Verkehr

Gratis-öV für Basel? Politiker fordern Massnahmen nach Baustellen-Debakeln und Führungs-Fiasko

Preisreduktionen gibt es bei den BVB trotz Baustellen keine.

Preisreduktionen gibt es bei den BVB trotz Baustellen keine.

Nach BVB-Fiasko und Grossbaustellen: Preisanpassungen im öffentlichen Verkehr werden mittlerweile von links bis rechts angestrebt.

Der öffentliche Verkehr in Basel steht weiter unter Beschuss. Nachdem der Eklat rund um die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) mit der harschen Kritik der Geschäftsprüfungskommission diesen Sommer seinen Höhepunkt erreicht hat, ist nun von links bis rechts die Forderung nach Gratis-öV zu vernehmen.

Mitglieder von SP, Basta, Juso, BDP und GLP sammeln derzeit Unterschriften für eine Volksinitiative zur Einführung eines kostenlosen U-Abos für Personen unter 20 Jahren. Doch damit nicht genug: Bereits im März fragte SVP-Grossrätin Daniela Stumpf nach, ob ein Gratis-Abo für Pensionierte denkbar sei.

Nun bringt sich mit Grossrätin Andrea Knellwolf auch die CVP in die Debatte ein. In einem neuen Vorstoss will sie von der Basler Regierung wissen, mit welchen finanziellen Folgen ein Gratis-Abo einhergehen würde. Ausserdem sollten Fahrgäste bei «massiven Beeinträchtigungen» des öffentlichen Verkehrs von Preisreduktionen profitieren.

Ein reines Wahlkampf-Manöver vor den nationalen Wahlen am 20. Oktober? Knellwolf ist eine der aktivsten Nationalratskandidatinnen der Basler CVP. Nein, beteuert sie: «Das Ausmass an Baustellen ist riesig. Ich ärgere mich über die Häufung der Bauarbeiten und der Umleitungen, zum Beispiel am Bankverein.»

Auch der Tarifverbund steht in der Kritik

Einen ähnlichen Vorstoss hatte im Juni bereits SVP-Grossrat Joël Thüring eingereicht. Beantwortet wurde dieser noch nicht. Thüring hofft auf die Unterstützung der CVP-Fraktion – und dass das Verkehrsunternehmen künftig gezielt der Kundschaft entgegenkommt. Denn die Anzahl der Personen, die in Basel mit dem Tram oder dem Bus unterwegs sind, ist rückläufig. «Ich muss ehrlich sagen, auch mich haben die BVB zunehmend als Kunden verloren», sagt Thüring.

Die Flut an Vorstössen zeigt: Die BVB haben sich vom unantastbaren Unternehmen zur beliebten Angriffsfläche gewandelt. «Die BVB galten in der Stadt als heilige Kuh, wie die Fasnacht oder der FCB», so Knellwolf, «nun kann man über Themen diskutieren, die bisher tabu waren. Hier gibt es von links bis rechts ein Umdenken.»

Doch das Anliegen, den öffentlichen Verkehr zum Gratis-Angebot umzumodellieren, dürfte es in Basel trotz breiter Unterstützung schwer haben. In der Vergangenheit wurden ähnliche Begehren vom Regierungsrat mit Verweis auf den Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW), dem die BVB angehören, im Keim erstickt. Doch auch der TNW steht nun in der Kritik. «Die heutige TNW-Tarifstruktur funktioniert nicht mehr», so Thüring. «Leute vom Land zahlen für ihr Abo fast gleich viel wie jene, die nur in der Innenstadt unterwegs sind.» Der SVP-Grossrat hofft deswegen auf Tariferhöhungen für die angrenzende Landbevölkerung. Für ältere Personen könnte er sich hingegen den Gratis-öV in der Innenstadt vorstellen.

Bauarbeiten: halber Service zum vollen Preis

Trotz zahlreicher Versuche von links und rechts: Nicht alle teilen die Reformwünsche ihrer Kollegen. «Ein kostenloses U-Abo hätte wohl Einnahmenausfälle in Millionenhöhe zur Folge», warnt FDP-Präsident Luca Urgese, «den öV gratis anzubieten, ist für mich ein grundlegend falscher Ansatz.» Das momentane Baustellenchaos lässt allerdings auch Urgese nicht kalt. «Mir ist aktuell keine vernünftige legale Veloroute von der Schifflände zum Aeschenplatz bekannt», ärgert er sich. Künftig erwarte er von den BVB bessere Alternativen, wenn zentrale Kreuzungen blockiert sind. «Momentan zahlen Fahrgäste für ihr Abo den gleichen Preis wie sonst, erhalten aber nicht den vollen Service», so der FDP-Politiker.

Und wie reagieren die Verkehrsbetriebe auf die Kritik? «Der BVB ist bewusst, dass das grosse Bauaufkommen verbunden mit Sperrungen und Umleitungen für unsere Fahrgäste belastend sein kann», schreibt Sprecherin Sonja Körkel. Deswegen führe das Unternehmen immer wieder Verteilaktionen durch. So auch im Vorfeld zu den Bauarbeiten am Bankverein und beim Dreispitz, als Mitarbeitende Schokolade und Läckerli verteilten.

Zur Forderung einer Tarifreduktion und möglicher Kosten eines Gratis-Abos wollte Körkel mit Verweis auf die ausstehende Regierungsantwort nicht Stellung nehmen.

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