Avo Session

Gotye befördert die Zuschauer in andere Sphären

Wenn der belgisch-australische Sänger Gotye seine Musik auspackt, ist das gesamte Publikum in seinem Bann. So geschehen bei seinem Auftritt an der Avo Session. Gotye verzauberte die Zuschauer und nahm sie mit in eine andere Sphäre

Gotye drischt energisch auf das Drum-Pad auf dem hinteren Teil der Bühne ein, während seine Band ihren Song «Eyes Wide Open» zelebrieren. Im Hintergrund die Videoleinwand, darauf läuft ein Animationsfilm. Die Bilder, die Musik und die Energie bilden einen Strudel, dem man sich nicht entziehen kann - sofern man dies überhaupt will.

Doch der Abend beginnt früher. Zwanzig Minuten vor Konzertbeginn sind erst ein paar Plätze besetzt. Der beinahe leere Konzertsaal bietet mit den Plastikkerzen ein eigentümliches Bild. Doch die Leuchten können im Gegensatz zu richtigen Kerzen in die Lichtshow mit eingebunden werden - ein spannender Effekt.

Ein schwer zugänglicher Auftritt

Kurz nach 20 Uhr eröffnet Esperanza Spalding den Abend, der Saal ist mittlerweile gut gefüllt. Im Publikum sitzt an diesem Abend auch Avo Uvezian, Gründer von Avo Cigars, die Firma, die noch für dieses Jahr der Hauptsponsor der Konzertreihe ist.

Zu Beginn spielt Spalding von Big-Band-Sound inspirierte Stücke, die wunderbar nach New Orleans passen - doch je länger das Konzert dauert, desto mehr beschleicht einem das Gefühl, einer Free-Jazz-Jamsession beizuwohnen. Die zweite Hälfte des Konzerts ist geprägt von Monologen der Sängerin und ihrer ausdrucksstarken Gestik. Ohne Frage sind auf der Bühne ausschliesslich professionelle und talentierte Musiker, die in ihrem Spiel aufgehen. Die Sängerin gibt den Musikern Platz, um ihr Talent in Soli unter Beweis zu stellen. Dies ist zwar sympathisch, wirkt auf Dauer allerdings langatmig. Der Funke springt während 75 Minuten nicht über.

Eine Videoleinwand für Gotye

Die wohl grösste Überraschung an diesem Abend war der Moment, als sich eine Videoleinwand über das Logo der Avo Session senkte. «Es ist nicht das erste Mal, dass wir eine Videowand haben. Für uns ist das aber immer eine grosse Ausnahme», sagt Matthias Müller, Festival-Präsident der Avo Session auf Anfrage.

Das Konzert von Gotye beginnt sphärisch und schnell mit «The Only Way». Innerhalb von Sekunden ist ihm das Publikum verfallen - jubelnder Applaus nach jedem Song inklusive. Gotyes Musik ist zwar im Grossen und Ganzen nicht einfacher als Esperanza Spaldings, aber er vermag einen Zugang zu schaffen.

Live besser als ab Konserve

Diverse technische Spielereien kommen zum Einsatz, dazu Gitarre, Bass, Schlagzeug, Drum-Pads. Gotye schafft es in rund einer Stunde, seine Songs live besser zu spielen, als diese auf CD tönen. Eine beeindruckende Leistung, weil ein Grossteil seiner Lieder auf elektronischen Arrangements, Samples, Mehrfachstimmen und verschiedenen Bass- und Beat-Linien aufbauen.

Diese Konstruktionen nimmt Gotye während des Konzerts auseinander, setzt neue Akzente und lässt geballte Melodien auf das Publikum los. Schlagzeugsoli, die zumeist anstrengend sind, bleiben punktgenau und melodisch. Der belgisch-australische Sänger versprüht Präsenz und Sympathie. Selbst, als er das Publikum bittet, nicht zu klatschen, und deswegen ein Lied abbricht, wirkt er eher gerührt als genervt.

Er lobt die Frauen im Publikum, die ihren Mund ein wenig zu voll genommen haben, als sie behaupteten, sie könnten den weiblichen Part von Kimbra bei «Somebody That I Used To Know» singen. Nach einer Standing Ovation gibt der Sänger eine Zugabe von zwei Songs. Im Foyer ist der Tenor nach dem Konzert klar: Gotye ist vieles - aber kein One-Hit-Wonder.

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