CVP: «Das kann man im Jugendskilager machen»

«Das Sujet ist eine schlechte Wahl. Die Kandidatinnen und Kandidaten stehen im Herz zusammen, um zu zeigen, dass sie menschlich und herzlich sind. Das kann man im Jugendskilager machen. Das Plakat funktioniert auch visuell überhaupt nicht. Man macht die eigentliche Idee, die Darstellung eines Herzens aus Menschen, mit der Schrift total kaputt. Die Schrift läuft oben in die Köpfe der hinteren Kandidaten rein und steht damit in einer Konkurrenz zum Herz. Von Weitem erkennt man gar nicht, dass es sich um ein Herz handelt.»

GLP: «Komplett misslungen»

«Das Plakat nimmt Bezug auf Whatsapp. Die Ästhetik ist per se sehr kindlich mit all den Schatten- und Glanzelementen, wie in einem Kinderbuch. Die Ästhetik ist ein absolutes No Go. Sie biedert sich bei den Jungen an. Anbiederung ist immer problematisch. Komplett misslungen, meiner Meinung nach. Es braucht auch relativ lange, bis ich realisiere, dass die Icons das gleiche ausdrücken wie der Slogan. Diesen Witz könnte man goutieren, dann müsste man ihn aber komplett anders darstellen. Was mir auch bei diesem Plakat fehlt: die Erklärung der Botschaft. Für was steht die Partei genau? Das ist mir einzig bei der SVP klar. Sie macht mit der Kombination aus «Fakten» und Slogan transparent, wofür sie steht. Ob die Fakten auf den Plakaten stimmen, ist eine andere Frage. Weil die Leute das aber oft nicht hinterfragen, ist es ein cleverer Schachzug der Partei.»

Bürgerliches Viererticket: «Positive Botschaft, aber...»

«Auf diesem Plakat sieht man eine Kombination aus Kandidatendarstellung und der Vermittlung einer Botschaft. Die Botschaft ist hier durchaus positiv: Die vier bürgerlichen Regierungsratskandidaten wollen gemeinsam mit den Wählern aufbrechen. Dieser Slogan funktioniert meiner Meinung nach gut. So holt man die Leute mit ins Boot, sie fühlen sich angesprochen. Aber mir stellt sich die Frage: Wohin will man aufbrechen? Das steht nirgends. Oder bedeutet die Schrift, die durch den Baselstab verläuft, dass man Basel aufbrechen will?
Dass Lorenz Nägelin hinten links etwas im Abseits stehend wirkt, war wohl nicht zu verhindern aufgrund der Bildkomposition. Die beiden hinteren Kandidaten sind dafür nicht ganz so scharf wie die vorderen. Im Gegensatz zu den rot-grünen Kandidaten fehlt die Dynamik.»

EVP: «Das ist maximale Wählerverwirrung»

«Rein vom Grafischen her ein totales Chrüsimüsi. Das Plakat beinhaltet Foto, Grafik, Farbklecks, einen Button, der eine andere Sprache spricht als der Rest, Slogan und EVP-Zeichen. Ästhetisch überladen, darum funktioniert das nicht wirklich. Ausserdem harmonieren Text und Bild nicht miteinander. Die EVP hätte ja eigentlich eine Botschaft, die ich auch verstehe. Sie wäre einiges stärker, hätte man sie grösser gemacht und gelb hinterlegt. Das Bild, das einen Basel-Bezug herstellen will, ist völlig unnötig. Wir wissen ja, dass wir in Basel sind. Die Schwarzmalerei hat nichts damit zu tun. Und dann noch der Button «Nein Danke». Ich musste zweimal hinschauen, ob er nicht nachträglich aufgeklebt wurde. Der ist verfehlt. Er ist ebenso gelb wie der untere Teil des Plakates. Der Wähler stellt im Kopf eine Verbindung her zwischen den beiden Elementen und könnte darum denken: EVP – nein danke. Das ist maximale Wählerverwirrung. Was sie gut gemacht haben: Absender, Liste, fertig. Kein Beigemüse.»

Rot-Grün: «Der Slogan ist nicht wahnsinnig fantasievoll»

«Die erste Frage, die ich mir stelle: Was ist gemeint mit «Basel machts besser»? Basel, das sind doch wir alle. Im Untertitel kommt der Hinweis auf die rot-grüne Regierungsmehrheit, die es offenbar besser macht als alle anderen. Er ist aber sehr klein. Als kritischer Wähler sage ich: Jeder kann behaupten, er mache es besser. Darum ist der Slogan nicht wahnsinnig fantasievoll. Vom Bild her: Die fünf Köpfe sehen ein wenig zusammengebastelt aus, wurden aber anscheinend wirklich in dieser Pose fotografiert. Nach hinten verlieren die Kandidaten extrem an Schärfe, das finde ich ein wenig problematisch. Dafür ist es dynamischer als das bürgerliche Viererticket, es ist eine gewisse Bewegung drin. Die nicht gerade weiss glänzenden Zähne von Frau Ackermann finde ich nicht unsympathisch. Man soll die Leute so zeigen, wie sie sind, mit all ihren Ecken und Kanten. Die Pose von Eva Herzog erinnert entfernt an eine Selfiepose. Hier hätte man expliziter sein und den Selfiestick integrieren können.»

