Marketingkonzept
Gratis-Schnaps für die WG-Party ist wohl illegal

Ein Unternehmen sponsert Getränke und Zigaretten für die WG-Party. Doch das Marketingkonzept von Partyguerilla verstösst wahrscheinlich gegen das Gesetz.

Pascale Hofmeier
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Studenten und junge Berufstätige gehören zur Zielgruppe der Partyguerilla.

Studenten und junge Berufstätige gehören zur Zielgruppe der Partyguerilla.

KEYSTONE

Gratis Bier, Schnaps, Snacks und Zigaretten liefert Partyguerilla jungen Leuten zwischen 18 und 30 Jahren für die WG-Party in Basel, Zürich, Genf und anderen Schweizer Städten (die bz berichtete).

Das Marketingkonzept aus Deutschland verstösst wahrscheinlich gegen das Schweizer Alkoholgesetz. «Wettbewerbe, die Spirituosen als Preis haben, sind nicht gestattet», sagt Nicolas Rion von der eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV) und bestätigt einen Bericht von «20 Minuten».

Wer vom Gratis-Partymaterial für Erwachsene profitieren will, muss sich dafür bei Partyguerilla bewerben. Von 100 Party-Anfragen hat Partyguerilla in der Schweiz bisher rund 25 Veranstaltungen beliefert. «Man meldet sich also nicht nur an, sondern steht in einem Wettbewerb. Nicht jeder bekommt die Geschenke», sagt Rion.

Diese Art von Marketing verletze die Werbebestimmungen, wie sie im Alkoholgesetz festgehalten werden und für Spirituosen gelten. Der Fall wird derzeit bei der EAV geprüft.

Jugendschutz ist fraglich

Ein weiterer problematischer Punkt des Geschäftsmodells von Partyguerilla könnten auch die Bilder sein, die auf der Homepage veröffentlicht werden. Denn an jede gesponserte Party geht ein Fotograf, um Beweisbilder für die Lieferanten der nicht ganz jugendfreien Sachspenden zu schiessen. «Lifestylewerbung ist gemäss Alkoholgesetz ebenfalls nicht gestattet. Spirituosenwerbung darf nur Angaben enthalten, die sich unmittelbar auf das Produkt beziehen», sagt Rion. Sollte Partyguerilla solche Bilder auf ihrer deutschen Website verwenden, müsste laut Rion noch geklärt werden, ob Schweizer Recht überhaupt anwendbar ist. Beurteilt werde, wie die Schweizer Kundschaft angesprochen werde.

Er verweist auch auf einen dritten möglicherweise heiklen Punkt des Marketingkonzeptes: «Das Alkoholgesetz sagt, dass die Gratisabgabe von Spirituosen zu Werbezwecken nur erlaubt ist, wenn sie an einen bestimmten Personenkreis abgegeben wird.» Zuständig für diesen Bereich, den Handel, seien die Kantone, die im Fall konkreter Verstösse eingeschaltet würden. Und: «Fraglich ist auch, wie der Jugendschutz sichergestellt ist», sagt Rion.

Bei Partyguerilla will man nichts von möglichen rechtlichen Konflikten wissen: «Wir kennen die geltenden Gesetze, gegen die wir unseres Wissens nach nicht verstossen», schreibt das Start-up auf Anfrage. Rechtsexperten hätten die geltenden Gesetze in der Schweiz geprüft. In direktem Kontakt mit der EAV stehe man seit dieser Woche – seit der Berichterstattung der bz.