Grenzwächter leben zunehmend gefährlicher. Dies belegen Statistiken, wie sie «SRF» am Donnerstag veröffentlicht hat: Bereits 22 mal haben Angehörige des Korps Anzeige wegen Gewalt oder Drohung gegen Beamte eingereicht. Damit ist der Höchststand von 2015 bereits jetzt im Oktober erreicht. Vor fünf Jahren waren es noch 13.

Dass das Klientel der Grenzwächter vermehrt ungemütlich ist, zeigt eine zweite Erhebung: Die Zahl der sichergestellten Waffen ist seit 2011 unerbittlich von gut 1308 auf inzwischen 2884 gestiegen. Für die Nordwestschweiz gibt es keine gesonderten Auswertungen, liess Sprecher David Marquis gestern verlauten. Ohnehin konzentriert das Korps seine Kommunikation in Bern.

Wie sich Rutschmann drei Rippen brach

Einer, der noch immer zahlreiche Kontakte zur hiesigen Basis unterhält, ist der Ex-Grenzwächter und Basler SVP-Grossrat Eduard Rutschmann. Ihn überraschen die Zahlen nicht: «Die Brutalität hat stark zugenommen», sagt er, «der Job ist viel riskanter geworden». Zwar habe auch er brenzlige Situationen durchstehen müssen. Etwa, als er ein Auto anhielt und im Kofferraum eine zweite Person aufspürte. «Damals hatten wir noch keine Handschellen, wir mussten auf die Polizei warten.» Plötzlich habe einer der beiden einen Stuhl gegriffen und Rutschmann damit eins übergezogen. Daraus resultierten drei gebrochene Rippen für den ehemaligen Grenzwächter.

«Und einmal, da musste ich zur Seite springen, weil ein Auto auf mich zufuhr.» Diese Vorfälle würden sich häufen, bestätigt Rutschmann. «Die setzen ganz junge Männer ins Auto voll Einbruchswerkzeugen, teils Minderjährige.» Diese seien unberechenbar.

Auch Polizei leidet

Mehr Präsenz laute die Lösung des Problems. Rutschmann zufolge sei Personalnotstand der Grund dafür, dass mutmassliche Kriminelle zu rabiateren Methoden griffen. «Sie werden zu selten festgestellt und wenn es passiert, versuchen sie sich zu wehren.»

Zu wenig Einsatzkräfte – dies könnte auch der Grund sein, warum die Zahlen gerade jetzt öffentlich werden. Die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats fordert derzeit, das Korps um 30 Vollzeitstellen aufzustocken – zum Schutz der Grenzen, aber auch zu jenem der Wächter. Es ist noch keine zehn Tage her, dass der Bundesrat diesem Begehren mit Verweis auf die Wintersession eine Absage erteilt hat. Für Rutschmann bedeutet der Appell ein Schritt in die richtige Richtung – unterm Strich sei es jedoch viel zu wenig.

Die Grenzwächter sind nicht die einzigen, die über dieses Problem klagen. Auch gegenüber Polizisten schwindet der Respekt: Der Straftatbestand Gewalt und Drohung gegen Beamte hat im vergangenen Jahr um 91 Prozent zugenommen.