Baloise Session

Glen Hansard und Heather Nova bescheren Baloise Session poetische Momente

Glen Hansard träumt von Liebe und Hoffnung in Irland.

Glen Hansard träumt von Liebe und Hoffnung in Irland.

Glen Hansard und Heather Nova besingen das Leben und Lieben auf zwei ganz unterschiedlichen Inseln. Während Nova über das Leben auf den Bermudas singt, zieht Hansard das Publikum mit Geschichten aus seinen stürmischen Zeiten in Irland in den Bann.

Einer Sirene gleich lockt Heather Nova das Publikum auf ihre Inseln, die Bermudas. Glockenhell ist ihr Gesang, manchmal. Ein Funke Hoffnung. Doch dann sinkt sie wieder in den Tiefen des Meeres, quält sich durch Erinnerungen und schmerzvolle Beziehungen. Der Tod scheint oft nah. Doch insbesondere die Zugabe «The Storm» zeigt, dass er vorbeirockt, der Rhythmus sich wieder beruhigt und alles sich in eingängigem Wohlgefallen auflöst. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sind nie wirklich in Gefahr, sich zu verlieren.

Ganz anders bei Glen Hansard. Auch der Ire erlebt auf der Bühne der Baloise Session stürmische Zeiten respektive er ist gleich selber dafür verantwortlich. Ihm fliegen die Gitarrensaiten um die Ohren und die Hände, Stimmen und Herzen des Publikums zu. Es ist offensichtlich, dass die Mehrheit am Montagabend in die Messehalle gekommen ist, um ihn zu sehen und hören.

Zwölf Mann auf der Bühne

Nicht anders als Heather Nova blickt er zurück in die Vergangenheit und sinniert über Beziehungen - gleich zum Auftakt in «Maybe Not Tonight». Auch Hansard singt von Liebe in «Love Don't Leave Me Waiting» und Hoffnung in «Bird of Sorrow». Er hinterfragt Ruhm in «Talking With The Wolves». Alle diese Songs stammen von seinem letztjährigen Soloalbum «Rhythm and Repose».

Solo ist er aber nicht, ebensowenig wie Heather Nova: Während sie auf den Wiener Arnulf Lindner zählen kann, wird Glen Hansard von einer zwölfköpfigen Band unterstützt, von Mitgliedern seiner Rockband «The Frames». Cello und Piano sind bei beiden Auftritten sehr starke Mitspieler. Der Ire trumpft jedoch zusätzlich mit Geigern, Bläsern, Saxophon, Gitarren und Schlagzeug auf. So bekommen die Songs eine ganz andere Dringlichkeit, es wird laut, sehr laut teils. Der Sound überschlägt sich hie und da.

Spinner des Seemannsgarns

Irgendwie aber passt dies zur offensichtlichen überschäumenden Spielfreude von Glen Hansard. Und zu seinem Humor. Da werden selbst hochdramatische Momente augenzwinkernd belächelt.

Der Ire Hansard versteht es gekonnt, Seemannsgarn zu spinnen und die Zuhörerinnen und Zuhörer für sich einzunehmen, selbst wenn er nicht singt - nicht umsonst ist er auch Schauspieler.

Als er zum Schluss kommen muss, wäre er grade so richtig in Fahrt, meint er. Die Konzertauftritte an der Baloise Session sind nun einmal relativ kurz. Dass Glen Hansard dennoch Songs von Aretha Frankling und Marvin Gaye respektive von The Band covert, ist irgendwie schade.

Das Alte gefällt am Besten

Jubel und Applaus gibt es in erster Linie für seine eigenen neuen und auch alten Lieder.

So kommt auch die angekündigte Poesie in der Musik - dies das Motto des Abends - etwas abhanden. Sie wirkt halt doch in stilleren Momenten. Wenn sich die Musiker hinsetzen und inbrünstig «Falling Slowly» mitsingen, mit dem Hansard einen Oscar für den besten Filmsong gewonnen hat, ist das wunderbar poetisch.

Und stellt sich Heather Nova viele Lebensfragen, die im Zwiegespräch mit Arnulf Lindner am Flügel oder am Cello beantwortet werden, ist das doch reine Poesie.

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