Niklaus Trächslin ist nicht gut zu sprechen auf den Kanton. «Ich habe kein Vertrauen mehr», klagt der Präsident des OK Grenzacherstrasse. Die Anwohner wehren sich gegen den Lärm der Busse, die laut Trächslin zu den Spitzenzeiten zwischen 16 und 20 Uhr alle 90 Sekunden durch die Strasse fahren.
In einer Petition setzten sich schon vor dem Sommer 250 Personen für weniger und leisere Busse in der Strasse ein. Zwei bürgerliche Grossräte hätten zugesagt, das Anliegen ins Parlament zu tragen, so Trächslin. Von linker Seite, wo der öV «eine heilige Kuh» sei, erhalte man keine Unterstützung.

Warten auf die Lärmschutzmassnahmen

Das Wettstein-Quartier hat ein weiteres grosses Verkehrsproblem: den Lärm der Verkehrslawine, die sich auf der Autobahn durch die Quartiere zwischen Gellert-Dreieck und Schwarzwaldtunnel wälzt. An Spitzentagen sind es täglich bis zu 150 000 Fahrzeuge. Die Autobahn ist ein Engpass und soll deshalb ausgebaut werden. Nachdem sich 2011 11 000 Personen in einer Petition gegen die oberirdische Erweiterung der Osttangente um je eine Fahrspur gewehrt hatten, ist diese Lösung nun vom Tisch. Stattdessen soll es einen Tunnel geben. Allerdings ist die Finanzierung noch nicht geklärt. Die bestehende oberirdische Autobahn soll bestehen bleiben und saniert werden. Bruno Keller vom «Verein Ausbau Osttangente – so nicht» kommentiert: «Mit der Tunnellösung können wir leben, das bringt sicher eine Entlastung, auch wenn der Schandfleck oben bestehen bleibt.» Man sei aber nicht bereit, den Lärm und Gestank noch 20 Jahre hinzunehmen und fordere Massnahmen, um die Lärmschutzverordnung einzuhalten.
Diese sind laut Bundesamt für Strassen Astra derzeit in Planung und sollen ab zirka 2019 umgesetzt werden. Wie sie im Detail aussehen, will das Astra im kommenden Frühjahr vorstellen. 

Abmachungen nicht eingehalten

Das Problem des zunehmenden Busverkehrs sieht auch Hans-Peter Ebneter, Vorstandsmitglied im Neutralen Quartierverein Oberes Kleinbasel. «Eine neue Linie fährt statt bis Bottmingen nur bis zum Claraplatz», kritisiert er. Ausserdem habe das Amt für Mobilität sich nicht an Abmachungen gehalten, Depotfahrten zweier Linien nicht mehr durch die Grenzacherstrasse zu führen.
Die Verkehrsprobleme im Quartier werden mit dem neuen Roche Hochhaus und seinen 2000 neuen Jobs zunehmen. Dazu komme der Claraturm und das geplante Geschäfts- und Wohnhaus in den alten Zürich-Häusern, führt Ebneter aus. «Das gibt einige Tausend mehr Leute pro Tag im Kleinbasel. Das kann weder der Individualverkehr noch der öV schlucken.»

Das Vorhaben, im Rahmen des Programms Tramnetz 2020 eine neue Tramlinie durch die Grenzacherstrasse zu bauen, beurteilt Ebneter kritisch. «Bei einer Informationsveranstaltung des Amtes für Mobilität im Quartier haben sich Anfang 2013 über 100 Leute klar dagegen ausgesprochen. Geändert habe das allerdings nichts. »Der Wettsteinplatz ist ein Problem. Schon heute kommt man zu Spitzenzeiten nur dann in den Kreisel, wenn gerade ein Bus kommt.» Er fragt sich auch, wo die zusätzlichen öV-Nutzer bei dem schon heute wenigen Platz aussteigen sollen.

Einen Teil der Verkehrsprobleme könnte eine neue S-Bahnhaltestelle an der Solitude lösen. Dafür setzt sich auch Bruno Keller ein, Präsident des Vereins «Ausbau Osttangente so nicht!» (zur Osttangente siehe Box). Dies sei ums so wichtiger, da Roche ein weiteres Hochhaus plane: «Ich verstehe nicht, warum Roche sich nicht schon beim Bau der zweiten Eisenbahnrheinbrücke dafür eingesetzt hat.» Der Zeithorizont für die Haltestelle sei nun 2030. «Dabei weiss man schon längst, dass Roche expandieren wird.»
Nächster Schritt beim Projekt Solitude ist eine technische Machbarkeitsstudie. Auf das Tram wolle man deshalb aber nicht verzichten, betont Benno Jurt vom Amt für Mobilität. «Eine S-Bahnstation muss gut eingebunden sein. Mit dem Tram gibt es sicher weniger Busse – das heisst aber nicht, gar keinen.» Die Lärmvorschriften halte man ein, sagt Jurt, räumt aber auch Handlungsbedarf ein.

Die OK Grenzacherstrasse will ihr Engagement mit einem Zusammenschluss der Hauseigentümer im Wettstein- Quartier nun breiter abstützen. «So haben wir mehr Gewicht und können auch Entschädigungsforderungen stellen» sagt Trächslin. Durch Schattenwurf, Baulärm bei Roche und öV habe der Wert der Liegenschaften um 30 Prozent abgenommen.