Nun bauen sie den Einkaufstouristen auch noch ein Tram nach Deutschland, lautet eine verbreitete Kritik an der 8er-Tramverlängerung, die ab 14. Dezember Basel mit Weil am Rhein verbinden wird. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass ein Tram in zwei Richtungen fährt: Es wird auch vielen potenziellen deutschen Kunden erleichtern, Basel zu besuchen.

Für Alain Groff, Leiter Mobilität im Basler Bau- und Verkehrsdepartement, ist klar, dass schon heute viele Deutsche zum Arbeiten, Shoppen, auf den Weihnachtsmarkt oder wegen der Kultur nach Basel kommen. «Es gibt hier ein anderes Angebot und sie schätzen das Einkaufserlebnis. Ausserdem ist es für Besucher aus dem Umland nicht so einfach, mit dem Auto hierherzukommen. Es ist schwierig und teuer, einen Parkplatz zu finden.» Kurzum: für das Tram gebe es «Potenzial».

Tram ist kein Schreckgespenst

Überwiegend positiv sind die Rückmeldungen der Hauptbetroffenen: der Detailhändler. Isabelle Hof von der Buchhandlung «Ganzoni», die sich bei «buy local» engagiert, sieht im neuen Tram kein »Schreckgespenst», sondern ist optimistisch. In «buy local» sind 40 kleine, besondere Geschäfte organisiert, der überwiegende Teil aus dem Raum Basel. «Wir haben alle auch Kunden aus Deutschland und Frankreich. Die können jetzt einfacher zu uns kommen», führt Hof aus. Auf die Idee, im 8er-Tram Werbung zu machen, habe man nur verzichtet, weil dies bei den BVB auf einzelnen Tramlinien nicht gezielt möglich sei.

Für Urs Joerin von «Zum Bücherwurm», Buchhandlung und Antiquariat, ist zwar schwer einzuschätzen, ob durch das Tram mehr deutsche Kunden ins «Hochpreisland Schweiz» kommen, «aber grundsätzlich sind sie eine wichtige Kundschaft für das Antiquariat.»

Das Kleinbasel pulsiert

Im Kleinbasel haben sich 50 bis 60 Design-Läden, Galerien, Beizen, Bars und Brockenstuben bei «Reh4» zusammengeschlossen. Das Quartier pulsiert und hat sich zu einer Plattform für Design entwickelt. Danielle Dreier vom Work/Shop «Taktil», der in der Feldbergstrasse laut Eigendefinition «die handwerkliche Auseinandersetzung mit dem Textil- und Modehandwerk» pflegt, ist überzeugt: «Basel steht für kulturellen Austausch und dieser wird mit dem Tram und seinem Taktverkehr alltäglicher und besser zugänglich.»

Gute Erschliessung ist positiv

Die Textildesignerin Claudia Gübel ist wie Danielle Dreier Mitglied bei «Reh4» und betreibt in der Markgräflerstrasse ein Outlet. In der Schnabelgasse hat sie einen Laden. Claudia Gübel erwartet nicht mehr Kunden, aber sieht im Tram eine Bereicherung für das Kleinbasel. «Es wird sicher belebt. Langfristig ist eine gute Erschliessung positiv. Angst davor, die Tramverlängerung könne eine Art «Abflussrohr» in Richtung Deutschland sein, hat sie keine.

Verhaltener klingt es allerdings bei Daniel Hunziker, Vizepräsident der Interessengemeinschaft Kleinbasel. Auf die Frage, ob das Tram nicht auch deutsche Kunden nach Basel bringen könne, antwortet er: «Das ist zu hoffen. Ob es wirklich so kommt, kann ich nicht einschätzen. Wir müssen in einem Jahr ein Fazit ziehen.»

Euro war früher viel stärker

Optimistisch äussert sich hingegen Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt. «Ich sehe das Tram eher positiv. Ich bin überzeugt, dass unser Produkt so gut ist, dass die Kunden kommen. Die Deutschen schätzen Basel sehr.» Böhm verweist zudem darauf, dass die Entscheidung für die Tramverlängerung zu einem Zeitpunkt fiel, als der Euro gegenüber dem Schweizer Franken erheblich stärker war.

Der Basler Wirtschaftsminister und Regierungsrat Christoph Brutschin betont, dass das gegenseitige Einkaufen in der trinationalen Region Basel «eine lange Tradition» habe. Brutschin ist überzeugt von Basels Stärke:«Ich denke, gerade unser Innenstadtangebot ist attraktiv.»

Die Tramverlängerung wird am Sonntag, den 14. Dezember, in Betrieb genommen. An diesem Tag ist die Fahrt auf der gesamten Linie gratis. An den fünf neuen Haltestellen wird es Festveranstaltungen geben. Der Hauptgrund für viele Schweizer, normalerweise nach Weil am Rhein zu fahren, entfällt: Die Geschäfte bleiben dort geschlossen. In Basel ist hingegen am 14. Dezember Sonntagsverkauf.

Pro Innerstadt wirbt laut Mathias F. Böhm auf dem 8er-Tram und auf den Tramoldtimern, die dann nach Weil am Rhein fahren, für Basel. Besondere Werbemassnahmen sind für den Tag aber nicht geplant. Erfahrungsgemäss dürfte die Innerstadt auch so voll sein, wahrscheinlich werden aber neugierige Weiler Tram-Touristen dazu kommen.