Graffiti an Hauswänden, Schmierereien, Bierdosen vor Haustüren. Ärgernisse, die aus einer Grossstadt nicht zu verbannen sind. Neben Hauswänden sind Unterführungen, Brückenpfeiler und Sitzbänke ebenfalls beliebte Ziele für Verunstaltungen. Die Kantons- und Stadtentwicklung kämpft seit längerem gegen diese Unart und nimmt sich nun in den nächsten Wochen die Dreirosenbrücke auf Höhe Dreirosenanlage vor.

Daniel Pecnik, Leiter des Projekts «Welcome», das diese Aktion durchführt, hat die Basler Künstler David Lucco und Daniel Zeltner engagiert, die mit filigraner Spraykunst die Betonfläche des Brückenkopfs auf Kleinbasler Seite verschönern.

Auf der Dreirosenanlage verbringen jeden Tag – und vor allem am Wochenende – viele Familien ihre Freizeit. Das Basketballfeld und der Spielplatz ziehen Kinder und Jugendliche an, auch Picknicken ist ein beliebter Zeitvertreib auf dem Areal. Die Betonwand am Brückenpfeiler ist aber von oben bis unten mit Graffiti verunstaltet.

Pecnik weiss, dass versprayte Wände Angst einflössend auf Kinder wirken. «Unsere Erfahrung zeigt, dass man mit der künstlerischen Gestaltung geeigneter Infrastrukturen mehr Aufenthaltsqualität und Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum erzielt.» Er weist auf das Vorläuferprojekt mit Namen «Bunterführung» an der Heuwaage hin, das der Basler Künstler Tarek Abu Hageb letzten Dezember fertiggestellt hat. Die Betonpfeiler kommen in Orange-schwarz, die Decke der Unterführung in Dunkelrot daher.

Sieben Jugendliche sprayen mit

Lucco und Zeltner werden also die 60 Quadratmeter grosse Fassade in den nächsten acht Wochen in den Farben Weiss, Grün und Gelb bemalen. Wichtig war ihnen, die Jugendlichen vom Jugendtreff Dreirosen, der im Brückenpfeiler seine Räume hat, mit einzubeziehen. «Sie sollen sich identifizieren können», erklärt Lucco. Das Kunstwerk solle zusammen entstehen. Sieben Jugendliche werden also selber die Spraydosen in die Hand nehmen. Die Farbtöne haben sie so ausgesucht, weil sie das Grün der Bäume und der ganzen Anlage in das Farbkleid der Betonwand aufnehmen wollen, erklärt Lucco.

Über das Kunstwerk wird ein besonderer Graffiti-Schutz aufgetragen, damit mögliche Schmierereien besser abgewaschen werden können, erklärt Alexander Isenburg, Leiter Stadtreinigung beim Tiefbauamt. Pecnik betont, dass Flächen sauberer bleiben, wenn Schmierereien und Verklebungen schnell wieder entfernt werden. «Folgeschäden bleiben so eher aus.»

Das Kleinbasel soll sauber werden

Die Kunstaktion von David Lucco und Daniel Zeltner ist eingebettet in eine grossräumige Putzaktion entlang der Hauptachsen im Kleinbasel. Geputzt wird in der Klybeck-, Feldberg-, Matten-, Horburg-, Dreirosen- und Clarastrasse sowie am Riehenring, führt Pecnik aus. Ziel sei, dass alle Eigentümer von verschmierten Liegenschaften in einem Zeitraum bis Ende August gemeinsam anpacken und die betroffenen Objekte reinigen.

Die Arbeit von Lucco und Zeltner dauert ebenfalls rund acht Wochen und wird mit einer Vernissage abgeschlossen. Die Kosten belaufen sich auf 60'000 Franken. Sie werden vom Eigentümer Astra, dem Bundesamt für Strassen, kostenneutral an den ordentlichen Unterhalt angerechnet.