SP: «Der Button ist hässlich, der geht gar nicht»

«Die SP-Kampagne funktioniert anders als alle anderen. Sie will ein positives Lebensgefühl transportieren, von dem will die SP offenbar mehr. Es ist prinzipiell viel schwieriger, eine positive Botschaft zu vermitteln als eine negative. Die Schrift steht hier ganz klar im Vordergrund, das Bild sieht man erst bei genauerem Hinschauen. Das Bild bringt Bewegung in die Sache. Dadurch, dass auf der Textebene etwas anderes ausgesagt wird, entsteht eine Text-Bild-Schere. Aber genau das ist hier spannend. Da hatte man den Mut, etwas Unkonventionelles zu machen. Dass man das Bild nicht gut erkennt, macht nichts, weil es im Unterbewusstsein wirkt wie ein Traumbild. Der Button hingegen ist hässlich, der geht gar nicht. Er macht die Botschaft kaputt. Als wüssten wir nicht alle, dass bald Wahlen sind.»

SVP: «Gestalterisch sind die Plakate eine Katastrophe»

«Mir stellt sich die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Aussage. Ich habe keine Quellenangabe. Auf der anderen Seite arbeitet die SVP als eine der wenigen Parteien mit klaren Botschaften und nicht mit schönfärberischen Bildern. Ob man die Botschaften gut oder schlecht findet: Sie funktionieren und polarisieren. Das sieht man an den vielen Verunstaltungen an den SVP-Plakaten in der ganzen Stadt. Gestalterisch sind die Plakate eine Katastrophe, aber solange die Botschaft funktioniert und bei den Leuten etwas auslöst, kann der Partei das egal sein. Durch die Verunstaltungen bekommen ihre Plakate viel mehr Aufmerksamkeit. Ein Plakat, mit dem jemand interagiert hat, ist doch viel interessanter als eines ohne Verschmierungen. Insofern ist das ein Eigengoal derjenigen, die die SVP-Plakate verschmieren.»

LDP: «Das Plakat portiert eine klare Botschaft»

«Das Plakat funktioniert über die Schrift. Es portiert eine klare Botschaft. So kann ich gut entscheiden, ob ich die Partei wählen will oder nicht. Grafisch ist es kein Meisterwerk. Das muss es in erster Linie auch nicht sein, weil die Botschaft im Vordergrund steht. Man hätte es aber trotzdem schöner gestalten können. Den Hinweis auf den Regierungsratskandidaten unten links übersehe ich, den hätte man sich sparen können. Das Plakat würde gewinnen, wenn man es noch viel konsequenter auf die Botschaft reduzieren würde. Den Wahlhinweis brauche ich nicht.»

FDP: «Hashtag und Webseite sind absolut überflüssig»

«FDP und LDP sind kaum voneinander zu unterscheiden. Die FDP verwendet die gleiche Hintergrundfarbe wie die LDP, die Typografie ist auch ähnlich. Das als Wähler, der schnell an den Plakaten vorbeigeht, auseinanderzuhalten, ist relativ schwierig. Aber vielleicht ist das ja gewollt. Ansonsten ist das Plakat übersichtlich gestaltet, mit zwei Ausnahmen: Der Hashtag und die Angabe der Website sind absolut überflüssig. Niemand steht vor dem Plakat und tippt die Adresse ins Smartphone. Wichtig sind nur der Absender und die Liste. Das gilt für alle Plakate.»

Grüne/Basta: «Die Farbkombination finde ich gewagt, aber heiss»

«Die Farbkombination finde ich gewagt, aber heiss. Das ist aber Geschmackssache. Den Kontrast zweier Farben, die nicht zusammen passen, finde ich spannend. Ich habe aber Probleme mit der Kombination aus Mundart und Hochdeutsch. Warum man zwei Sprachen gewählt hat, verstehe ich überhaupt nicht. Das macht die Botschaft viel weniger verständlich. Wenn man einen Lokalbezug herstellen möchte, dann bitte über den Inhalt der Botschaft, nicht über die Sprache. Und wenn es fasnächtlerisch und baslerisch sein soll, dann wenigstens konsequent.»