Herr Rittscher, worüber unterhalten wir uns?

Auf dem Zettel steht «Kühlschrank». Das passt ja gut!

Warum?

Na, ich esse sehr gerne. Und habe mit Lebensmitteln auch beruflich zu tun. Die Globus Delicatessa ist ein Schlaraffenland.

Was findet sich immer in Ihrem Kühlschrank? Was darf nicht fehlen?

Blattspinat!

Ich hätte jetzt auf Champagner getippt. Wieso Spinat?

Jeden Morgen bereite ich meiner Frau, meinem siebenjährigen Sohn und mir einen Smoothie zu. Seit einem Jahr, jeden Tag. Das ist zu einem Ritual geworden. Frischer Spinat ist immer dabei, aber auch Ananas, Banane, Äpfel und Beeren. Das ist ein Powerdrink!

Die Begeisterung Ihres Sohnes darüber hält sich wohl in engen Grenzen – als Kind habe ich Spinat gehasst.

Ja, der Arme muss da aber durch. Und er hat sich unterdessen daran gewöhnt. Für ihn gibt’s nur einen Shot, das reicht.

Ernähren Sie sich auch sonst so bewusst und gesund?

Grundsätzlich ja, aber ich gönne mir gerne hin und wieder etwas Feines. Ein Burger darf es durchaus mal sein oder auch ein Schoggihase jetzt zu Ostern. Ausserdem liebe ich es, neue Lebensmittel oder Küchenwerkzeuge auszuprobieren. Zurzeit habe ich eine Pastamaschine im Auge. Aber ich überlege noch, ob ich sie kaufen soll – das wäre etwa das dreissigste grosse Gerät in unserer Küche. Es fehlt der Platz.

Sie müssten eine andere Küchenmaschine entsorgen.

So lautet der Deal mit meiner Frau: Kommt ein neues Gerät, muss ein anderes weg. Bei ihr gilt dasselbe bei ihren Schuhen (lacht).

Kochen Sie gerne?

Sicher. Aber nie nach Rezept, ich bevorzuge es «freestyle». Asiatisch angehauchte Gemüsepfannen mag ich besonders, da schnippsle ich alles rein, was der Kühlschrank hergibt. Ich zelebriere das Kochen – da haben mich meine Eltern geprägt. Für sie war und ist Kochen immer ein Happening.

Hand aufs Herz – wo kaufen Sie ausser im Globus auch noch ein?

Schon mehrheitlich hier. Es ist ja praktisch, im selben Haus Besorgungen machen zu können. Aber ich besuche ab und an auch den Markt oder den Bauernhof auf dem Bruderholz. Hauptsache regional!

Apropos: Sie sind im deutschen Grenzach aufgewachsen, leben aber seit Jahren hier in Basel. Fühlen Sie sich heimisch?

Sehr. Ich war schon als Bub und Teenager oft in der Stadt unterwegs, und wenn ich in den Ferien war und jemand mich fragte, woher ich komme, antwortete ich: aus Basel. In der Dreilandregion verschwimmen die Landesgrenzen.

Die Ironie an der Geschichte ist ja, dass Ihnen die Kollegen aus der Heimat die Kunden streitig machen.

Ich möchte die Problematik mit dem Euro nicht herunterspielen, aber wir spüren den Einkaufstourismus nicht so stark, weil unser Sortiment ennet der Grenze nicht so leicht zu finden ist.

Jedes Produkt ist ersetzbar.

Da gebe ich Ihnen recht. Aber dass wir stark auf Regionalität gerade in der Delicatessa setzen, kommt uns zugute. Und auch die vielen Dienstleistungen, die wir dem Kunden bringen: Der Concierge zur Weihnachtszeit etwa kam sehr gut an.

Einkaufen ist zunehmend Erlebnis. Sonst könnte man alles online kaufen. Wie sorgen Sie in Zukunft für Kundenzulauf?

Da passiert einiges auf verschiedenen Ebenen. Im Sommer eröffnen wir eine Afterwork-Lounge hier auf der Dachterrasse. Ich glaube, dass die Gastronomie beim Einkaufen eine immer wichtigere Rolle spielt.

Sie sind gut vernetzt unter den Einzel- und Detailhändlern in der Stadt. Wie ist die Stimmung derzeit?

Die Euro-Franken-Situation hat sich entspannt, die Umsätze steigen wieder. Kleine Aktionen wie etwa die Sitzbänke in der Freien Strasse oder auch das Nightshopping vor Weihnachten können eben doch etwas bewirken. Ich wünschte mir allerdings mehr Pop-up-Stores. Sie bringen Bewegung in die Einkaufsstadt.

Langsam beherrscht der Konzern Inditex mit Zara, Zara Home und Massimo Dutti die Freien Strasse. Wird die Einkaufsstadt Basel zu kommerziell?

Jede Einkaufsstadt ist kommerziell. In den vergangenen Jahren haben auch viele junge Unternehmer kleine Geschäfte eröffnet, die ein klares Profil haben. Etwa der Käser in der Markthalle oder die Bäckerei an der Riehentorstrasse. Aber wie gesagt, für Pop-up-Stores und schräge Konzepte, die das Thema Einkaufen anders interpretieren, besteht schon Bedarf. Es muss eine gute Mischung sein.