Acht Jahre nach dem Auszug der Armee kamen die Muslime: Seit 1972 besteht im Dachgeschoss der Kaserne die Mescid-Moschee – die älteste Moschee der Schweiz. Im Juni muss sie das Areal verlassen. Das war zumindest der Plan des Kantons Basel-Stadt, dem die Kaserne gehört. Er will den Dachstock im Sommer 2015 sanieren und künftig als Lagerraum benutzen.

Gemäss Recherchen der Basler Ausgabe von «Schweiz am Sonntag» geht nun die Moschee-Kommission rechtlich gegen die Kündigung vor. Diesen Januar gelangte der Trägerverein der Moschee vor die Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten, um die drohende Schliessung zumindest aufzuschieben. «Wir haben immer noch die Hoffnung, dass der Kanton auf dem Kasernen-Areal oder in der Nähe einen Ersatzstandort für uns findet», bestätigt Orhan Sahin von der Moschee-Kommission.

Für den Kanton ist der Schritt der Muslime vor die Schlichtungsstelle unangenehm. Es droht ein jahrelanger Rechtsstreit, der den geplanten Umbau der Kaserne verzögern könnte. Für die Moschee-Kommission hat sich der Gang hingegen bereits ausbezahlt: Wie jetzt bekannt wird, hat der Kanton der Moschee-Kommission diese Woche ein Angebot für eine Zwischennutzung gemacht.

Bis Ende Juni 2016 sollen die Muslime auf dem Kasernen-Areal bleiben dürfen, bestätigt Roland Frank, stellvertretender Leiter der Stadtentwicklung, auf Anfrage. Dafür soll die Moschee im Juni vom Dachstock in den dritten Stock des Hauptbaus zügeln, in dem früher das Institut für Modedesign untergebracht war. Die vorübergehende Bleibe soll es der muslimischen Gemeinde ermöglichen, ein geeignetes Nachfolgelokal zu finden – und sie böte genug Platz für die bis zu 300 Gläubigen, die sich besonders freitags zum Gebet treffen.

Noch ist offen, ob die Moschee-Kommission das Angebot des Kantons akzeptiert. «Wir werden das jetzt im Vorstand diskutieren», sagt ihr Vertreter Orhan Sahin. Anfang Februar treffen sich die Parteien erneut vor der Schlichtungsstelle. Besonders der Kanton hat ein Interesse an einer gütlichen Einigung. Verzögert sich der Auszug der Moschee aus dem Dachgeschoss, hätte dies nicht nur Folgen für den Veranstaltungsbetrieb der Kulturwerkstatt Kaserne – zu Konflikten käme es auch mit dem Umbau des Kasernen-Hauptbaus. Geplant ist der Start der Sanierung für August 2016. Sie kostet rund 35 Millionen Franken.

Die Basler Muslime fühlen sich im Kampf um ihre Moschee bestätigt durch eine von 3000 Personen unterzeichnete Petition, die sie im vergangenen Oktober an den Grossen Rat übergaben. Sie verlangt, dass die Moschee auf dem Kasernen-Areal bleiben darf. Die Petitionskommission hat bereits eine erste Anhörung durchgeführt, doch erwartet wird ihr Bericht erst im Frühling. Gleichzeitig sucht die Moschee-Kommission weiter nach einem alternativen Standort ausserhalb der Kaserne. «Bis jetzt», sagt Orhan Sahin, «haben wir leider nur Absagen erhalten.»