Den Basler Behörden ist «Google Streetview» nicht gut genug. Sie wollen besseres Bildmaterial von den Basler Strassen und vor allem Genaueres. Deshalb wird in den nächsten drei Wochen ein besonderes Fahrzeug der Firma Inovitas unterwegs sein (Bild). Dieses liefert Bilder, deren Aufnahmezeitpunkt und Ort genaustens definiert wird und Panoramabilder sowie dreidimensionales Bildmaterial ermöglicht. Die Firma ist laut Simon Rolli, dem Leiter des Grundbuch- und Vermessungsamtes, «ein Spin-off der Fachhochschule Nordwestschweiz mit grosser Erfahrung auf diesem Gebiet». So habe die Inovitas bereits andere Schweizer Städte und das Nationalstrassennetz fotografisch erfasst.

Neuere, bessere Daten

Sinn der Übung ist es, exakteres Fotomaterial für Planungsarbeiten zu bekommen. Die Verarbeitung der neuen Bilder mithilfe von bereits existierenden Plänen und anderen Geodaten, sowie die Berechnung und Fertigung von dreidimensionalen Modellen folgt nach dem Abfahren der Basler Strassen. Auf den so entstehenden Bildern ist es möglich, Strassenzustand, Fassadenstrukturen und Bepflanzungen zu erkennen.

Ausserdem sind die Höhe der Ampelanlagen, der Bäume und Strassenlampen erkennbar und im Verhältnis zueinander sichtbar. So sollen die Verwaltungsangestellten sich beim Planen bereits «vom Schreibtisch aus ein erstes Bild der Lage vor Ort» machen können. Sie könnten sich auf die Aussendienstarbeiten vorbereiten oder «vereinzelt Abklärungen auch direkt erledigen».

Der Zugriff auf die entstandenen Fotos ist stark eingeschränkt, es entsteht kein Basler «Streetview». Die Öffentlichkeit wird die Bilder nicht zu Gesicht bekommen und auch für die Kantonsangestellten gelten strenge Vorgaben: Sie dürfen die Bilder nur von der browserbasierten Anwendung beziehen und anschauen, wenn sie das für eine bestimmte Aufgabe auch wirklich müssen.

Datenschutz war ein Problem

Zudem soll ein einprogrammierter Automatismus Gesichter und Fahrzeugschilder anonymisieren, bevor die Bilder auf dem Bildschirm eines Staatsangestellten landen. Dies seien die Bedingungen gewesen, die der kantonale Datenschutzbeauftragte gestellt habe. Die Erkennbarkeit von Gesichtern, Auto-Kennzeichen, Hausfassaden und Vorgärten war und ist beim kommerziellen «Streetview» von «Google» immer wieder Kritikpunkt von Datenschützern und Internetaktivisten.

Das Basler Projekt startet am kommenden Donnerstag, dem 26. Juni, im Grossbasel. Die Erfassung aller Strassen südlich des Rheins soll etwa drei Wochen dauern. Wann genau das Kleinbasel an der Reihe ist, sei noch nicht ganz klar, so Rolli. Aber Ziel sei es, spätestens im Frühjahr 2015 diese Quartiere ebenfalls in Angriff zu nehmen. Dann sollen auch die Kantonsstrassen in den beiden Landgemeinden vermessen werden. Schlechter sieht es dagegen für die Gemeindestrassen in Riehen und Bettingen aus: Eine Erfassung der Strassen, für die die Gemeinden zuständig sind, ist gemäss Grundbuch- und Vermessungsamt bisher nicht geplant.