Einkaufstourismus

Grenzen plötzlich geschlossen: So geht die Region Basel mit ihren Corona-Nachbarn um

Grenze geschlossen: Hier gab es für Schweizer kein Durchkommen mehr.

Grenze geschlossen: Hier gab es für Schweizer kein Durchkommen mehr.

An den Grenzübergängen zu Deutschland mussten gestern viele Auto- und Tramfahrer wieder umkehren. Dennoch: Beim Einkaufscenter Hieber war der Andrang von Schweizern gross.

«Guten Tag. Wohin geht die Reise?» Montag, 11 Uhr, der deutsche Zöllner am Grenzübergang Weil am Rhein beugt sich mit prüfendem Blick runter zur Fahrertür eines Autos mit BL-Nummer. «Einkaufen? Nein, das dürfen Sie ab heute nicht mehr, die Grenze zu Deutschland ist wegen der Corona-Pandemie seit 8 Uhr geschlossen. Bitte wenden Sie und fahren Sie zurück in die Schweiz.» Im Minutentakt dieselbe Ansage; mal handelt es sich um ein Auto mit BS-, mal mit BL-Nummer, vereinzelt mit der Nummer eines anderen Kantons. Auch Velofahrer werden angehalten. Die Schweizer Kollegen auf der anderen Seite winken Einreisende durch. Noch.

Dann fährt das 8er-Tram aus Basel ein. Bei der Haltestelle öffnet sich nur die vorderste Tür, ein Zollbeamter betritt das Tram, führt bei den Passagieren dieselbe Befragung durch wie sein Kollege bei den Autofahrern. Daraufhin steigt ein Grossteil der Fahrgäste aus, wechselt die Strassenseite: Hier fährt der 8er zurück nach Basel. Der Zöllner sagt: «Ein Ansturm blieb zwar aus, und wir können die Situation mit einer Aufstockung des Personals meistern. Aber es gibt doch noch Einige, die denken, sie dürften zum Einkaufen nach Deutschland.»

Schweizer Kunden stürmen Hieber in Grenzach

Beim Kraftwerk Augst-Wyhlen fanden derweil keine Kontrollen statt; es herrschte bis am Nachmittag reger Velo- und Fussgängerverkehr. Einige Schweizer, die über das Kraftwerk nach Deutschland wollten, wussten gar nichts vom Einreiseverbot. Manche kehrten nach der Aufklärung wieder um, andere fuhren trotzdem weiter. Und in Rheinfelden waren Schweizer Kunden bereits vor 6 Uhr über die Grenze gekommen und warteten vor den Läden bis zu deren Öffnung. So bestätigte gestern etwa das Lebensmittelgeschäft Hieber in Grenzach, dass bei Türöffnung 30 bis 40 Schweizer Fahrzeuge auf dem Parkplatz gestanden seien.

Die Stadt Weil begann am Nachmittag, Grenzübergänge komplett abzuriegeln. Nach Informationen der bz war zunächst nur der Grenzübergang Riehen-Altweil betroffen: Hier wurden Bauzäune über die komplette Strasse und Trottoirs aufgebaut, sodass auch keine Fussgänger oder Velofahrer mehr passieren können. Denn: Lediglich aus triftigen Gründen, namentlich zum Arbeiten oder wegen eines Arzttermins darf man jetzt noch nach Deutschland einreisen, so der Beamte in Weil am Rhein. «Beides braucht eine Bescheinigung.»

Auch für Leute, die beim Liefer-Adress-Service LAS-Burg in Weil am Rhein ein im Internet bestelltes Paket abholen wollen, sei die Grenze zu Deutschland ab sofort geschlossen, betont der Zöllner. Beim Lieferservice liefen gestern die Drähte entsprechend heiss, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte. LAS-Burg publizierte deshalb am Nachmittag auf seiner Webseite die Meldung, dass alle Lagerfristen ausgesetzt würden. «Es entstehen für die Zeit der Grenzschliessung keine zusätzlichen Kosten für die Lagerung.» Es sei möglich, sich weiterhin Sendungen liefern zu lassen – bis die Lagerkapazität ausgeschöpft sei.

BVB-Trams fahren weiter nach Deutschland

An der Grenze Weil am Rhein erzählt der Zöllner weiter, dass sein Team bei den meisten Einreisewilligen auf Verständnis gestossen sei, nur Einzelne zeigten sich verärgert. «Alles in allem ein ziemlich entspannter Ausnahmezustand, wenn man das so sagen darf.» Ihn störe einzig, dass das Tram weiterhin die Grenze passiere. «Es wäre sinnvoll, in Kleinhüningen zu kehren.» Die BVB sieht vorerst davon ab; die Haltestellen Weil am Rhein, Dreiländerbrücke bis Weil am Rhein, Bahnhof/Zentrum würden weiterhin bedient. Sprecherin Sonja Körkel sagt: «Wir halten uns an die Weisungen des Bundes. Sollte sich die Ausgangslage ändern, werden wir den Fahrplan anpassen.»

Ab heute werden auch die Schweizer Zöllner jedes Auto, das nicht ein Schweizer Nummernschild aufweist, anhalten. Seit Mitternacht gilt ein Einreiseverbot in die Schweiz – Berufspendler ausgeschlossen.

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