Tarifstreit
Grenzüberschreitender öV: Die Ostschweiz fährt Basel davon

Auf dem deutschen Abschnitt der 8er-Tramlinie sind GA und Halbtax künftig ungültig. Nicht so in Schaffhausen: Dort gelten Schweizer Vergünstigungen für Bus und Bahn auch in Deutschland.

Michel Ecklin
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Der grenzenlose Fahrspass mit den BVB wird teurer.

Der grenzenlose Fahrspass mit den BVB wird teurer.

Nicole Nars-Zimmer niz

Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) lösten vergangene Woche einigen Unmut aus. Sie kündigten nämlich an, dass Halbtax- und Generalabo (GA) auf dem deutschen Abschnitt der Tramlinie 8 nach Weil am Rhein bald nicht mehr gültig sein werden. Die BVB rechtfertigten die Massnahme folgendermassen: «Für Kundinnen und Kunden der BVB ist nicht nachvollziehbar, dass die nationalen Fahrausweise grenzüberschreitend nur auf der Linie 8, nicht aber auf den anderen Linien zwischen Basel und dem grenznahen Deutschland und Frankreich gültig sind.»

Doch ein Blick nach Schaffhausen zeigt: Es ist sehr gut möglich, auf einigen Linien ins Ausland die Schweizer Rabatte zu gewähren, ohne dass Verwirrung entsteht. Man kann nämlich vom nördlichsten Kanton der Schweiz aus mit Zug und Bus in einige deutschen Ortschaften fahren – etwa Jestetten, Lottstetten und Büsingen – und auf den deutschen Streckenabschnitten dem Kontrolleur das Halbtax- oder GA zeigen.

Genf prüft den Systemwechsel

Ähnlich wie in Basel präsentiert sich die verkehrstechnischen Lage in Genf. Dort sind die Schweizer öV-Abos im benachbarten Frankreich nicht gültig – zumindest noch nicht. Denn 2019 wird das grenzüberschreitende S-Bahn-System Léman Express in Betrieb genommen. «In Hinblick darauf ist die Anerkennung der Abonnemente schon ein Thema», sagt Rémy Burri, verantwortlich für den bereits existierenden grenzüberschreitenden Tarifverbund Unireso. Allerdings dürfte die Anerkennung nicht ganz einfach werden.
Die Linien in Frankreich werden nämlich von verschiedenen französischen Anbietern betrieben, etwa der Staatsbahn SNCF. Sie würden sich wohl kaum mit den vom Schweizer Halbtax- und GA-System vorgesehenen Entschädigungen begnügen, meint Burri. «Sie werden eine volle Entschädigung verlangen. Denn das Schweizer Rabatt-System ist ihnen fremd.»

Einfacher dank Komplexität

Schaffhausen geht sogar noch weiter: Die Gemeinden jenseits der Grenze sind vollumfänglich Teil des kantonalen Verkehrsverbundes Flexitax. Auch auf der SBB-Bahnline nach Zürich, die über deutsches Gebiet fährt, kann man zu Schweizer Konditionen fahren (und im Ausland ein- und aussteigen). «Angesichts der komplizierten Grenzen im Raum Schaffhausen geht das gar nicht anders», sagt Flexitax-Geschäftsführer Thomas Romer. Auf den von der bundesweit tätigen Deutschen Bahn (DB) betriebenen Linien, etwa auf der Hochrheintalstrecke Richtung Basel, funktioniert das allerdings nicht. Dort gelten die Schweizer Abos nur auf Schweizer Boden.

Seit 1988 existiert der grenzüberschreitende Tarifverbund. Umstritten war die Einbindung der deutschen Gemeinden nie – wohl auch, weil alles unkompliziert geregelt ist. Die Buslinie von Jestetten an die Grenze zum Beispiel wird von der Südbaden Bus GmbH betrieben. Doch eine Entschädigung für die entgangenen Einnahmen wegen der Halbtax-Anerkennung verlangt das deutsche Unternehmen nicht. «Es geht auch nur um eine Handvoll Billette», sagt Romer. Die Linie werde vor allem von Pendlern benutzt, und die hätten ein Flexitax-Abo.

Einkaufen lieber via Strasse

Ebenfalls anders als beim Basler 8er-Tram ist die Situation im Bereich Einkaufstourismus. Zwar suchen auch in Schaffhausen massenhaft Schweizer die günstigen Schnäppchen im Ausland – doch sie gehen mit dem Auto hin. Die Fahrgastzahlen auf den grenzüberschreitenden Linien hätten mit dem starken Schweizer Franken jedenfalls nicht zugenommen, sagt Romer – auf dem Basler 8er-Tram ist das anders. Die Einbindung von deutschen Gebieten in einen Schweizer Verkehrsverbund ist schweizweit einzigartig. Was es rund um die Landesgrenze hingegen des Öfteren gibt, sind Grenzorte, die mit dem Halbtax oder GA erreichbar sind, etwa Pontarlier, Delle, Waldshut und Konstanz.

Bei diesen Strecken liegt aber jeweils nur der Zielort im Ausland; alle Zwischenhalte sind noch in der Schweiz. Noch spezieller ist die Situation vor der Südostrecke der Schweiz. Man kann mit dem Bus von Lugano über Italien bis ins österreichische Landeck (im Inntal) fahren und dabei kaum Schweizer Boden berühren. Die Schweizer Tarifvergünstigungen aber werden auf der Strecke akzeptiert.