Basler Wahlen

GLP-Chef David Wüest-Rudin ist ein Opfer der eigenen Strategie

GLP-Parteistratege David Wüest-Rudin hat sich verspekuliert.

GLP-Parteistratege David Wüest-Rudin hat sich verspekuliert.

Wahlen produzieren sowohl Gewinner als auch Verlierer. Während sich imRegierungsrat alle bisherigen behaupten konnten, müssen im Grossrat ein paar prominente Politiker den Hut nehmen. Allen voran: David Wüest-Rudin.

Bitterkalt war es am gestrigen Wahlsonntag in Basel. In frostiger Erinnerung dürften auch einige Politiker den 28. Oktober behalten. Punkt 21.25 Uhr erfuhren Sie, dass das Volk sie nicht mehr als ihre Vertreter im Grossen Rat haben will.

Am überraschendsten ist zweifellos das Ausscheiden des grünliberalen Parteipräsidenten David Wüest-Rudin. Der Stratege und unermüdliche Antreiber seiner noch jungen Partei muss im Wahlkreis Grossbasel-West Emmanuel Ullmann und Martina Bernasconi den Vortritt lassen. Er ist mit 2244 Stimmen erster Ersatzmann der GLP. Wüest-Rudin ist nicht das einzige grünliberale Opfer. Auch der Kleinbasler Bülent Pekerman hat es nicht geschafft. Dass die GLP insgesamt keinen Sitzverlust hinnehmen muss, liegt daran, dass in Riehen Andreas Sturm einen Grossratssitz erobern konnte.

Grossspuriger Angriff

Trotzdem ist das Ergebnis für Wüest-Rudin besonders bitter. Er wurde Opfer seiner eigenen Strategie. Vor vier Jahren holte die GLP in Grossbasel-West zwei Sitze: Martina Bernasconi und eben David Wüest-Rudin. Dann wechselte FDP-Grossrat Emmanuel Ullmann zur urbanen Jungpartei. Damit alle drei ihr Mandat im Grossen Rat behalten konnten, musste die GLP in diesem Wahlkreis also einen zusätzlichen Sitz erobern.

Die GLP entschied sich für die Strategie «Angriff ist die beste Verteidigung». Emmanuel Ullmann wurde zum Regierungskandidaten erkoren. Parteichef David Wüest-Rudin verzichtete selbst aus Rücksicht auf seine Familie auf eine Regierungskandidatur. Zugleich verzichtete seine Partei darauf, mit den Linken oder den Bürgerlichen eine Allianz einzugehen. Im Schatten anderer Parteien wollte man nicht stehen, denn das hätte nur weniger mediale Aufmerksamkeit gebracht. Das Kalkül der Grünliberalen war klar: Als Regierungsratskandidat sollte Emmanuel Ullmann auch bei den Grossratswahlen so viele Stimmen holen, dass es ihm und seinen zwei Kollegen im Grossbasel-West reicht.

Für den Neo-GLPler Ullmann ist die Rechnung aufgegangen. Durch seinen prominenten Auftritt erzielte er das beste Ergebnis seiner Partei überhaupt. Weil das Stimmenpotenzial der GLP im Grossbasel-West aber offenbar nicht für drei Sitze reicht, fiel ein bisheriger unten raus: der Gründer und Präsident der Basler Grünliberalen David Wüest Rudin.

Weiss nicht, ober Präsident bleibt

«Wie ein Olympiasportler, der um eine Hundertstelsekunde die Medaille verpasst hat, fühle ich mich», sagt der sichtlich enttäuschte Wüest-Rudin, der als einer der letzten Politiker gestern Abend im Wahlforum im Kongresszentrum am Messeplatz herumschleicht. Trost erhält er von FDP-Präsident Dani Stolz: «Politik ist nicht immer fair.»

Ob Wüest-Rudin trotz der Abwahl Präsident der GLP bleibt, kann er noch nicht sagen. «Das müssen wir jetzt schauen», meint er, «wir machen, was das Beste für die Partei ist.» Wahrlich ein bittererkalter Abgang für den einstigen Shooting-Star der Basler Mittepartei.

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