Glosse
Google weiss es: Wir Basler sind die glücklichsten Eidgenossen!

Die Studie, wonach Basler die traurigsten Schweizer sind, basiert auf einem Missverständnis. Das Gegenteil ist der Fall: Unser Interesse an Naturgewalten, Kriminalität und Sozialhilfe beweist, wie glücklich wir sind.

Martina Rutschmann
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Sieg! Bebbi googeln oft nach Kriminalität und Armut – und das macht sie zu glücklichen Menschen.

Sieg! Bebbi googeln oft nach Kriminalität und Armut – und das macht sie zu glücklichen Menschen.

Martin Toengi

Glückliche Schweizer sollten bei der Studie der Zurich Versicherung eruiert werden. Nebst Uri, Schwyz und Hinterpfupfigen wurde dabei auch Basel berücksichtigt. Dies ungeachtet dessen, dass sich kein echter Bebbi als wirklichen Schweizer betrachtet. Schon gar nicht bei diesem Resultat: Wir Basler wurden zu den tristesten Schweizern gekürt, weil wir bei Google übermässig oft nach Naturgewalten, Kriminalität, Sozialhilfe und Scheidung suchen. Pah!

Normalerweise lässt Stadtpräsident Guy Morin in solchen Fällen eine eigene Studie erstellen, die das Gegenteil beweist. Diesmal hat er sich damit begnügt, im «Blick» zu behaupten, die Fasnacht reiche als Fröhlichkeitsindikator aus. Er hat sich quasi gerechtfertigt. Doch wofür? Naturgewalten, Kriminalität und Scheidung allein beweisen, wie fröhlich der Basler per se ist. Und zwar nicht nur, wenn er grad Värsli brünzelt.

Via Google in die Seele der Verbrecher schauen

Wir Basler sind so glücklich über unsere Fröhlichkeit, dass wir Angst haben, eines Tages nicht mehr fröhlich zu sein. Um einen allfälligen Stimmungswandel zuvorzukommen, ist uns jedes Mittel recht. So stimmen wir entgegen jeglicher Vernunft (fast) konsequent gegen neue Hochhäuser. Hochhäuser machen Schatten, und Schatten stiehlt Licht. Und was ist ein Mensch ohne Licht? Trist! Damit die Hochhaus-Fetischisten im Rathaus endlich aufhören, uns mit Abstimmungsvorlagen über Hochhäuser zu belästigen, hoffen wir auf eine zarte Naturgewalt. Nur sie kann der Regierung klar machen, dass Hochhäuser für Basel zu gefährlich sind. Sicher ist der glückliche Basler einzig in einem Schrebergartenhäuschen oder einem Genossenschaftsbau.

Kriminalität. Natürlich googeln wir danach! Zum Glücklichsein gehört ein von Verständnis für den Nächsten geprägtes Miteinander. Und in einer Stadt, in der jeder zweite Einwohner ein Verbrecher ist oder noch wird, kann Verständnis nur entstehen, wenn Kriminalität begriffen wird. Via Google blicken wir in die Seelen der Verbrecher und sind glücklich, dass sie Basel so lebendig und urban machen.

Was es mit der Sozialhilfe auf sich hat, sollte eigentlich jedem klar sein. Wir Basler leben nicht nur inmitten Krimineller, sondern auch in Armut und Leid. In kaum einem Kanton leben so viele Menschen von der Sozialhilfe wie in Basel-Stadt. Und wenn es so weitergeht mit dem Franken und der Wirtschaft, dem Rauchverbot und dem Verkehrsregime, dem Budget und Guy Morin, wird früher oder später aus jedem Bebbi ein Sozialfall. Doch auch das hält uns nicht davon ab, glücklich zu sein.

Damit wir innerlich auf die Zeiten, in denen Shopping nur noch bei Aldi und Freizeit nur noch auf dem Claraplatz möglich sind, vorbereitet sind, googeln wir nach Sozialhilfe. Es macht uns glücklich zu sehen, dass man uns das Auto nicht wegnimmt, wenn wir mal so weit sind. Und wenn das Autofahren in der Stadt bis dann ganz verboten ist, macht es uns auch nichts aus, denn wir haben uns genügend über «Scheidung» informiert. Scheiden lassen wir uns vom Baselbieter Partner, der partout nicht auf seinen SUV verzichten will. Wir tun das, weil ein echter Bebbi nicht auf die Landschaft und schon gar nicht in die richtige Schweiz zieht. Lieber keine Autonummer als eine mit BL-Schild!

Darum geht es im Kern: Ein Bebbi ist glücklich, weil er ein Bebbi ist. Die Fasnacht hat er erfunden, um sich ohne schlechtes Gewissen selber feiern zu können. Und solange die Naturgewalt bis nach der Fasnacht wartet und der Verbrecher eine Larve anzieht, bleibt der Bebbi der glücklichste Schweizer!

Weil wir Kriminalität & Scheidung googeln, sind wir unglücklich