Die Messe Schweiz ist optimistisch: 75 Franken kostet der Eintritt in die neue Auto-Messe Grand Basel, die vom 6. bis 9. September in Basel stattfindet – es ist wohlgemerkt der Preis für einen Tag. Das sind 15 Franken mehr als der Eintritt in die Baselworld oder die Art. Gezeigt werden sollen die wertvollsten Automobile der Welt – «Meisterstücke der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft» und das «im Kontext von Kunst, Design, Architektur und Lifestyle», wie es in der Medienmitteilung heisst.

100 Autos werden ausgestellt

Die Besucherzahl ist auf maximal 10 000 pro Tag beschränkt, 100 Autos sind zu sehen. Ob auch weniger betuchte Autoliebhaber bereit sein werden, 75 Franken dafür auszugeben? Der Eintritt in eine klassische Auto-Messe wie den Internationalen Automobil-Salon in Genf kostet 16 Franken, in die Oldtimer Ausstellung Classic Cars in Stuttgart 20 Euro.

Die Grand Basel soll wie die Baselworld und die Art in der Liga der hochpreisigen Anlässe spielen. Sie ist ein weiterer Versuch der Messe Schweiz, sich im Prämium-Sektor festzusetzen und Sammler in besonders anspruchsvollen Segmenten anzusprechen. Neben Basel sind Ausgaben in Miami Beach und Hong Kong geplant.

Auch die Aussteller müssen tief in die Tasche greifen. 350 Franken pro Fahrzeug kostet es nur schon, sich um einen Ausstellungsplatz zu bewerben. Die Zahl ist auf maximal sieben pro Aussteller beschränkt. Wie bei der Art gibt es ein Kuratorium, das bis Ende Juli unter den Bewerbern die Aussteller auswählt. Von ihren Pflichten ist im dicht beschriebenen elf seitigen Ausstellerreglement ausführlich die Rede, von denen der Messe wenig.

Das Geld wird nur zurückerstattet, wenn die Bewerbung akzeptiert wird. Ein Branchenkenner, der nicht namentlich zitiert werden will, sagt: «Die Messe sitzt auf dem hohen Ross. Ich habe den Eindruck, dass es derzeit insbesondere im hochpreisigen Segment schwierig ist.» Die grossen Messen für Oldtimer in Stuttgart oder Essen hätten den Ausstellern Sonderangebote machen müssen. Wie teuer ein Stand in Basel ist, will die Grand Basel nicht mitteilen: «Tarife und Bedingungen sind nur für die Aussteller bestimmt», schreibt Global Director Mark Backé.

Die Retro Classics in Stuttgart fand dieses Jahr bereits zum 18. Mal statt. Mit 87 000 Eintritten kann sie sich sehen lassen. Darunter sind zunehmend Besucher aus der Schweiz. Geschäftsführer Karl Ulrich Hermann analysiert in der Pressemitteilung: «Mit Garagengold zu spekulieren, lohnt sich nicht mehr, dieser Hype ist vorbei. Klassische Automobile sind zunehmend wieder eine Wertanlage für Liebhaber, denen Fahrspass und Individualität wichtiger sind als die Rendite auf dem Papier.»

Hohe Wertzuwächse

Backé widerspricht und verweist auf den Anlagemarkt, der im Vergleich hohe Wertzuwächse beschere. «Es gibt sehr viele Hinweise, die darauf hindeuten, dass dieser Trend ungebrochen ist.» Man richte sich sehr international aus und wolle Zielgruppen im Spitzensegment erreichen. «Dort herrscht eine andere Dynamik. Vor wenigen Tagen wurde beim Verkauf eines Ferrari GTO von 1963 der Rekordpreis von 70 Millionen US Dollar erzielt – der bisherige Rekord lag bei 52 Millionen US Dollar.»

Stephan Musfeld, Basler Unternehmer, passionierter Autoliebhaber und Erbauer des Forums für Oldtimer-Besitzer Pantheon, kann sich gut vorstellen, dass es der Messe Schweiz wie bei der Art gelingt, ein kaufkräftiges Publikum anzuziehen. «Durch die Baselworld und die Art hat sie schon an allen drei Standorten Kontakt zu potenziellen Kunden. Das macht Sinn. »

Wo man sich umhört: Als Konkurrenz wird die Grand Basel bei den zahlreichen Veranstaltern von Auto-Salons und Oldtimer-Messen nicht gesehen. In Stuttgart wie in Genf wird sie als Ergänzung wahrgenommen. Die Auto Basel, bei der die Garagisten der Region im Herbst Neuigkeiten des Jahres vorstellen, ist laut Christoph Keigel sogar am abklären, ob die beiden Anlässe 2019 zur gleichen Zeit stattfinden könnten.

Oldtimer-Messen gibt es neuerdings auch in Strassburg und seit drei Jahren in Luzern. Der Grand Basel macht das keine Sorgen. Es zeige vielmehr, wie vital und gross der Markt sei. Backé zeigt sich zuversichtlich, dass ein neues Format wie Grand Basel seine Nische findet. «Entscheidend ist dabei die Eigenständigkeit des Konzepts.»

Den Bürgermeister von Miami Beach hat das überzeugt. Er hat im Mai einen Vertrag mit der Grand Basel unterzeichnet. Die Grand Basel Miami Beach wird vom 22. bis 24. Februar 2019 stattfinden. Im Mai 2019 folgt Hong Kong.

Sollte die Basler Ausgabe ein Reinfall werden, hat die Messe Schweiz zwei weitere Chancen, Erfahrungen zu machen und sich zu korrigieren. Ein möglicher Punkt wäre der Eintrittspreis.