30 Zentimeter. Das ist die Länge eines guten alten Schullineals. Oder ganz wenig mehr als die Höhe einer A4-Seite. Auch manche Asseln auf dem Meeresgrund sollen rund 30 Zentimeter lang sein, das jedoch sprengt als Vergleich natürlich den Rahmen und ist nur insofern zulässig, als die Schweizerischen Rheinhäfen jetzt im tiefsten Basler Gewässer grübeln müssen, nämlich im Rhein.

Dessen Mindestfahrrinnentiefe für Transportschiffe muss um besagte 30 Zentimeter erhöht werden. So will es der Bericht des Bundesrates zum Klimawandel, der diese Massnahme entsprechend vorsieht.

Vier Kilometer Baustelle

Deshalb müssen auf einer Strecke von insgesamt rund vier Kilometern im Durchschnitt etwa 25 Zentimeter der Rheinsohle entfernt werden. «Teilweise chirurgisch», nannte ein Vertreter der Baufirma Hülskens das Vorgehen. Die deutsche Firma erhielt den Auftrag zum Abtragen. Die ganze Rheinsenkungs-Massnahme kostet die Rheinhäfen rund 4,2 Millionen Franken.

Auf dem Rhein wird gebaggert

Auf dem Rhein wird gebaggert

Die Arbeit umfasst Fräsen und Abtragen: Insgesamt sollen rund 35'000 Kubikmeter Material bewegt werden. 5000 Kubikmeter werden abgefräst. Unter anderem soll mit diesem Material die geplante Aufschüttung des Rheinufers entlang des Wettstein-Quartiers realisiert werden.

Rheinschwimmer aufgepasst

Die Arbeiten ziehen sich von Juli 2018 bis Februar 2019. Das ist das einzige erlaubte Zeitfenster, um am Grund des Rheins arbeiten zu können. Das hat Konsequenzen: Nicht nur müssen Rheinschwimmer rund 50 Meter Abstand zu den Arbeitsplattformen in den insgesamt sechs Bausektoren halten, auch die Schifffahrt findet nur eingeschränkt statt.

Die Basler Personenschifffahrtsgesellschaft hat ihren Kursfahrplan bereits angepasst, es kommt zu mehreren Ausfällen mitten in der Hochsaison. «Wir müssen ohnehin messerscharf rechnen», sagte deren Direktor Peter Stalder, der sich an der Medienorientierung vom Donnerstag ins Publikum gesellte.

Schifffahrt frustriert

Der Entscheid, mehrere Kursfahrten ausfallen zu lassen, sei kein leichter gewesen, aber nötig, «er ist konsequent». Denn während in der Fahrrinne gearbeitet wird, ist eine durchgehende Publikumsfahrt vom Dreiländereck bis zum Kraftwerk nicht möglich.

Kritik wurde auch von anderen Schifffahrtsbetreibern geäussert, so wurde unter anderem angekreidet, dass sich wegen der Ausschreibungsbedingungen praktisch gar keine Schweizer Firmen hätten bewerben können. Ihnen fehlte das nötige vorzuweisende Auftragsvolumen, das hoch angesetzt war. Es wurde auch nach internationalen Firmen gesucht.

Wasserstand bleibt gleich

Gemacht werden müssen die Arbeiten allerdings sowieso. Dank der Ausbaggerung sollen die Häfen in Birsfelden und Muttenz besser erreichbar werden und dadurch konkurrenzfähiger. Für die Schiffe selbst sind die 30 Zentimeter, also diese knappe A4-Seite, ausschlaggebend: Sie können bis zu 350 Tonnen mehr Ladung transportieren.

Am Wasserstand der Transportader Rhein soll sich allerdings nichts ändern, da der Aushub gleichmässig erfolge. Dabei hat die Rheinsohle nicht überall die gleiche Höhe: Unter der Schwarzwaldbrücke etwa befinden sich die meisten Kiesablagerungen im Fluss, wie auf den Karten ersichtlich wird, die das Projekt der Öffentlichkeit am Rheinufer vorstellen.

Alles für die Fische

Sämtliche Anwohnerinformationen hätten stattgefunden, eine Einsprache gegen das seit Jahren hängige Projekt wegen der Ausschreibung war erfolglos, wie die Verantwortlichen vor Ort sagten.

Das Zeitfenster für die Arbeiten hat vor allem ökologische Gründe, wie es hiess. Oder wie es Schifffahrtsdirektor Stalder sagte: «Also sage ich meinen Kunden: Ausfälle wegen dem Fischlaich?» Nein, hiess es seitens Bauleitung, eher wegen einer Vielzahl gesetzlicher Auflagen. Dennoch: Hauptgrund für die zeitliche Einschränkung bleibt der Schutz der Tiere.