Hafenbecken 3

Greenpeace-Aktivisten wollten Rhein für Propaganda kapern, doch sie liefen auf – zu Unrecht

Szenen wie auf dem südlichen Polarmeer: Greenpeace-Aktivisten wollen den Rhein erobern.

Szenen wie auf dem südlichen Polarmeer: Greenpeace-Aktivisten wollen den Rhein erobern.

Naturgemäss ist der Abstimmungskampf um das neue Basler Hafenterminal ein Gefecht, das zu Land ausgetragen wird. Vergangene Woche wollten Aktivisten von Greenpeace – bekannt für so halsbrecherische wie öffentlichkeitswirksame Aktionen – aber den Rhein für ihren Protest gegen das Projekt vereinnahmen.

Seit Monaten beharken sich Naturschützer und Hafenverantwortliche um einen Fleck in Basels Norden. Es geht um wirtschaftliche Interessen versus schützenswerte Fauna, um Natur- gegen Klimaschutz. Entscheiden wird am 29. November die Basler Stimmbevölkerung.

Markus Schweizer ist Schiffsführer und erklärter Hafenterminal-Gegner. Er hat die Kontakte zwischen Greenpeace und Betreibern von grossen Container-Schiffen hergestellt. Nachdem ein erster Versuch mit einem holländischen Frachter floppte, gelang es Schweizer, eine rumänische Crew vom Vorhaben zu überzeugen.

Er lieh den Naturschützern ein Schlauchboot und organisierte einen Kapitän mit der dafür nötigen Lizenz. Statt Walfänger auszubremsen, konnten die Aktivisten damit auf dem Rhein bei Saint-Louis zu einem grossen Tankschiff übersetzen und daran ein riesiges Banner anbringen. Auf dem Transparent stand: «Volle Fahrt in die falsche Richtung – Nein zum Hafenbecken 3». Mit dieser Botschaft sollte das Schiff durch die Basler Altstadt tuckern.

Ein Telefonanruf – oder nicht?

Der Tanker schaffte es allerdings lediglich bis zur Dreirosenbrücke. Dort muss jeweils ein Lotse zusteigen, welcher die Schiffe durch die schwierige Passage bis nach Birsfelden steuert. Die Lotsen stehen im Sold der Schweizerischen Rheinhäfen.

An diesem Punkt vernebelt sich die Sicht, denn hier driften die Erzählungen der Aktivisten und der Hafenverantwortlichen leicht auseinander. Sicher ist, dass der angeheuerte Steuermann das Schiff wieder verlassen hat und nicht durch Basel fuhr, ehe das Banner entfernt wurde. Er habe plötzlich einen Telefonanruf aus der Hafenzentrale erhalten, berichten die Aktivisten.

Die Hafengegner wittern einen Skandal. Schliesslich würden immer wieder Schiffe mit unterschiedlichen Werbungen auf dem Rhein verkehren. «Dass der Hafen die Weiterfahrt verweigert hat, ist einzig politisch motiviert», sagt Schweizer. Er ist empört: «Die Rheinhäfen kleistern ganze Busse in der Innenstadt mit Abstimmungswerbung zu, uns hingegen lassen sie nicht über den Rhein fahren.»

Hafenverantwortliche rudern zurück

Simon Oberbeck, Sprecher der Schweizerischen Rheinhäfen, erzählt eine andere Version. Richtig sei, dass der Mitarbeiter der Schweizerischen Rheinhäfen «im eigenen Ermessen den Schiffsführer gebeten hat, das Banner zu entfernen, bevor er das Transportschiff fährt». Allerdings, muss auch Oberbeck zurückrudern, hätte dafür keine rechtliche Grundlage bestanden.

«Wir entschuldigen uns für das Entfernen des Banners und werden mit den Mitarbeitenden das Gespräch über den Umgang in solchen Situationen aufnehmen», lässt Oberbeck verlauten. Darüber freuen sich die Aktivisten. Gegenüber der bz wollten sie gestern offen lassen, ob sie einen nächsten Anlauf wagen.

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