Dachstockbrand

«Grenzwert»-Betreiberin Cécile Grieder: «Es ist wie in einem Albtraum»

Cécile Grieder von der Grenzwert-Bar an der Rheingasse 17 klagt über ausbleibende Information nach dem verheerenden Brand.

Frau Grieder, in der Nacht auf Freitag brannte das Haus, in dem sich das «Grenzwert» befindet, lichterloh. Wie geht es Ihnen heute?

Cécile Grieder: Es waren aufwühlende Tage. Es ist wie in einem Albtraum, und ich frage mich ständig, ob ich bald aufwache. Und ich hoffe immer noch, dass der Schaden im Innern doch nicht so schlimm ist wie befürchtet. Aber ich habe kein gutes Gefühl. Seit 24 Jahren wirke ich nun an der Rheingasse, seit vier Jahren befindet sich das «Grenzwert» im Haus Nummer 17. Aber so etwas Trauriges ist mir noch nie passiert. Ich habe in diese Bar so viel Arbeit und Emotionen reingesteckt.

Sie denken, das Haus muss abgerissen werden?

Ich gehe davon aus. Im besten Falle kann man die Hausmauer stehen lassen, innen alles aushöhlen und neu aufbauen. Nicht, dass mir entsprechende Informationen vorliegen würden. Eher das Gegenteil ist der Fall. Sprich: Ich werde überhaupt nicht informiert, weder vom Einsatzleiter noch von der Gebäudeversicherung, die anscheinend abklärt, wie es um die Statik des Hauses steht. Und ich erreiche niemanden, weiss nicht, wie es jetzt weiter geht. Das ist ein bisschen schwierig. Zum Glück läuft es mit meiner Versicherung gut, die kümmern sich super um mich und zeigen sich kulant.

Sie wissen also nicht, wann Sie wieder reinkönnen.

Nein. Das Gebäude ist immer noch abgesperrt. Aber ich will, nein, muss so rasch als möglich da rein! Wir wollen unsere Sachen rausholen können, und ich möchte mir auch ein Bild des Schadens machen. Ob noch etwas zu retten ist. Einige Mitarbeiter haben noch ihre Taschen mit all ihren persönlichen Dingen wie Handy, Portemonnaie und Hausschlüssel in der Bar.

Zwei Verletzte bei Dachstockbrand an der Rheingasse in Kleinbasel

Zwei Verletzte bei Dachstockbrand an der Rheingasse in Kleinbasel

Apropos: Wie geht es den Angestellten – und wie geht’s weiter mit ihnen?

Sie sind alle schockiert und traurig. Die arbeiten mit grosser Leidenschaft im «Grenzwert». Sie müssen aber keine Angst haben um ihren Job; mit dem «Grenzwert» geht es definitiv weiter. Mein Plan ist, so schnell als möglich provisorisch an einem anderen Ort unterzukommen, und, sobald der «Schwarze Bären» wieder bezugsbereit oder das Gebäude neu aufgebaut worden ist, würden wir gerne in die Rheingasse zurückkehren. Das ist mein Traum.

Haben Sie bereits eine Zwischenlösung gefunden?

Nein, leider nicht. Wir sind halt ein wenig eingeschränkt; das Pop-Up sollte sich im Kleinbasel befinden. In die Steinenvorstadt oder ins Gundeli würde die Bar nicht hinpassen. Möglichst zentral gelegen müsste das Lokal auch sein. Wir haben bereits ein paar Angebote erhalten und Optionen, aber davon ist noch nichts spruchreif.

Erfahren Sie grosse Solidarität von anderen Beizern und Bar-Betreibern?

Ja, das ist das einzig Schöne in diesen schrecklichen Tagen. Die Anteilnahme ist riesig, ich habe so viele Whatsapp-Nachrichten erhalten, Wahnsinn! Nicht mal an meinem Geburtstag melden sich so viele Leute bei mir (lacht).

Bis 2015 befand sich das «Grenzwert» an der Rheingasse 3. Diese Lokalität steht immer noch leer. Wäre das eine Möglichkeit?

Definitiv nicht. Wir sind mit den Hauseigentümern nicht im Guten auseinander gegangen.

Das Verhältnis zum Vermieter der Liegenschaft an der Rheingasse 17 war, so hört man, auch nicht das beste. Er ist seit dem Brand unauffindbar.

Das Verhältnis ist nicht schlecht, es ist einfach schwierig, mit ihm zu kommunizieren. Und als wir hier einzogen, befand sich das Restaurant «Zum Schwarzen Bären» in einem schlechten Zustand. Wir mussten die Lokalität von Grund auf renovieren lassen, von neuen Fenstern mit Schallschutz, sanitären Anlagen, Strominstallationen bis hin zu einem grossen Putzaufwand. Von den Bewohnern der Wohnungen und Zimmern in den oberen Stockwerken hörten wir leider auch nichts Gutes.

Was für einen Betrag haben Sie in die Renovation investiert?

Rund 250'000 Franken habe ich reingesteckt. Aber das war’s mir wert, weil die Lage so perfekt ist. Der Zustand des Hauses hat mir aber trotz Renovation Sorgen gemacht. Wir können froh sein, dass vergangene Donnerstagnacht nichts Schlimmeres passiert ist.

Wie meinen Sie das?

Die Gasleitungen des Hauses mussten im April von den IWB komplett abgehängt werden, weil sie in einem schlechten Zustand waren und der Vermieter nicht bereit war, diese erneuern zu lassen. Vor einem Jahr hat bei uns in der Küche eine Leitung geleckt. Seither haben wir im «Grenzwert» mit Induktionsherd gekocht. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn es vor einem halben Jahr gebrannt hätte...

...dann wäre wohl die halbe Rheingasse in die Luft geflogen. Knapp an der Katastrophe vorbei.

So kann man das sagen. Wir alle hatten Glück im Unglück.

Autorin

Rahel Koerfgen

Rahel  Koerfgen

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