdem trennte sich die Bank von rund einem Fünftel der Kunden. «Dadurch machte man sich nicht nur Freunde», meinte er in einem Anflug von Sarkasmus.

Das IOR ist nicht besonders gross. Es werden 5,5 bis 6 Milliarden Euro verwaltet, so viel wie eine kleine Regionalbank. Die heutigen Strukturen erlaubten es nur ausgewählten Personen, eine Kundenbeziehung mit dem IOR einzugehen. Kunden sind vorab Geistliche oder Finanzverantwortliche von kirchlichen Institutionen wie Klöster und Orden, Nonnen, Mönche sowie Mitarbeiter des Vatikans. Das IOR beschäftigt rund 110 Mitarbeiter und verdient ihr Geld mit Vermögensverwaltung und Anlagen. Kredite vergibt sie nicht.

Das IOR gehört dem Euroraum an, sie muss also auch gewisse Normen (wie etwa die gegen die Geldwäsche) übernehmen. Das IOR unterliegt der Länderprüfung, weil der Vatikan, beziehungsweise die Bank von der EU als Hochrisiko-Institut angeschaut wird. Gleichwohl muss sie sich nicht dem ganzen Banken-Regelwerk der EU, ein enormer Papierberg, unterwerfen. «Wir wären da überfordert und hätten 100 Juristen anstellen müssen.» Die Bank habe aber versprochen, im Prinzip die EU-Regeln zu befolgen.

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Autor

Stefan Schuppli

Stefan Schuppli

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