MCH

Grossaktionär will Politik bei Messe Schweiz entmachten

Angesichts der Krise soll sich die Politik aus dem Geschäft zurückziehen. Der Aktionär Erhard Lee erhöht den Druck.

Der schlechte Geschäftsgang bei der Messe Schweiz macht einen Grossaktionär ungeduldig. Erhard Lee ist mit seiner Vermögensverwaltungsfirma AMG zu über 15 Prozent an der MCH Group, der Messe Schweiz, beteiligt. Damit ist das Unternehmen nach Basel-Stadt der zweitgrösste Aktionär. Lee erhöht nun den Druck. Sein Angriff richtet sich gegen die Politiker im Verwaltungsrat.

Seinen Unmut über den Geschäftsgang machte er in einem Interview mit dem Branchen-Portal «Schweizeraktien.net» publik. Auf Nachfrage der bz sagt er nun: «Unser Wunschszenario wäre es, wenn der Einfluss der Politik im Verwaltungsrat weniger wird.» Es gehe ihm aber nicht darum, dass sich der Staat komplett zurückzieht.

Kandidaten in der Hinterhand

Insgesamt sitzen sechs politische Vertreter im elfköpfigen Verwaltungsrat der Messe. Drei aus dem Kanton Basel-Stadt, je einer aus den Kantonen Baselland und Zürich und ein Delegierter der Stadt Zürich. Diese Zahl will Fonds-Verwalter Lee reduzieren. Es soll mehr Kompetenz in den Verwaltungsrat einziehen. Dabei hat er konkrete Vorstellungen, was im heutigen Rat fehlt: Er fordert mehr Immobilien-, Kunst-, Uhren- und Eventkompetenz. Also Kompetenz in den existierenden Geschäftsfeldern der Messe und vor allem auch bei der Bewirtschaftung der Immobilien im Portfolio der Messe.

Der Hintergrund ist klar: Die Tätigkeit der Messe Schweiz löst sich je länger, je mehr von den Hallen. Die MCH hat angekündigt, dass sie prüfen wolle, ob ein Verkauf der Messehallen Sinn mache.

Lee hat schon mit möglichen Kandidaten gesprochen, welche die von ihm verlangte Kompetenz in den Verwaltungsrat bringen könnten. Er habe auch bereits Zusagen. Lee will nun die Politiker, die heute im Verwaltungsrat sitzen, in die Pflicht nehmen. «Die Politik muss signalisieren, ob sie den Wandel auch machen will», sagt Erhard Lee. Er wolle dem Verwaltungsrat eine Chance geben und helfen, damit es mit der Messe Schweiz wieder aufwärtsgehe. AMG ist denn auch in Börsenkreisen nicht als aktivistischer Aktionär bekannt.

Einen kompletten Rückzug der Politik der beteiligten Kantone Basel-Stadt, Baselland, Zürich und der Stadt Zürich zu fordern, erschiene als Affront. Die heutige MCH Group entstand einst auf Geheiss des Kantons Basel-Stadt. Und die Hallen gehörten früher traditionellerweise den Städten. Auch sonst sind die Kantone gern gesehene Geldgeber der Messe Schweiz.

Der Kanton Baselland zum Beispiel hat 2012 ein 50-Millionen-Franken-Darlehen an die MCH ausgegeben. Gekoppelt mit der Forderung, dass das Congress Center noch 20 Jahre weiter betrieben wird.

Beat Zwahlen als neuer Chef

Zudem ist wohl auch Lee klar: Mit rund 17 Prozent hat AMG zwar ein beachtliches Aktienkapital, gar das zweitgrösste hinter Basel-Stadt. Aber viel ausrichten kann er alleine trotzdem nicht. 49 Prozent der Anteile an der Messe halten die staatlichen Investoren. Also genau die, deren politische Vertreter Lee gerne ersetzt sehen will. Weil der Rest der Aktien auf viele kleinere Aktionäre verteilt ist, ist es umso schwerer, den Verwaltungsrat zu bestimmten Handlungen zu zwingen.

Doch Lee kann eine ausserordentliche Generalversammlung verlangen und damit den Verwaltungsrat unter Druck setzen. Mit seinen Forderungen ist Erhard Lee bereits an die Messe herangetreten. Wenn es nach ihm geht, soll das Thema bereits an der nächsten Verwaltungsratssitzung diskutiert werden. Diese findet noch diesen Monat statt. Dann soll der Verwaltungsrat um die Regierungsräte Christoph Brutschin, Eva Herzog und Thomas Weber den ersten Schritt in Richtung Öffnung des Verwaltungsrats machen.

Konfrontiert mit der Frage, ob das Thema an der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats traktandiert ist, schreibt ein MCH-Sprecher: «Die Traktandenlisten der VR-Sitzungen sind nicht öffentlich. Wir nehmen keine Stellung dazu, zu welchen Themen im Verwaltungsrat welche grundsätzlichen Meinungen bestehen.» Man pflege aber den Kontakt zu den wichtigen Aktionären, so auch zur AMG.

Konkrete Vorstellungen hat Lee derweil nicht nur für die Besetzung des Verwaltungsrats. Sondern auch für den Posten des neuen Chefs, der zurzeit gesucht wird. Finanzchef Beat Zwahlen sei der richtige Mann, um bei der Messe aufzuräumen.

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