Glosse
Matherätsel auf den sozialen Medien: Knifflig oder spitzfindig?

In der Schule wollte kaum jemand Rechnen, auf Facebook reissen sich alle drum. Ich hab auch mal mitgemacht.

Stefan Strittmatter
Stefan Strittmatter
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Punkt vor Strich? Oder wie war das mit dem Mondgesicht?

Punkt vor Strich? Oder wie war das mit dem Mondgesicht?

Boris Bürgisser

Die Menschen lieben Rätsel. Nur so ist zu erklären, wieso gefühlt jeder zehnte Eintrag in den sozialen Medien eine mathematische Aufgabe ist. Meist bilden sich unter den Hobby-Rechnern dann zwei Lager: Jene, die sich noch an «Punkt vor Strich» erinnern – und die anderen.

Ich selber mache in der Regel um solche Rechenaufgaben einen Bogen, dessen Beschaffenheit sich laien-geometrisch als «sehr gross» bezeichnen liesse. Aber keine Regel ohne Aus­nahme und so erhaschte eine Aufgabenstellung mit dem Titel «Ganz schön knifflig, oder?» unlängst meine Aufmerksamkeit. Sie lautete so:
1+4=5
2+5=12
3+6=21
8+11=?

Darunter wucherten 78’000 Kommentare! Achtunsiebzigtausend!!! Die Hälfte der eingereichten Antworten lautete 40, die andere 96. Auch fand man kryptische Her­leitungen wie 21+(11+8)=40 oder 8x11=88,+8=96. Ich ignorierte sie alle und schrieb nicht ohne Stolz meine Lösung ins Kommentarfeld: 19.

Natürlich weiss ich, dass das nicht das gesuchte Resultat ist. Am Ende brachte jedoch niemand der zahlreichen Kommentatoren ein schlüssiges Argument hervor, was an meiner Lösung falsch sei. Zufrieden machte ich mich auf die Suche nach dem nächsten Rätsel. Mehr noch als mathematische Kniffeleien mag ich logische Spitzfindigkeiten.