Lärmbelästigung

Glockenterror im St. Johann: Anwohner laufen Sturm gegen markante Antonius-Kirche

Das Kirchengeläut geht den Anwohnern auf den Wecker. Fast hundert Personen haben eine Petition gegen das Glockenspiel der Antoniuskirche im Sankt-Johann-Quartier unterschrieben.

Jeden Tag dreimal. Zusätzlich von Montag bis Mittwoch um neun Uhr vor der Messe. Am Sonntag vor und nach dem Gottesdienst. Und das in einer Lautstärke, die kaum auszuhalten ist: Die Glocken der Antoniuskirche im Sankt-Johann-Quartier kosten die Anwohner Nerven. Eine Petition soll nun Abhilfe schaffen.

Insbesondere die Bewohner der direkt angrenzenden Liegenschaft, die ihre nördliche Hauswand mit der Kirche teilt, seien stark betroffen. Petent Raphael Salathé, der seit rund sieben Jahren in besagtem Haus wohnt, stellt in seinem Anliegen auf der Plattform «petitio.ch» vor allem den Zweck des Läutens infrage. So diene das Glockenspiel um sieben Uhr morgens und abends keineswegs nur der Verkündung der Uhrzeit, da nicht nur sieben Mal geschlagen werde, und auch eine anstehende Messe sei jeweils nicht der Auslöser.

Berechtigte Tradition oder nutzloser Lärm?

Auch Alice B.*, die seit rund vierzig Jahren im Gebäude wohnt, kennt das Problem. Wenn sie jeweils Spätdienst hatte und erst frühmorgens nach Hause kam, sei sie einfach so schnell wie möglich ins Bett, um vor dem Start des Geläutes eingeschlafen zu sein. Da ihre Zimmerwand gleich an die Kirche angrenze, klinge es während der Proben der Organisten jeweils, als liege ihr Bett mitten im Gotteshaus.

Vor allem im St. Johann ist der Glockenärger kein Novum. Schon vor dreissig Jahren hat B. Vorstösse gegen den Lärm erlebt. Damals seien Briefe an die Kirche geschrieben worden, in denen sich Anwohner über die zu lauten Glocken beschwerten. Viel bewirkt habe die Beschwerde jedoch nicht: «Wenn jemand eine solche Petition lanciert, hat er nicht viel von der Kirche verstanden. Der Apparat dahinter ist so gross, dass eine Petition wohl kaum etwas verändern würde», so B.

Für eine Stellungnahme gegenüber der bz war der zuständige Pfarrer leider nicht zu erreichen, da er in Italien weilt. Auf dem Sekretariat der Antoniuskirche wird aber vermutet, dass das Geläute zu diesen Uhrzeiten lediglich aus Gründen der Tradition erklinge. Genau das kritisiert Salathé: «Früher haben die Glocken sicher einen Nutzen gehabt, doch ich frage mich einfach, ob es noch zeitgemäss ist.» Schliesslich sei heute niemand mehr auf die kirchliche Bekanntgabe der Uhrzeit angewiesen. Das zeige sich auch daran, dass die meisten Autos während der Messe aus dem Baselbiet kämen, von wo die Glocken natürlich ohnehin nicht zu hören seien.

Abwägen zwischen Kampf und Ergebung

Dass Salathé mit seinem Anliegen keineswegs alleine ist, lässt sich an der Anzahl Unterstützer der Petition erkennen. Bis Redaktionsschluss hatten neunzig Leute unterschrieben. Das Ziel von hundert Unterstützern ist zwei Tage vor Schluss und rund ein Monat nach Beginn nur zehn Unterschriften entfernt.

Frau B. hat sich mit dem Glockenterror abgefunden. Obwohl sie den Lärm als «katastrophal» bezeichnet, meint sie, man müsse sich einfach daran gewöhnen: «Wenn ich mich arrangieren kann, dann können das auch Leute, die weiter von der Kirche entfernt wohnen», so B. Die Kirche habe durchaus auch ihre positiven Seiten: Wenn man verschlafe, wecke einen spätestens die Glocke und aus architektonischer Sicht sei sie als älteste Betonkirche der Schweiz interessant.

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